Skip to main content

Pokerstrategien

Bubble-Phasen in Steps-SNG-Turnieren

Einleitung

Wer erinnert sich nicht an Stephenstevie444Chidwick, der vor drei Jahren auf PokerStars mittels der Steps-SNG-Turniere über 60 (!) WSOP-Main-Event-Tickets gewann, aber aufgrund seines Alters diese nicht noch nicht spielen konnte?! Er konzentrierte sich auf die Besonderheiten der Auszahlungsstruktur von Steps-SNG-Turnieren, auf die in diesem Artikel eingegangen werden soll. Die nächste World Series of Poker steht bereits in den Startlöchern …

Die Struktur von Steps-SNG-Turnieren

Steps-SNG-Turniere spielen sich wie herkömmliche SNG-Turniere, verfügen aber über eine gestaffelte Auszahlungsstruktur in Form von Tickets. Steps-Turniere sind eine gute Möglichkeit sich für ein Live-Event oder ein Turnier mit einem höheren Buy-In zu qualifizieren. Dazu spielt man sich von niedrigen Buy-In-Stufen immer höher und erhält als Preis höhere Buy-In-Tickets. Am Ende der Leiter steht zumeist ein Komplettpaket für ein Live-Event (Buy-In, Hotelunterkunft, Reisespesen). Alternativ bieten einige Seitenbetreiber eine Auszahlung in Form von Turnier-$, Turniertickets, etc. an.

PokerStars, Full Tilt Poker und Party Poker besitzen ein umfangreiches Steps-Konzept, wobei dieser Artikel sich primär auf PokerStars und Full Tilt Poker konzentriert, da die Party Poker-Steps eine andere Auszahlungsstruktur haben und nicht für Live-Events oder dergleichen gedacht sind. Des Weiteren ist es bei Party Poker-Steps nicht möglich sich mittels Punkten (FPP, FTP) einzukaufen, weswegen die Party Poker Steps primär für SNG-Spieler interessant sind, die einmal höhere Buy-Ins spielen möchten.

Steps-SNG-Turniere orientieren sich am sportlich-ehrgeizigen Wettstreit, bei dem die Spieler versuchen eine höhere Stufe (ein neues Level) zu erreichen, bevor man beim finalen Turnier um einen „echten“ Preis spielt. Um Können, Glücksfaktor und ausreichenden Anreiz sicher zu stellen bedeutet das Ausscheiden auf einer höheren Stufe nicht automatisch das K.O. im Wettstreit, sondern man startet in einer niedrigeren Stufe erneut. Ein direktes Einkaufen auf einer erhöhten Stufe ist problemlos möglich.

Die Auszahlungsstruktur von Steps-SNG-Turnieren

Bei Steps-SNG-Turnieren starten normalerweise 9 Spieler, aber auch 4-Spieler-Heads-up, 6-max oder 18-Spieler- Steps-Turniere werden angeboten. Die nachfolgenden Auszahlungsstrukturen beziehen sich auf die verbreiteteren Steps-SNG mit 9 Spielern.

PokerStars

Es ist zu beachten, dass PokerStars die Struktur bisweilen verändert. Insbesondere die Hauptpreise und die dortige Struktur variieren. Die aktuelle Struktur ist wie folgt aufgeschlüsselt:

Stufe Buy-In Platz 1 Platz 2 Platz 3 Platz 4 Platz 5 Platz 6
Step 1 7,50$ oder 2,20€ oder 500FPP Step 2 Step 2 Step 1 1,50$ oder 0,80€ - -
Step 2 27$ oder 7,50€ oder 1750FPP Step 3 Step 3 Step 2 Step 2 Step 1 -
Step 3 82$ oder 27€ oder 5125FPP Step 4 Step 4 Step 3 Step 3 Step 3 -
Step 4 215$ oder 82€ Step 5 Step 5 Step 4 Step 3 Step 3 Step 2 (nur $)
Step 5 700$ oder 215€ Step 6 Step 6 Step 5 Step 5 ($), Step 4 (€) Step 4 Step4 ($), Step3 (€)
Step 6 2100$* oder 700€ Step 7 (€) Step 7 (€) Step 6 (€) Step 6 (€) Step 5 (€) Step 5 (€)
Step 7 2100€* - - - - - -

* Auszahlung abhängig von angebotenem Event, mindestens der Sieger erhält ein Komplett-Paket für ein Event

Full Tilt Poker

Es ist zu beachten, dass Full Tilt Poker die Struktur bisweilen verändert. Insbesondere die Hauptpreise und die dortige Struktur variieren. Die aktuelle Struktur ist wie folgt aufgeschlüsselt (FTP nur aus dem FTP-Shop berücksichtigt):

Stufe Buy-In Platz 1 Platz 2 Platz 3 Platz 4 Platz 5 Platz 6 Platz 7 Platz 8
Step 1 3,30$ oder 750FTP Step 2 Step 2 Step 1 Step 1 Step 1 0,60$* - -
Step 2 8,70$ oder 1950FTP Step 3 Step 3 Step 2 Step 1 2$* - -
Step 3 26$ oder 5800FTP Step 4 Step 4 Step 3 Step 3 Step 2 Step 1 Step 1 Step 1*
Step 4 75$ oder 16.500FTP Step 5 Step 5 Step 4 Step 4 Step 3 Step 3 Step 2* Step 2*
Step 5 216$ oder 47.500FTP Step 6 Step 6 Step 5 Step 5 Step 4 Step 3, Step 4* Step 3* -
Step 6 640$ oder 140.000FTP Step 7 Step 7 Step 6 Step 5 Step 5 Step 4, Step 5* Step 4 Step 4*
Step 7 2100$ oder 455.000FTP ** Step 7 Step 7 Step 6 Step 6 Step 6 Step 5* Step 5*

* nur SuperTurbo-Step-SNGs

** Auszahlung abhängig von angebotenem Event,  der Sieger erhält ein Komplett-Paket für ein Event

Bei beiden Plattformen ist es möglich die Steps-Turniere mit verschiedenen Pokervarianten zu spielen. Dabei ist es auch möglich die Variante zu wechseln, das heißt ein gewonnenes Ticket ist nicht an die Variante mit der es gewonnen wurde gebunden. So sind neben No Limit auch Varianten wie Fixed Limit, Pot Limit Omaha und weitere exotischeren Varianten auswählbar. Auch SuperTurbo-Turniere werden als Steps-SNG angeboten. Erfreulich ist auch, dass Steps-Tickets als Buy-In für äquivalente Turniere akzeptiert werden, sodass man nicht im Stufensystem gefangen sein muss.

Multiple Bubble-Phasen bewältigen

Steps-SNG-Turniere unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von der Spielweise herkömmlicher SNG-Turniere. Wenn in fortgeschrittener Turnierphase die Stacks im Verhältnis zu den Blinds schrumpfen und eroberte Chips die Situation nur für kurze Zeit entspannen, ist die entscheidende Phase eines SNG erreicht. Die Bubble-Phase ist die kritischste und damit auch profitabelste Situation in SNG-Turnieren. Die Herangehensweise in dieser Turnierphase wird in hohem Maße von der Auszahlungsstruktur beeinflusst!

Steps-Turniere verfügen aufgrund der Auszahlungsstruktur über multiple Bubble-Phasen und diese können durchaus bereits in den mittleren Blindstufen erreicht werden. Wie an der oben aufgeführten Auszahlungsstruktur erkennbar wird, sind die Steps-SNG-Turniere mit bis zu vier Bubble-Phasen charakterisiert. So ist es wichtig immer im Blick zu haben, wie viele Spieler noch am Turnier teilnehmen und wie die Gegner auf die verschiedenen Bubble-Phasen reagieren.

Ein Schlüsselkonzept für den Erfolg bei Steps-SNG-Turnieren ist Aggression, denn die meisten Spieler treffen prinzipiell an der Bubble eine deutliche kleinere Handauswahl. An der ersten Bubble stehen die verbliebenen Spieler vor dem Problem ohne ein weiteres Ticket auszuscheiden. Die nächste Bubble bietet die Möglichkeit ein gleichwertiges Ticket zu gewinnen, was für viele Spieler ein Minimalziel darstellt, bevor die finale Bubble darüber entscheidet ob man die nächsthöhere Stufe erklimmt.

Durch diese Dynamik erhält der Prozess des Blindstealing eine hohe Aufmerksamkeit. Dazu ein einfaches Beispiel für einen profitablen Any-2-Push:

Step 1 (Auszahlung: 1+2: Step 2, 3. Step 1)
Blinds 200/400 Ante 25

Cutoff

Hero (Button)

Small Blind

Big Blind

 

600

5800

3700

3400

Preflop (t700): Hero is Button with ??

Cutoff folds, Hero ???

Die Handstärke von Hero ist nicht von Bedeutung, da alle Spieler am Tisch wissen, dass der Spieler auf Seat 1 als nächstes durch die Blinds muss und durch diese Zwangs-All-In gesetzt wird. Der vierte Platz erhält kein neues Step-Ticket. Da Hero über einen komfortablen Chiplead verfügt, werden die Blinds nur mit einem Monster (AA, KK, QQ) callen können, was den Push profitabel gestaltet. Niemand möchte riskieren unnötig vor dem Shortstack auszuscheiden.

Prinzipiell gilt: Spieler die über einen gesunden Stack verfügen, brauchen sich nicht mit dem Bigstack anlegen, wenn dieser versucht den Shortstack zu eliminieren, da im Falle der Eliminierung beide das Ticket für die nächste Stufe erhalten. Damit unterscheiden sich die Steps von den herkömmlichen SNG-Turnieren, wo das Spiel um den ersten Platz eine höhere Bedeutung einnimmt.

Die dahinterstehenden ICM-Betrachtungen sind nah an den gewöhnlichen SNGs, aber grundsätzlich differenziert zu Double-or-Nothing-SNG-Turnieren zu betrachten. Betrachten wir folgende ICM-Berechnung eines Step-5-Turniers (Auszahlung: Platz 1+2: Step 6, 3+4: Step 5, 5+6: Step 6):

Platz 1 Platz 2 Platz 3 Platz 4 Platz 5 Platz 6 Gesamt
Auszahlung in % versus Stacksize 35% 35% 12% 12% 3% 3% 100%
5820 15.06% 11.3% 2.18% 0.7% 0.02% - 29.7%
275 0.71% 1.06% 0.68% 1.77% 2.24% - 6.46%
2155 5.59% 7.36% 3.95% 2.97% 0.16% - 20.02%
1015 2.63% 3.75% 2.28% 5.36% 0.54% - 14.56%
4235 10.98% 11.53% 2.91% 1.21% 0.04% - 26.67%
0 0 0 0 0 0 0 3%

Gegenüber einem herkömmlichen SNG (50:30:20) ist die Auszahlungsstruktur entsprechend anzupassen, wie in der Tabelle zu erkennen. Aufgrund der Wahrscheinlichkeiten wird deutlich, dass man als Bigstack sehr viel stealen und die Gegenspieler attackieren kann. Hintergrund ist der, das die Calling-Ranges der Gegenspieler tighter als in einem normalen SNG sein sollten, wegen der Toplastigkeit der Auszahlungsstruktur. So erhält der erste Platz denselben Preis, wie der Zweitplatzierte, weswegen die Preissprünge an der Bubble höher als bei einem herkömmlichen SNG sind.

Konkretisieren wir das Beispiel nun durch folgende Hand:

Step 5 (Auszahlung: 1+2: Step 6, 3+4. Step 5, 5+6: Step 6)
Blinds 100/200

MP3

Hero (CO)

Button

Small Blind

Big Blind

4235

1015

2155

275

5820

Preflop (t300): Hero is CO with AKs

Seat 1 raises to 400, Hero ???

Neben der Sicherung des derzeitigen Step 5 möchte Hero natürlich noch seine Chance auf den nächsthöheren Step bewahren. Hero hat eine Premium-Hand gegen den Bigstack im Big Blind. Dies ist eine profitable Situation die Blinds anzugreifen, da der Spieler am Button sich nur mit einer sehr kleinen Range dazwischen werfen wird und der Small Blind auf das Ausscheiden von Hero hofft. Damit der Push unprofitabel wird, muss der Big Blind mit einer Range von mindestens 70% callen.

Was aber, wenn Hero nicht als Erster agieren darf?

Step 5 (Auszahlung: 1+2: Step 6, 3+4. Step 5, 5+6: Step 6)
Blinds 100/200

MP3

Hero (CO)

Button

Small Blind

Big Blind

4235

1015

2155

275

5820

Preflop (t300): Hero is CO with AKs

Seat 1 folds, Hero ???

In einem herkömmlichen SNG mit der Auszahlungsstruktur von 50:30:20 wäre diese Hand ein einfacher Reraise All-In, da Hero – zwei Ränge vor dem Preisgeld - eine gute Gelegenheit besitzt seinen Stack zu verdoppeln und der Shortstack keiner weiteren Berücksichtigung bedarf.

Die Payout-Struktur der Steps verändert die Entscheidung von Hero gewaltig! Im Falle des Ausscheidens würde er den fünften Platz belegen und um eine Stufe auf Step 6 zurückfallen. Wie sollte sich Hero entscheiden?

Ein Call kommt aufgrund der Stacksizes im Verhältnis zu den Blinds nicht in Frage. Es ist aber auch nicht anzunehmen, dass er noch über Fold Equity gegenüber dem Initial-Raiser verfügt, sodass er beim All-In-Push mit einem Call rechnen muss. Im Fall des Pushes würde der Shortstack (Small Blind) einen leichten Fold finden können, da das Ausscheiden von Hero seinen kleinen Reststack auf das Maximum aufwerten würde. Bleibt die Frage, ob der Push und der damit verbundene Versuch um die Plätze 1 und 2 zu spielen gerechtfertigt ist?

Annahme A) MP3 hat angemessene Opening Range (ca. 15%)

Im Falle des Pushes verliert Hero an Equity (-1.52%) gegenüber einem Fold, was den Push deutlich schlechter als einen Fold aussehen lässt. Hero kann erst ab QQ+ profitabel callen.

Annahme B) MP3 stealt any-2 (100%)

Interessant ist, das selbst wenn MP3 mit 100% seiner Handrange erhöht, Hero mit AKs einen Fold finden muss, da dieser Spot einen geringfügen negativen Erwartungswert (-0.31% Equity) aufweist, selbst wenn die Spieler dahinter nur noch mit AA overcallen würden. Hero könnte erst mit 99+ profitabel pushen. Das „Überleben“ in einem Step-SNG ist wichtiger als bei herkömmlichen SNGs.

Spezifische Gegner

Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind die zum Teil äußerst unterschiedlichen Gegnertypen. So finden sich auf den höheren Stufen Spieler wieder, die normalerweise nicht auf den erreichten Limits (Steps) spielen. Diese sind oft semi-loose und berücksichtigen Faktoren wie Position, Bubble Play nicht in angemessenem Maße, worauf man entsprechend reagieren sollte.

Demzufolge ist das Spiel auf den einzelnen Steps differenziert und erfordert Aufmerksamkeit und Anpassung. Je höher man in den Steps-SNG-Turnieren aufsteigt, desto wichtiger sind demzufolge Notizen über Spieler mit denen man sich häufiger an den Tischen befindet. So ist wichtig herauszufinden welche Spieler bereit sind relativ loose um den kompletten Stack zu spielen und welche Spieler so häufig wie möglich von anderen Spieler stealen, aber All-In-Situation weitestgehend meiden. Diese Notizen können möglicherweise entscheidend für bestimmte Situationen sein, weswegen die Mühe auch lohnenswert ist. Die verschiedenen Step-Level spielen sich unterschiedlich: Ist man auf einer Stufe der Shark, kann es durchaus sein, dass man auf der nächsthöheren Ebene bereits der Fisch ist.

Einige weitere Handbeispiele:

Step 1 (Auszahlung: 1+2: Step 2, 3. Step 1)
Blinds 100/200

Hero (MP3)

Cutoff

Button

Small Blind

Big Blind

1890

2880

2400

3010

3020

Hero ist der Shortstack und wird als nächster die Blinds durchlaufen. Dennoch besitzt er mit 9.5BB einen akzeptablen Reststack und die Bubble ist noch einen Platz entfernt, sodass es keinen Grund gibt mit dieser Hand in den Bigstack im Big Blind zu pushen. Die grundlegende Strategie sollte sein nach den Blinds in die Spieler nach Hero zu pushen um Blinds zu stealen. Das UTG-Spiel an der Bubble sollte sehr tight sein, solange man nicht unter einen 4-7BB-Stack fällt. Eine profitable Pushing-Range wäre in dieser Situation 77+, AJo+, ATs+.

Preflop (t300): Hero is MP3 with A2o

Hero ???

Step 3 (Auszahlung: 1+2: Step 4, 3. Step 3)
Blinds 300/600 Ante 50

Button

Small Blind

Hero (Big Blind)

4670

3990

4840

Preflop (t300): Hero is BB with 77

1 fold, SB raises 3990 (All-In), Hero ???

In einem normalen SNG wäre die Hand von Hero stark genug um zu callen. Durch die modifizierte Auszahlungsstruktur von Steps-Turnieren ist die Hand erst ab einer Pushing-Range von ca. 90% marginal profitabel zu callen, weswegen in dieser Situation der Fold zu bevorzugen ist.

Step 3 SuperTurbo (Auszahlung: 1+2: Step 4, 3+4. Step 3)
Blinds 40/80

Cutoff

Button

Hero (Small Blind)

Big Blind

275

560

585

1280

Preflop (t300): Hero is SB with A9o

Cutoff raises 275 (All-In), 2 folds, Hero ???

Der Shortstack und Hero haben hier das Buy-In für das aktive Step-Turnier bereits erspielt und der Kampf um den Chiplead und damit um das nächsthöhere Step-Turnier hat begonnen. Hero kann den Push vom Shortstack profitabel callen, da die Blindstruktur (SuperTurbo-SNG) den Kampf um die Bubble erlaubt. Gewinnt Hero das All-In steigen seine Chancen auf die nächsthöhere Stufe immens. Ein Overcall mit A9o ist gegen 100% der UTG-Range profitabel.

Pushing-Ranges vom Button an der finalen Bubble

Wie den Handbeispielen rasch zu entnehmen ist, können keine einfachen Faktoren für erfolgreiches Bubblespiel aufgezählt werden. Dennoch ist es möglich die Pushing- und Callingranges anhand von Stacksize und Position etwas zu verallgemeinern. Die nachfolgende Auflistung zeigt in welchen Situation mit welcher Range gepusht werden kann.

Wenn der dritte Platz bereits erreicht wurde, ist vom Button prinzipiell sehr loose zu agieren. Um die Ranges in Bezug auf die Stacksizes einzugrenzen gelten folgende profitable Szenarien:

Sehr looses Agieren (70-100% der Hände)

So kann man als Chipleader davon profitieren, wenn sich die Spieler in den Blinds in einem knappen Kampf um den zweiten Platz befinden und die Blinds hoch sind. Szenarien in denen 70 – 100% der Hände gepusht werden können:

  • Hero hält 10 BBs und hat Stacks mit 40 BB / 15 BB dahinter
  • Hero hält 10 BBs und befindet sich in einem knappen Wettlauf um den zweiten Platz mit dem Big Blind
  • Hero hält 14BBs und Small Blind und Big Blind haben jeweils ca 3.5 BBs

Looses Agieren (40%-70% der Hände)

Diese Range kann eingesetzt werden, wenn Hero über einen schwachen Shortstack (5-8BBs) verfügt und sich in einem knappen Wettstreit mit einem Gegenspieler um den zweiten Platz befindet. Ein solcher Stack besitzt zum einen weniger Fold Equity und zwingt die Gegenspieler mehr Risiken einzugehen, um den Wert des eigenen Chipkapitals zu schützen. Ebenso kann der Chipleader mit doppelten Stack mit dieser Range agieren, wenn sich SB und BB im Kampf um den zweiten Platz befinden.

  • Hero kann 55% der Hände nutzen, wenn er über 7 BBs verfügt und der 1-2 BBs hinter dem Big Blind zurückliegt
  • Hero kann 70% der Hände nutzen, wenn er den doppelten Stack gegenüber den Blinds besitzt, zum Beispiel: Hero 10BB, Small Blind und Big Blind jeweils 5 BB

Aggressives Agieren (20%-40% der Hände)

Mit einem soliden Chiplead gibt es keinen Grund sich unnötig vom Button in die Blinds zu werfen. Wer aber über einen knappen Chiplead oder zweiten Platz verfügt ist auf der Suche nach Spots. Aktivitäten bieten sich insbesondere dann an, wenn der Chipleader direkt zur linken sitzt und passiv gegen den Shortstack im Big Blind agiert.

  • Hero kann 21% der Hände nutzen, wenn er über 7 BBs verfügt und die Blinds über die gleiche Stacksize verfügen
  • Hero kann 25% der Hände nutzen, wenn er an zweiter Stelle im Chiplead agiert und der Big Blind über 2,5 BB oder weniger verfügt
  • Hero kann 25% der Hände nutzen, wenn er über den Chiplead verfügt und der Small Blind sich auf etwas abgeschlagener dritter Position befindet
  • Hero kann 30% der Hände nutzen, wenn er an er an zweiter Stelle im Chiplead mit 5 BB agiert und der Big Blind über 2 BB oder weniger verfügt

Tight (10%-20% der Hände)

Eine tighte Handauswahl kann sowohl bei einem soliden Chiplead als auch bei einem soliden Stack in zweiter Position in Betracht gezogen werden. Angezogen werden muss nur, wenn der Small Blind als Shortstack regelmäßig in einen passiven Chipleader pusht und so preiswert seinen Stack vergrößern kann.

Very Tight (0%-10% der Hände)

Eine sehr tighte Handauswahl vom Button empfiehlt sich, wenn die Stacks nahezu gleichgroß sind und man sich einem sehr loosen Player in den Blinds gegenübersieht. Wer über einen massiven Chiplead verfügt kann ebenfalls sehr tight am Button reagieren und den Small Blind die Arbeit überlassen.

  • Hero kann 10% der Hände nutzen, wenn er über 5-10 BBs verfügt und die Chipstacks gleichauf sind
  • Hero kann 8% der Hände nutzen, wenn er über 10 BBs und der Small Blind über 9 BBs verfügt

Hero kann 8% der Hände nutzen, wenn über 6,5 BBs mit einer leichten Führung gegenüber dem Small Blind verfügt und sich tighten Blinds gegenübersieht

Bluffing

Teil 1: Einleitung und Grundsätzliches

1. Einleitung

Poker ist eine der seltenen Angelegenheiten, in der es erlaubt (und auch notwendig!) ist zu lügen. Denn die Fähigkeit, den Gegner gut über die wahre Stärke unserer Hand täuschen zu können, ist ein wichtiger Faktor im Hinblick auf unsere langfristige Gewinnerwartung bzw. die Platzierung im Turnier. Wenn man eine andere als die tatsächlich gehaltene Hand repräsentiert, nennt man dies nicht täuschen oder gar lügen. Dieser besondere Spielzug wird als Bluffen bezeichnet.

 

Ein Bluff ist für Personen, die nur über einen begrenzten Einblick verfügen, der Inbegriff des Pokers. Man denke nur an den Sieg von Chris Moneymaker beim Main Event der World Series of Poker 2003, wo Moneymaker einen spektakulären Bluff mit einem gescheiterten Draw gegen Sam Farha spielte, der sein Top Pair wegwarf und Chris Moneymaker damit den Grundstein für seinen Sieg legte. Diese Hand zeigte, dass ein Amateur mit „Nichts“ auf der Hand gegen einen Weltklassespieler bestehen und Weltmeister werden kann. Vielleicht löste ein Bluff einen weltweiten, unerwarteten Pokerboom aus, der bis heute andauert?!

 

Viele Anfänger, schlechte Spieler und die typischen Zocker haben die These, Poker bestehe im Wesentlichen aus spektakulären Bluffs, verinnerlicht. Sie bluffen viel zu viel bzw. in Situationen, die für einen Bluff denkbar ungeeignet sind. Selbst die wenigen Beiträge, die sich im Forum auf den niedrigen Levels mit Bluffs befassen, lassen erkennen, dass zumeist nach Gefühl und aus dem Bauch heraus geblufft wird. Die Mechanismen des Bluffens scheinen nahezu unbekannt zu sein. Man kann dabei oft abstrahieren: Hero vermeint, Schwäche bei Villain zu spüren, also haut er drauf. Eine saubere Analyse der Faktoren, die einen Bluff profitabel machen, findet sich dagegen selten.

2. Gang der Untersuchung

Anliegen dieses Artikels ist es, die soeben erläuterte Situation zu ändern. Es soll zum einen versucht werden, das Thema „Bluffing“ strukturiert anzugehen und Faktoren, die über Erfolg oder Nichterfolg eines Bluffs entscheiden, aufzuzeigen. Zum anderen sollen spezielle Spielzüge vorgestellt werden, die in bestimmten Situationen Erfolg versprechen. Mehr oder weniger wohlfeile Empfehlungen wie „bette, wenn am turn eine scare-card erscheint“ o.ä. sollen dagegen vermieden werden. Denn das sind nur die berühmten 5 Euro ins Phrasenschwein.

3. "Technische" und "Komplexe" Bluffs

Strukturell kann man zwischen „technischen“ und „komplexen“ Bluffs unterscheiden.

3.1 Technische Bluffs

Als technische Bluffs bezeichnen wir Bluffs, die eher standardmäßig gespielt werden, d.h. bei denen es weniger auf die speziellen Umstände des Einzelfalls ankommt. Dazu zählen

 

  • das Stehlen der Blinds sowie der Resteal aus den Blinds gegen einen Raiser vom Cutoff oder vom Button,
  • das Squeezeplay,
  • die Continuation Bet,
  • das Stehlen eines kleinen Potts mit einer schlichten Bet am Turn oder am River, nachdem der Pott herumgecheckt wurde,
  • das Spiel „Stop & Go“ in Turnieren aus den Blinds mit einem kleinen Stack.
  • Mit Einschränkungen gehören hierzu auch die Second Barrel und der Float.

 

Bitte versteht aber die Formulierung eher standardmäßig, d.h. es kommt weniger auf die speziellen Umstände des Einzelfalls an, nicht falsch. Selbstverständlich gibt es Umstände, die bei jeder einzelnen Hand bedacht werden müssen, ehe man diese Art von Bluffs spielt. Gemeint ist, dass sich diese Umstände eher „objektiv-technisch“ feststellen lassen, d.h. keine komplexen Überlegungen notwendig sind.

 

Nehmen wir als Beispiel die Continuation Bet. Ob wir eine Continuation Bet ausführen, richtet sich nach folgenden Umständen:

 

  • Wie viele Gegner sind in der Hand?
  • Wie ist die Textur des Boardes?
  • Könnte Villain getroffen haben? Kann Villain davon ausgehen, die beste Hand zu haben?
  • Sind Draws möglich? Könnte Villain einen starken Draw gefloppt haben?
  • Spielen wir gegen tighte Spieler oder gegen eine Calling Station?

 

Diese Punkte lassen sich sehr schnell überprüfen und sind den meisten Spielern, die diesen Artikel lesen, wahrscheinlich längst in Fleisch und Blut übergegangen.

 

In diesem Artikel befassen wir uns nicht mit diesen „technischen“ Bluffs. Hierzu sei auf die entsprechenden speziellen Strategieartikel verwiesen.

3.2 Komplexe Bluffs

Als komplexe Bluffs bezeichnen wir Bluffs, die nicht standardmäßig gespielt werden. Ziel des komplexen Bluffs ist es, den Pott direkt zu gewinnen. Die sogleich unter 4.2 genannten indirekten Ziele spielen bei dieser Art Bluff nur eine untergeordnete Rolle.

 

Wollen wir den Pott gewinnen, müssen wir unseren Gegner ausspielen. Deshalb spielen spezielle Umstände der einzelnen Hand eine entscheidende Rolle. Der komplexe Bluff will gut vorbereitet und wohlüberlegt sein. Hier darf man nicht von einem standardisierten Vorgehen ausgehen.

 

Mit den Wirkmechanismen des komplexen Bluffs werden wir uns im restlichen Teil dieses Artikels auseinandersetzen.

4. Warum bluffen - direkte und indirekte Ziele

Ein Bluff kann unterschiedlichen Zielen dienen. Dabei unterscheiden wir zwischen einem direkten und zwei indirekten Zielen. Hauptziel ist das direkte Ziel – Gewinn des Pots mit der schlechteren Hand. Die beiden indirekten Ziele (balanced strategy zum einen und Bilden eines bestimmten table-images zum anderen) sind zwar ebenfalls wichtig, spielen aber gegenüber dem direkten Ziel nur eine untergeordnete Rolle.

 

Im Einzelnen:

4. Das direkte Ziel eines Bluffs - Gewinn des Potts

Müssen wir davon ausgehen, die schlechtere Hand zu haben, können wir den Pott nur gewinnen, wenn unser Gegner foldet und wir nicht zum Showdown müssen. Dies erreichen wir, indem wir mittels unserer Bets eine stärkere Hand repräsentieren, als wir haben. Gewinnen wir den Pott ist das direkte Ziel eines Bluffs erreicht.

 

Dieser Artikel wird sich hauptsächlich mit dem direkten Ziel des Bluffs beschäftigen. Wie und wann können wir was für eine stärkere Hand repräsentieren, damit unser Gegner die repräsentierte Hand erkennt, sie uns glaubt und dann noch in der Lage ist, seine Hand zu folden? Dabei wird dem Artikel folgende Struktur zugrundegelegt:

 

  • der Ablauf, d.h. der Wirkmechanismus eines Bluffs;
  • die Faktoren, die dem Wirkmechanismus innewohnen;
  • Subsumtion der Faktoren unter den Wirkmechanismus, d.h. Entscheidung, ob ein Bluff gespielt werden soll und wenn ja wie.

 

Mit anderen Worten wollen wir das theoretische Rüstzeug dafür vermitteln, dass wir von den in der Einleitung angesprochenen eher intuitiven Entscheidungen wegkommen und, wenn nicht am Tisch, so jedenfalls in der Analyse nachvollziehen können, ob unser Bluff (unabhängig vom Ergebnis) gut gespielt war oder nicht. Denn gerade beim Bluffing ist die Gefahr sehr groß, das eigene Spiel rein ergebnisorientiert zu betrachten. Hat es geklappt, war es super gespielt – vgl. hierzu die berühmte Hand von Moneymaker gegen Farha, die uns noch an mehreren Stellen dieses Artikels begegnen wird. Analysieren wir dagegen sauber die dem Bluffing innewohnenden Strukturen, werden sie uns nach und nach in Fleisch und Blut übergehen, so dass wir auch am Tisch (durchaus intuitiv!) zu besseren Entscheidungen kommen werden.

4.2 Das erste indirekte Ziel eines Bluffs - Bluffing als Teil einer balanced strategy

Der Tatbestand „Spielen von zu wenigen Bluffs“ wird in der Pokerliteratur gemeinhin als schwerwiegender Fehler bezeichnet (siehe z.B. Phil Gordon „Little Green Book, S. 10 oder aus Sklanskys Liste der häufigsten Fehler in „The Theory of Poker“: Nr.2 Bluffs to little; Nr. 8 never bluff-raises). Auf der anderen Seite nennt Sklansky als häufigsten Fehler: Nr. 1 Bluffs to much! Es ist also offenbar gar nicht so einfach, den richtigen Mittelweg zu. Das Ziel ist also mit einer Frequenz zu bluffen, von der angenommen wird, dass sie zu der oft zitierten balanced strategy führt.

4.2.1 Die Theorie

Hinter der Aussage „Bluffing als Teil einer balanced strategy“ stehen folgende theoretische Überlegungen:

 

Nach dem fundamental theorem of poker gewinnst Du, wenn Dein Gegner anders spielt als wenn er Deine Karten sehen könnte. Würdest Du ausschließlich mit starken Händen bieten bzw. erhöhen oder entgegengesetzt mit schlechten Karten checken bzw. wegwerfen, wären wir leicht zu durchschauen. Deine Gegner könnten ihr Spiel darauf einstellen und würden keine Fehler begehen, da sie entsprechend Deinen Aktionen jeweils die richtige Gegenaktion spielen.

 

Das vorgesagte ist theoretisch zwingend. Daraus folgt der – ebenfalls theoretisch zwingende – Schluß, dass Du gelegentlich bluffen musst, wobei Dein Gegner den Bluff auch realisieren muss (weil Du entdeckt wirst oder den Bluff zeigen). Denn nur so gibst Du Deinem Gegner die Möglichkeit, Fehler zu begehen, nämlich

 

  • erstens bessere Hände in der Annahme zu folden, Du würdest nicht bluffen und
  • zweitens mit schlechteren Händen zu callen in der Annahme, dass Du bluffst.

 

Mit anderen Worten kann man davon sprechen, dass die balanced strategy zu „implied odds im weiteren Sinne“ führen soll. Wir müssen immer daran denken, dass die balanced strategy kein Selbstzweck ist. Sklansky gebraucht in „The Theory of Poker“ hierfür auf S. 165 und 63 den Begriff „The value of deception“ und erklärt Bluffing für ebenso wichtig wie Slowplay.

 

Welche Bluff-Häufigkeit führt nun zu einer balanced strategy? Diese Frage kann leider nicht beantwortet werden, da es absolut gegnerabhängig ist, inwieweit Du durch eine balanced strategy mit Deinen guten Händen besser ausgezahlt wirst. In der Folge kann nur das theoretische Konzept vorgestellt werden.

 

Welche Bluffing-Frequenz ist im Sinne des „fundamental theorem of poker“ theoretisch richtig?

Beispiel 1

NL 100 SH

 

SB $ 100

BB $ 100

Hero is BB with x♣ x♦

 

Preflop: 4 folds, Villain raises to $ 2,5, Hero calls.

Flop: ($5) Q♠ T♦ 3♥

SB bets $ 2,50, Hero calls.

Turn: ($10) 3♠
Villain checks, Hero checks. Ob das Spiel von Hero bis hierhin richtig war, soll nicht interessieren, seine Karten sind in diesem Beispiel auch nicht bekannt ...

River: ($10) 7♥
Villain checks, Hero??

Frage: Wie oft muss man hier mit der schlechteren Hand mit einer Bet von 5 $ im Sinne einer balanced strategy bluffen?

Antwort: Man muss mit einer Frequenz bluffen, die den Odds, die man Villain gibt, übereinstimmt. Bei einer Bet von 5 $ wäre das also 4:1 gegen einen Bluff – Du musst - mit anderen Worten - in vier Fällen drei Mal die beste Hand haben und ein Mal bluffen. Denn dann weiß Villain nicht, ob er callen oder folden soll – dadurch gewinnt man extra-money. Man sehe:

  • Bettet man 5 $ in den Pot, bekommt Villain Odds für einen call von 4:1. Deshalb muss die Wahrscheinlichkeit aus Sicht von Villain gegen einen Bluff von Hero ebenfalls 4:1 sein. Denn hierdurch kommt Villain auf ±0, egal ob er callt oder foldet: Callt Villain jedes Mal, gewinnt er ein mal 15 $ und verliert 3 mal 5 $. Foldet er jedes mal, gewinnt er nichts und verliert auch nichts. Das Ergebnis ist eben jenes ±0.
  • Für Hero stellt sich die Sache dagegen ganz anders dar. Auch wenn Villain immer callt oder immer foldet, gewinnt Hero aller 4 Hände 10 $: Callt Villain immer, gewinnt Hero die zusätzlichen 5 $ 3 mal, einmal verliert er 5 $. Das sind in 4 Händen 10 $ zusätzlicher Gewinn. Foldet Villain dagegen immer, geht Heros Bluff durch und er gewinnt ebenfalls 10 $, nämlich denjenigen Pot, den er bei einem Check Behind aufgrund der schlechteren Hand verloren hätte.

 

Im Ergebnis erhälst Du also durch Deinen Bluff einen zusätzlichen Gewinn von 10 $ gegenüber einer Spielweise ohne Bluffs.

 

Durch diese Art der balanced strategy zwingen wir Villain in einen Fehler im Sinne des Fundamental Theorem. Würden wir häufiger oder weniger häufig bluffen, ist das Gegenteil der Fall.

 

Bitte beachte, dass bei der hier diskutierten theoretischen Frage gegnerabhängige Faktoren (in wie viel Prozent der Fälle wird dieser Gegner gegen eine bestimmte Bet folden?) keine Rolle spielen können (dazu sogleich 5.2.1 für die vergleichbare Situation der Continuation Bet). Denn es geht hier allein um die Frage, welche Bluffing-Frequenz theoretisch optimal im Sinne des fundamental theorem ist, wenn beide Seiten in dieser Situation (Du hast 3 Mal in 4 Fällen die bessere Hand) richtig spielen. Das ist die Theorie und nicht die Praxis – das Beispiel sollte nur den theoretisch richtigen Wert erläutern. Man kann dazu auch andere Bet-sizes nehmen. Wichtig ist nur die Erkenntnis, dass die odds aus Sicht von Villain gegen einen Bluff von Hero genauso hoch sein müssen wie die Pot Odds, die Hero Villain gibt.

4.2.2 Die Praxis

Das soeben dargestellte theoretische Konzept der balanced strategy wird von den meisten Spielern aber überbewertet bzw. in seiner Bedeutung nicht richtig erkannt. Damit es in der Praxis zur value-Maximierung angewendet werden muss und auch funktioniert, ist das Zutreffen mehrerer Annahmen erforderlich:

 

  • Unsere Gegner spielen „richtig“ im Sinne des fundamental theorem, d.h. wenn Du nie bluffen würdest, würden diese den Umstand realisieren und entsprechend gegen Dich spielen. Spielst Du dagegen balanced, machen die Gegenspieler Fehler.

 

  • Bereits an dieser Fähigkeit fehlt es bei einem Großteil Deiner Gegner auf den kleineren bis mittleren Levels. Selbst wenn Du mit stats von VP$IP 8 und einem PFR von 3 bei einem AF von 1,0 immer nur starke Hände zeigen würdest, spielen viele Gegner stereotyp. Diese achten vor allem auf die Stärke ihrer Hand und sind nicht in der Lage, Deinen Aktionen die gebotene Aufmerksamkeit zu schenken. Du müsstest schon sehr viel bluffen (und sehr oft auffliegen), damit diese Gegner ihr Spielverhalten verändern und Du dadurch mehr value mit Deinen guten Händen erhälst.

 

Man beachte in diesem Zusammenhang: Starke Hände sind bedauerlicherweise eher rar. Das bedeutet zum einen, dass Deine Ergebnisse, wenn Du als Bluffer angesehen wirst, stärker von Deinen Karten abhängt. Zum anderen muss noch der Umstand dazukommen, dass Dein Gegner auch eine gute zweitbeste Hand hat, mit der er gewillt ist, Dich auszubezahlen, und zwar Dich besser auszuzahlen, als wenn Du keine balanced strategy gespielt hättest. Das spielt aber bei dem beschriebenen Gegnertyp nur eine untergeordnete Rolle, da es sich zumeist ohnehin um calling-stations handelt, die auch so schon genug schlechte calls machen.

 

Sitzt Du dagegen an einem Tisch mit Spielern, die Dein Konzept erkennen und auch noch die richtigen Schlüsse daraus ziehen, solltest Du lieber den Tisch wechseln als zu versuchen, eine balanced strategy zu implementieren. Einen sehr schönen Satz hierzu bringt Vorhaus in Killer Poker online Vol. 2, 1. Auflage 2006, S. 206: If you are in a game where bluffing works, you are in the wrong game.

 

  • Eine balanced strategy spielt nur eine Rolle, wenn Du rein zeitlich die Chance hast, in der Zukunft von Deinem durch die balanced strategy gewonnenen Image zu profitieren.

 

Beim Cash Game im Internet sitzt Du mit den gleichen Gegnern nicht sehr oft und nicht sehr lange an einem Tisch. Du hast somit gar nicht die Zeit, ein bestimmtes Image bzw. eine balanced strategy zu etablieren. Ferner spielen viele Deiner Gegner an mehreren Tischen und sind deshalb nicht in der Lage, Deine balanced strategy zu erkennen. Im Live Game oder auch in Online-Turnieren ist dies anders, ebenso wenn Du ständig gegen die gleichen Gegner spielen würdest.

 

  • Wichtig ist zu erkennen, dass eine balanced strategy nicht nur Vorteile bringt. Deine Gegner sehen nicht, dass Du eine balanced strategy spielest. Sie sehen, dass Du schlechte Karten zeigst. Hierdurch verlierst Du an Respekt.

 

Das wirkt sich negativ insbesondere auf die vielen Standardsituationen aus, aus denen Dein langfristiger Gewinn kommt. Ein Paradebeispiel dafür ist die Continuation Bet, die Du wesentlich schlechter „durchbekommst“, wenn Deine Gegner Deine balanced strategy falsch interpretieren. Auch bekommen Deine wirklich gut gespielten, komplexen moves dann nicht den Respekt, den sie benötigen, um profitabel zu sein. Es ist stark zu bezweifeln, dass diese Nachteile durch die Mehr-Gewinne, die Du mit starken Händen erzielst, aufgewogen werden.

4.2.3 Zusammenfassung

Resultierend folgt, dass der Aspekt „bluffing to show a balanced strategy“ in einem erheblichen Maße überschätzt wird. Theoretisch ist das Konzept richtig und auch notwendig – praktisch sieht das ganze aber anders aus. Es ist deshalb im Rahmen des Cash Games im Internet nicht angezeigt Bluffing aktiv als Teil einer balanced strategy zu spielen, jedenfalls nicht auf den unteren und mittleren Levels.

 

Ein Bluff sollte somit immer die Chance haben, den Pot auch tatsächlich zu gewinnen. Sind diese Chancen mittelmäßig bis schlecht, sollte der Bluff unterbleiben bzw. nur unter den Voraussetzungen gespielt werden, die sogleich als das zweite indirekte Ziel eines Bluffs vorgestellt werden. Fliegt ein Bluff auf – ok, versuchst Du, das Beste im Sinne einer balanced strategy draus zu machen. Bitte verfall aber nicht in den Fehler, Dir selbst schlechte Bluffs als „Teil einer balanced strategy“ zu verkaufen.

4.3 Das zweite indirekte Ziel eines Bluffs – Der Bluff zur Begründung eines table-images bzw. zur Manipulation eines Gegners

Strenggenommen handelt es sich hierbei nicht um einen klassischen Bluff, sondern um die gezielte Manipulation eines Gegners. Du willst Dir außerhalb Deiner balanced strategy ein bestimmtes Image an einem Tisch oder auch nur im Hinblick auf einen bestimmten Spieler verschaffen.

 

Zur Verdeutlichung eine Situation, wie sie nicht selten vorkommt:

 

Du sitzt am Tisch mit einem schlechten, loosen Spieler, der versucht hat, mit purer Aggressivität über Dich hinwegzurennen. Du hast allerdings gute Hände gezeigt und zwei oder drei schöne Pots gewonnen. Villain ist daraufhin merklich abgekühlt und hat seine loose Spielweise zurückgenommen.

 

In dieser Situation bietet es sich an, den einen oder anderen (von vornherein aussichtslosen) kleineren Bluff zu spielen. Fliegt der Bluff auf, wird es Villain dankbar registrieren. Wenn nicht, zeigen wir unsere Karten mit dem gleichen Effekt. Bluffst Du dann ein weiteres mal klein und erfolglos, wird Villain mit hoher Wahrscheinlichkeit zu seinem ursprünglichen Stil zurückkehren und Dir so die Möglichkeit geben, erneut einen schönen Pot von ihm zu gewinnen. Im Idealfall gerät Villain dadurch on Tilt.

4.4 Erfolgreiche Bluffs zeigen oder nicht zeigen?

Im Anschluss an das Thema „Bluffing als Teil einer balanced strategy“ muss auch betrachtet werden, ob Du erfolgreiche Bluffs zeigen sollst oder nicht. Theoretisch müsstest Du ja zeigen, damit Deine Gegner wissen, dass Du balanced spielst, d.h. dass sie nie wissen, woran sie mit Dir sind. Folgende Argumente sprechen dafür und dagegen, einen Bluff zu zeigen:

 

  • Du gibst kostenlos Information an Deine Gegner. Das ist nur selten gut.
  • Allerdings bekommen Deine Gegner die Information, dass Du gut spielst und auch „das Herz“ hast, einen komplexen Bluff durchzuziehen.
  • Ferner gibst Du zu erkennen, dass Du in der Lage bist, Deinen Gegner richtig einzuschätzen.

 

Beachte: Du weißt nicht, was die Folge davon ist:

 

  • Möglich ist, dass Du mehr Respekt von einigen Gegnern bekommst, diese künftig eine Konfrontation mit Dir scheuen und Du so noch besser Pots stehlen kannst.
  • Möglich ist aber auch, dass Du zur Zielscheibe des geblufften oder eines anderen Gegners wirst. Du wirst öfter gecallt bzw. schlimmer geraist „to keep you honest“. Insgesamt ist es nicht sehr angenehm, zur Zielscheibe Deiner Gegner zu werden. Denn dann hängt Dein Wohl und Wehe sehr stark von Deinen Karten ab.

 

Zusammengefasst ist zu sagen, dass die Frage „Zeigen oder nicht“ weder mit einem klaren ja noch einem klaren nein beantwortet werden kann. Es bleibt letztlich Geschmackssache. Zeigen solltest Du jedenfalls nur wirklich gute bluffs, nicht etwa eine Continuation Bet, ein Squeeze-Play oder ähnliches.

 

Auch solltest Du nur von Zeit zu Zeit zeigen. Es lässt sich häufig beobachten, dass Spieler, die oft zeigen, keine guten Spieler bzw. unsicher sind. Sie wollen deshalb zeigen, dass sie das Spiel beherrschen bzw. Dir überlegen sind. Aufmerksame Spieler werden Dich deshalb aufs Korn nehmen und Dein Spiel nicht mehr respektieren, was Du natürlich nicht willst.

5. Die Mathematik des Bluffs

Im Folgenden werden einige – einfache - mathematische Überlegungen zum Spielen von Bluffs angestellt.

5.1 Bluffing-Frequenz im Sinne einer balanced strategy bzw. des Fundamental Theorem of Poker

Dieser Aspekt wurde bereits weiter oben unter 4.2.1 besprochen. Auf die dortigen Ausführungen wird verwiesen.

5.2 Bluffing und Odds bzw. Investition von Hero

Die Grundregel bei jedem Bluff ist simpel. Du berechnest, wie viel Geld Du für Deinen Bluff investieren musst und berechnest die daraus im Verhältnis zur Pot-Größe folgenden Odds. Das ist einfach, wenn Du nur einen technischen Bluff spielst, dagegen kompliziert, wenn Du einen komplexen Bluff planst. Denn bei letzterem willst Du Deinen Gegner ausspielen und so müssen die Entwicklungen auf den späteren Straßen mit in Deine Überlegungen einbeziehen.

5.2.1 Technischer Bluff

Beispiel 2

NL 100 SH

SB $ 100

BB $ 100

Hero is SB with A♣ 9♦

 

Preflop: 4 folds, Hero raises to $ 3, Villain calls.

Flop: ($6) K♠ 7♦ 2♥

Hero bets $ 3.

Das ist die ganz normale Continuation Bet, also ein technischer Bluff. Du bestimmst durch die Betsize, in wieviel Prozent der Fälle Dein Bluff klappen muss, damit er ±0 wird. Hier müsste Dein Bluff in einem Drittel der Fälle klappen, damit Du ±0 spielst. Du entscheidest dann anhand Deines Gegners, ob Du diese Fold-Wahrscheinlichkeit von 33,33 % hast und bringst die Continuation Bet oder auch nicht.

5.2.2 Komplexer Bluff

Schwieriger gestaltet sich die Berechnung bei einem komplexen Bluff, vor allem dann, wenn Du gegen mehrere Gegner spielst. Denn Du musst den möglichen Verlauf der gesamten weiteren Hand betrachten, keine Straße darf isoliert betrachtet werden.

Beispiel 3

NL 100 SH

 

SB $ 100

BB $ 100

Hero is BB with x♣ x♥

 

Preflop: 4 folds, Villain raises to $ 2,5, Hero calls.

Flop: ($5) 5♠ 8♦ 9♦

SB bets $ 4,50, Hero ??

Nimmt man in diesem Beispiel einmal an, dass Hero Villain auf ein Overpair setzt. Sein Gegner ist vom Typ Rock, der auch in der Lage ist, ein Overpair wegzuwerfen, wenn es die Situation erfordert. Hero entscheidet sich deshalb zu versuchen, einen draw zu repräsentieren und Villain auszuspielen. Villain hat dafür massig Outs (jedes ♦

, jede T, 6, 7, Q wären Scare-cards für Villain). Selbst wenn Du die „Outs“ diskontierst (weil Du Villain falsch liest, Villain einen Drilling macht, von dem er sich nicht trennen wird oder das Board sich paart) kannst Du mit rund 15 „Outs“ rechnen. Das sind Odds vom Flop zum Turn und vom Turn zum River von jeweils rund 2:1, da Dein Draw rund einmal in drei Fällen eintrifft.

Wenn Du den Bluff versuchen willst, callst Du und investierst somit 4,50 $. Für die weitere Betrachtung wird angenommen, dass der Draw mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 % erfolgreich ankommt. Kommt eine Karte, die den Draw nicht komplettiert, wird Villain erneut betten. Der Pott ist dann 14 $ groß, so dass Du jede Bet am Turn, die größer ist als 7 $, nicht mehr callen kannst. Denn selbst wenn Dein Draw dann am River einträfe und Villain check/fold spielen würde, würdest Du auf lange Sicht Verlust machen, wenn Du beispielsweise eine Bet von 10 $ am Turn callst.

Die Sache liegt also nicht anders als bei einem normalen Draw. Es macht keinen Unterschied, ob Du den Draw wirklich hast oder ihn nur repräsentierst. In diesem Beispiel kannst Du Deinen Bluff also nur weiterspielen, wenn Du Dir Implied Odds ausrechnest.

Bluffing und Implied Odds? Geht das überhaupt? Implied Odds spielen doch nur eine Rolle, wenn man mit seiner Hand zum showdown geht, dann die beste Hand hat und Villain ausbezahlt!

Nun, obwohl es paradox klingt, auch beim Bluffen gibt es Implied Odds. Zwar naturgemäß nicht am River, dagegen aber am Flop und am Turn:

Weiter mit der Analyse der Hand: Du callst am Flop die 4,50 $, der Pot ist 14 $ groß. Der Turn komplettiert den Draw nicht. Wenn Du meinst, dass Du Villain am River von der Hand bekommst, willst Du (nach der Theorie) am Turn so viel Geld wie möglich in den Pot bekommen – Du gehst ja davon aus, dass Du dieses Geld am River mitnehmen kannst (siehe hierzu ausführlich Sklansky/Miller, No Limit Hold´em, 2. Auflage 2007, S. 70 ff.). Das sind die Implied Odds des Bluffens.

  • Variante 1: Villain bettet 10 $. Du kannst diese Bet - wie oben gezeigt - nicht bezahlen. Du kannst aber erhöhen, zum Beispiel auf 35 $ mit der Idee, am River zu pushen, egal was kommt. Pusht Villain den Turn oder callt er und bettet den River, bist Du natürlich gezwungen zu folden. Jedenfalls ist Villains turn-Investition von 35 $ zusätzliche Value, die Du in den pot bekommst, wenn Du bereits am flop weißt, dass Du Villain am River ausspielen kannst.
  • Variante 2: Villain checkt. Dann kannst Du Check Behind spielen in der Hoffnung, Villain am River von der Hand zu bekommen. Dein Flop-call wäre damit aufgrund der reinen „draw-outs“, die Du am Flop hast, gerechtfertigt (a). Oder Du bietest 10 $ in der Hoffnung, dass Villain callt und Du ihn naturgemäß ebenfalls am River von der Hand bekommst. Dies würde, da der Pot dann 34 $ groß ist, weitere rund 17 $ kosten (b).

 

Bei Variante 1 würdest Du mit einem Bluff also Deinen gesamten Stack riskieren, um 44,50 $ zu gewinnen (9,50 $ nach der Flop-bet von Villain + die 35 $, die Du am Turn von ihm bekommst). Auch wenn Du in Betracht ziehst, dass Villain von Zeit zu Zeit am Turn foldet, müsste dieser Move viel zu oft klappen, um profitabel zu sein.

 

Bei Variante 2a investierst Du (incl. River-Bet von rd. 10 $) 14,50 $, um 9,50 $ (der Pot nach der Flop-bet von Villain) zu gewinnen. Auch das sind keine sehr verlockenden Aussichten, wenngleich erheblich besser als bei Variante 1.

 

Bei Variante 2b investierst Du 4,50 $ am Flop, 10 $ am Turn und 17 $ am River, das sind 31,50 $. Du bekommest dafür 9,50 $ aus dem Pot nach Villains Preflop-Bet und 10 $ von seinem Call am Turn, also 19,50 $. Das lohnt sich auf lange Sicht ebenfalls nicht.

 

Du siehst, dass ein solcher komplexer Bluff sehr oft klappen muss, um Dir langfristig Gewinn einzubringen. Rein vom mathematischen Standpunkt gesehen ist ein Bluff in der oben beschriebenen Situation somit schlecht und es ist am besten, die Hand aufzugeben.

 

Man darf hier auch nicht in den Fehler verfallen, beispielsweise bei Variante 2b wie folgt zu argumentieren: Am River ist der pot 34 $ groß. Du bettest 17 $, so dass das ganze nur zu 33,33 % der Fälle klappen muss, um profitabel zu sein. Denn diese Odds am River hast Du Dir selbst zuvor erst gegeben! Das bedeutet, dass wir nicht die isolierten Odds am River mit dem Standardsatz „unser Geld, das wir bereits in den Pot investiert haben, gehört uns nicht mehr“ betrachten. Vielmehr befindest Du Dich immer noch am Flop und denkst darüber nach, ob Du den Bluff spielen wirst! Dabei musst Du selbstverständlich alle weiteren Zahlungen, die Du in den Pot gibst, berücksichtigen.

 

Zusammengefasst kannst Du den Bluff hier nur spielen, wenn Du bereits am Flop mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen darfst, dass Villain am River foldet. Zu einer solchen Situation siehe unten das Beispiel 12 (Negreanu vs. Unknown), wo Negreanu schon am Flop diese Annahme treffen konnte, weil er einen sehr starken Read auf seinen Gegner hatte.

 

In dem obigen Beispiel kannst Du im Ergebnis nur bluffen, wenn Villain am Flop passiv spielt, d.h. checkt oder nur eine schwache Bet macht.

 

An dieser Stelle soll auch kurz auf den Artikel „Multistreet Bluffing“ von Korn und die sich daran anschließende recht hitzige Diskussion im Forum zurückgekommen werden. Das obige Beispiel versucht, Korns Theorie mittels eines Beispiels stark vereinfacht zu erläutern. In Korns Artikel wird die Prämisse aufgestellt, dass Du auf mehreren Streets Geld in den Pot geben kannst, wenn Du weißt, dass Du am River eine bestimmte Fold-Wahrscheinlichkeit hast. Diese Prämisse ist mathematisch korrekt, wobei sich aber unklar ist, ob Du bereits am Flop weißt, welche Fold-Wahrscheinlichkeit Du Dir auf den späteren Straßen geben kannst. Das Beispiel belegt, dass die benötigte hohe Turn- bzw. River-Fold-Wahrscheinlichkeit praktisch niemals sicher am Flop gegeben werden kann, so dass - zumindest auf den unteren Limits - von rein mathematisch getragenen Multistreet-bluffs abzuraten ist.

6. Einige Gedanken zu bluffs im cash-game und in Turnieren

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Cashgame und Turnieren besteht darin, dass sowohl Du als auch Dein Gegner im Cashgame jederzeit Chips nachkaufen kann, während dergleichen in Turnieren nicht möglich ist. Ein fehlgeschlagener Multistreet-Bluff kann leicht die weitere Teilnahme am Turnier kosten, während es im Cashgame „nur“ um den eigenen Stack geht. Auf der anderen Seite geht es Deinem Gegner natürlich ebenso, d.h. er scheidet aus, wenn er Dich falsch liest und Dein Bluff doch keiner war.

 

Daher strahlen gut gespielte Bluffs in Turnieren mehr Kraft aus als im Cashgame. Ein Paradebeispiel hierfür ist der berühmte Bluff von Moneymaker gegen Farha (weiter unten Beispiel 11), bei dem sich Farha sehr sicher war, dass Moneymaker bluffte. Gleichwohl callte Farha Moneymakers Bet am River nicht, weil er nicht sein ganzes Turnier riskieren wollte, sondern meinte, Moneymaker später ausspielen zu können. Bei der gleichen Situation im Cashgame hätte Farha ohne weiteres gecallt.

 

Bluffs müssen in Turnieren noch sorgfältiger geplant werden als im Cashgame. Denn bei Bluffs in Turnieren müssen zahlreiche weitere Faktoren berücksichtigt werden, die im Cashgame keine Rolle spielen. Komplexe bluffs sind beispielsweise aufgrund der steigenden Blinds oftmals deshalb nicht möglich, weil ein Spieler spätestens am Flop committet wäre. Auf der anderen Seite lassen sich dagegen „technisch“ oftmals die Blinds bzw. kleinere Pots stehlen, indem man einfach bestimmte Turniersituationen ausnutzt (beispielsweise an der Bubble, um Spieler mit mittleren stacks zu attakieren). Im Cashgame sind derartige Steals dagegen nicht möglich, da es keine Bubble gibt und es sich auch kaum lohnt, die Blinds zu stehlen, da sie im Vergleich zu den Stacks gering sind. Noch ein Wort zur Notwendigkeit, Bluffs zu spielen:

 

Im cash-game ist es nicht notwendig, komplexe Bluffs zu spielen. Es gibt nicht wenige Spieler, die so gut wie nie moven und gleichwohl starke Winningplayer sind. Bei Turnieren ist das anders. Hier kann man nur erfolgreich sein, wenn man blufft. Aufgrund der steigenden Blinds genügt es nicht, nur auf gute Karten zu warten – vielmehr muss man auch Pots dadurch generieren, dass man seine Gegner ausspielt.

Teil 2: Der Wirkmechanismus eines Bluffs

Du willst, dass Dein Gegner foldet. Wie kannst Du das erreichen?

 

Kein Leser dieses Artikels soll glauben, dass diese Frage banal ist. Sie ist entscheidend, allein schon deshalb, weil sie in der Literatur nicht sauber herausgearbeitet wird. Du solltest Dir darüber Gedanken machen, bevor Du einen Bluff spielst, und sei es möglicherweise nur kurz und im Unterbewusstsein. Tust Du das nicht, bleibt Dein Move eine reine Instinktentscheidung bzw. blanke Aggression und führt zu mehr oder weniger zufälligen Ergebnissen.

 

Das kann aber nicht der Anspruch eines aufstrebenden Spielers sein. Siehe hierzu bereits die Aussage von Korn im Artikel Multi-Street-Bluffing: „nicht einfach blind ballern, sondern sehen, ob ihr mit einer bestimmten Line den Gegner +EV von seiner Hand bekommen könnt“.

 

Im Folgenden sollen die Wirkmechanismen eines Bluffs dargestellt werden. Ein durchdachter Bluff sollte wie folgt ablaufen:

 

  • Schritt 1: Du musst evaluieren, welche Hand (bzw. genauer: welchen Typus einer Hand) Dein Gegenspieler hält.
  • Schritt 2: Du musst für Dich festlegen, welche Hand Du repräsentieren möchtest.
  • Schritt 3: Du spielst Deine Hand genauso, als wenn Du sie tatsächlich hättest.
  • Schritt 4: Dein Gegenspieler kommt zu dem Schluß, dass Du die Deine repräsentierte Hand haben musst. Er erkennt, dass er geschlagen ist, dass er nicht die richtigen Odds zum drawen bekommt und dass ein Fold deshalb die beste Spielweise ist.
  • Schritt 5: Dein Gegenspieler ist in der Lage, entsprechend seiner Erkenntnis zu handeln, d.h. zu folden.

Dieser Ablauf ist zwingend. Nachfolgend werden diese Schritte im einzelnen dargestellt.

  1. Schritt 1: Welche Hand hält Villain?¹

Dieser Beitrag ist kein Artikel über Handreading. Für das Verständnis wird vorausgesetzt, dass der Leser bereits über die erforderlichen Handreading-Fähigkeiten verfügt.

Es ist klar, dass der Schlüssel zu einem erfolgreichen Bluff ist zu erkennen, welche Hand der Gegenspieler wahrscheinlich hält. Weil man am Flop in den meisten Fällen noch „technisch“ eine Continuation Bet bringt, entscheidet sich das Schicksal eines komplexen Bluffs oftmals am Turn. Deshalb musst Du die Range des Gegenspielers am Turn besonders sorgfältig einschätzen. Wenn Du nicht in der Lage bist, des Gegners Hand wenigstens einigermaßen einzuschätzen, sollte der Bluff unterbleiben. Denn sonst spielst Du einen von Dan Harrington sogenannten „dark-tunnel-bluff“, vgl. dazu Harrington on Hold´em Volume II, 1. Auflage 2005, S. 31 ff.:

 

NL 100 SH

 

[1] Dieser Beitrag ist kein Artikel über Handreading. Für das Verständnis wird vorausgesetzt, dass der Leser bereits über die erforderlichen Handreading-Fähigkeiten verfügt.

Beispiel 4

 

SB $ 100 (38/7,5/30/3,5)

BB $ 100 with J♣ T♣

Hero is BB with A♣ K♦

 

Preflop: 4 folds, SB calls, Hero raises to $4, SB calls.

Flop: ($8) Q♠ 9♦ 3♥

SB checks, Hero bets $7 SB calls.

Hero spielt eine normale Continuation Bet, die Villain callt.

Turn: ($22) 6♠
Villain checks, Hero bets $12, SB raises to $45, Hero folds.

Harrington schreibt hierzu: “Der Dark-tunnel-bluff zeigt sein häßliches Gesicht.“ Die Continuation Bet am Flop war gerechtfertigt, aber die kleine Bet am Turn ist blinde Aggression – es ist keine Valuebet, keine ordentliche Bluffbet, sondern nur eine „Bet“. Hero weiß nicht, wo er steht. Villain mag sogar die schlechtere Hand halten und wenn Villain wie geschehen raist, bringt sich Hero mit seiner Bet aus einem Pot, bei dem er 10 Outs auf eine gute Hand hat (jedes A, K, J).

Viele Spieler meinen, dass es zu weak wäre, hier nicht nochmals zu betten. Hero hat Preflop und am Flop Stärke gezeigt, so dass es aus seiner Sicht geboten ist, „logisch“ fortzufahren und auch am Turn Stärke zu zeigen. Dieses Verständnis ist falsch, da Heros Bluff hier keine realistische Chance hat, den Pot zu gewinnen. Und Hauptgrund dafür ist, dass Hero nicht weiß (nicht wissen kann!), welche Hand Villain hält.

Ganz anders sieht die Hand dagegen aus der Sicht von Villain aus. Nach der schwachen Turn-bet kann Villain Heros Range jedenfalls dahin eingrenzen, dass er nichts wirklich Starkes halten kann („Spüren von Schwäche“). Bereits das reicht für ihn aus, um ein Semibluff Checkraise zu spielen und Hero, der die bessere Hand hält, aus dem Pot zu bluffen.

1.2

Zu Schritt 1 gehört auch das berühmte „Spüren von Schwäche“. Ein guter Spieler wird oft damit assoziiert, dass er in der Lage ist, Schwäche zu spüren. Das ist aber kein eigenständiger Punkt. Das Spüren von Schwäche, speziell online ohne körperliche Tells, ist nichts anderes als eine gute Fähigkeit, die Hand des Gegenspielers zu beurteilen, beispielsweise ihn auf einen passiv gespielten Draw zu setzen.

 

Hier soll nochmals auf das soeben dargestellte Beispiel 4 eingegangen werden. Versetzen wir uns in die Lage des Gegenspielers. Er war sicher nicht in der Lage, Dich exakt auf AK zu setzen. Das ist aber auch nicht notwendig! Denn er hat Schwäche bei Dir gespürt, als Du zunächst ziemlich planlos eine hohe Continuation Bet am Flop gesetzt hast, um dann eine schwache Second Barrel nachzulegen. Das kann kein starkes Top Pair, Overpair oder Set sein. Alles andere ist so schwach, dass es auf ein Checkraise wegwerfen muss. Das ist gutes Handreading zum Zwecke eines Bluffs.

1.3 

Zusammenfassung:

Aus diesem ersten Schritt folgt, dass ein Bluff immer voraussetzt, dass Du Dir Gedanken über die Handrange Deines Gegenspielers machst und diese Gedanken auch zu einem konkreten Ergebnis kommen, und sei es nur, dass Du aufgrund bestimmter Umstände annehmen kannst, dass selbiger schwach ist. Aus Schritt 1 folgt weiter, dass komplexe Bluffs gegen unbekannte Gegner nach Möglichkeit zu vermeiden sind, es sei denn, wir sind in der Lage, allein aus der Art und Weise, wie er die aktuelle Hand spielt, sichere Rückschlüsse zu ziehen.

2. Schritt 2: Welche Hand willst du repräsentieren?

Die Geschichte, die Du mit Deinem Bluff erzählst, muss glaubhaft sein. Dazu gehört auch, dass Du eine Hand repräsentierst, die aus Sicht des Gegenspielers wahrscheinlich ist. Siehe hierzu nochmals das obige Beispiel 4, bei dem es dem Preflop-Aggressor nicht gelungen ist, glaubhaft darzustellen, dass er zumindest Top Pair hält.

 

Speziell an Überlegung hierzu fehlt es oft, was folgendes Beispiel verdeutlichen soll:

 

NL 100 SH

 

Beispiel 5

 

CO $ 100

BU $ 100

Hero is Button with 8♣ 9♣

 

Preflop: CO raises to $3, Hero calls.

Flop: ($7,50) Q♣ 4♣ 3♥

CO bets 5, Hero raises to $ 12, CO calls.

Hero spielt ein Semibluff-Raise, raist aber nicht genug, um Villain aus der Hand zu bekommen: Villain callt.

Turn: ($31,50) T♠

CO checks, Hero checks.

Hero hat es durch Villains Call mit der Angst bekommen und nimmt sich eine Freecard.

River: ($31,50) 3♠
CO checks, Hero bets $ 18, CO calls. CO zeigt 6♥ 6♦

und gewinnt den pot.

Hero mag hier richtig gelesen haben, dass Villain nicht sonderlich stark sein kann. Allerdings hat er sich nicht überlegt, welche Hand er mit seiner Bet von $18 repräsentieren kann. Aus Sicht von Villain kommt dafür nur eine Variante in Betracht: ein geplatzter Draw. Also kann Villain den aus Sicht von Hero Crying Call machen und den Pot gewinnen.

Hände wie die vorliegende werden häufig im Forum gepostet und dahin kommentiert, wie fischig der Rivercall war. Wie konnte der Fisch das bloß mit seinem lausigen Sechser-Pärchen callen? In Wahrheit war nicht der Call, sondern die Riverbet schlecht, weil sich Hero keine Gedanken gemacht hat, welche Hand er mit seiner Bet (genauer: mit seiner Line!) repräsentieren will. Es reicht eben nicht, nur Schwäche beim Gegner zu spüren – man muss sich auch richtig bekämpfen (hier zum Beispiel durch eine Bet am Turn oder wenn schon durch einen Riverbluff, dann mit einer größeren Bet).

2.2

Es versteht sich von selbst, dass die von Dir repräsentierte Hand die angenommene Range des Kontrahenten schagen muss. Es nützt Dir nichts, wenn Du ihn ziemlich akkurat auf ein Set setzen kannst, dann beim Showdown mit Deiner Line keine Straight oder keinen Flush repräsentieren kannst, um das gegnerische Set zu schlagen.

2.3

Wie Du anhand von Beispiel 5 gesehen habst, gehört die Vorstellung davon, was Du repräsentierst, zu einem guten Bluff dazu. Hiervon gibt es eine Ausnahme. Glaubst Du zu wissen, dass Dein Gegenspieler extrem schwach ist, ist es nicht nötig, etwas Bestimmtes zu repräsentieren. Dann genügt eine einfache Bet, um ihn zum folden zu bekommen. Hauptbeispiel hierfür ist, wenn der Gegenspieler einen Busted Draw hält:

 

NL 100 SH

 

Beispiel 6

 

BB $ 100

BU $ 100

Hero is Button with 5♦ 6♦

 

Preflop: Hero raises to $3, BB calls.

Flop: ($7,50) Q♣ 4♣ 3♥

BB checks, Hero bets $ 5, BB calls.

Turn: ($17,50) T♠

BB checks, Hero checks.

River: ($17,50) 3♠

BB checks, Hero bets $7, BB folds.

Wenn Du hier nach den beiden Checks von Villain ziemlich sicher sein kannst, dass er einen Draw hält, weil Du ihn Draws schon öfters hast derartig spielen sehen, dann kannst Du setzen, ohne Dir Sorgen um eine glaubhafte Geschichte machen zu müssen. Dann reicht sogar eine kleinere Bet, die nach „suck-in-bet“ aussieht.

 

Diese Fälle, bei denen Du „weißt“, dass Villain extrem schwach ist, ist aber die Ausnahme. Im Regelfall solltest Du Dir auf jeden Fall Gedanken darüber machen, welche Hand Du repräsentieren willst.

2.4

Wenn Du einen Bluff spielst, sollte der wirkliche Wert Deiner Hand eigentlich nicht interessieren. Denn Du planst ja nicht bis zum Showdown zu gelangen.

 

Gleichwohl gilt hier ein Grundsatz, den Doyle Brunson in Super System I, 3. Auflage, S. 422 geprägt hat:

 

You should never start out bluffing at a pot and keep bluffing
without an Out.

 

Mit anderen Worten: Du solltest niemals bluffen, wenn Du drawing dead bist.

 

Hintergrund für diesen Grundsatz ist, dass jedes Out die Equity Deines Bluffs erheblich erhöht – Du könnetest Glück haben und die beste Hand produzieren.

3. Schritt 3: Das Spielen von repräsentierten Hand

Bei dem Punkt „Spielen der repräsentierten Hand“ handelt es sich nicht um ein Bluffspezifisches Thema, so dass auf spezielle Lines nicht näher eingegangen werden soll. Hier aber einige spezielle, zu beachtende Grundsätze:

 

  • Für das Repräsentieren einer Hand stehen Dir zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen kannst Du einen Draw/einen angekommenen Draw repräsentieren, zum anderen eine starke made Hand (Top pair, Overpair, Set). Beide Varianten müssen naturgemäß unterschiedlich gespielt werden, und zwar nicht anders, als wenn Du die repräsentierte Hand tatsächlich hättest. Es nützt also gar nichts, wenn Du Deinen Gegenspieler auf ein Paar setzt und ein Set repräsentieren willst, dabei aber anders spielt, als Du das in der Vergangenheit mit einem Set getan hast.

 

  • Die Geschichte, die Du erzählst, muss glaubhaft sein, wie bereits oben bei Beispiel 5 gesehen. Du willst Deinen Gegner täuschen, nicht verwirren (alter Grundsatz: Don´t confuse your opponent, only mislead him). Viele „komische“ Calls resultieren daraus, dass Deine Spielweise zu keiner vernünftigen Hand passt und Dein Gegenspieler nur deshalb callt.

4. Schritt 4: Kann der Gegenspieler die richtigen Schlüsse aus der Spielweise von Dir ziehen?

Der Gegenspieler muss in der Lage sein, die Line von Dir zu verstehen. Wenn das nicht der Fall ist, bleiben Bluffs zufallsabhängig; d.h. Du wirst den Gegenspieler nur zum Folden seiner absolut schlechtesten bewegen. Dieses Verständnis hängt naturgemäß von der Spielstärke Deines Gegners ab. Bluffing ist sinnlos bei schlechten Spielern, schwer bei guten Spielern, am aussichtsreichsten gegen mittelstarke Spieler.

 

Im wirklichen Leben gibt es Menschen, für die ist ein Glas halb voll, für andere ist das gleiche Glas halb leer. Beim Pokern verhält es sich genauso. Halb voll ist Phil Gordons Devise look for a reason to raise (Little Green Book, 1. Auflage 2005, S. 9 ff.). Halb leer ist Lee Jones look for a reason to fold (Winning Low Limit Hold´em, 1. Auflage 2005, S. 47). Deine Aufgabe ist es, die Spieler zu identifizieren, die nach der zweiten Maxime handeln. Diese Spieler sind die ideale Zielscheibe für Bluffs.

 

Auf einzelne Gegnertypen und die Chance, gegen sie erfolgreich zu bluffen, wird unten im Teil 3 im Einzelnen eingegangen.

5. Schritt 5: Kann der Gegenspieler entsprechend den gezogenen Schlüssen handeln, d.h. folden?

Dein Gegenspieler muss als letztes naturgemäß auch in der Lage sein, seine angenommene Hand zu folden. Hier wird in zwei Elementen unterschieden: subjektiv (Bluff sinnlos gegen calling stations) und objektiv (Bluff sinnlos zumeist ab vermutetem set oder overpair – hier sind zahlreiche Spieler einfach nicht in der Lage, ihre Hand wegzulegen, selbst wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass sie geschlagen sind).

 

Es gibt hiervon aber auch Ausnahmen, beispielsweise ein zweifach gepaartes Board bei vermuteter Straight oder Flush beim Gegner oder ein 4-suited board. Hier wird in der Regel sehr viel weggelegt, so dass sich bluffs wirklich lohnen können.

 

Beispiel 7

 

NL 100

 

CO ($151.30) (18/6/23/3)
Hero ($166.70)

Preflop: Hero is Button with K♦ A♠

(5 Players)
UTG folds, CO calls $1.00, Hero raises to $5.00, 2 folds, CO calls $4.00.

 

Standard.

Flop: ($11.50) 3♠ Q♠ 7♦

(2 Players)
CO checks, Hero bets $8.00, CO calls $8.00

 

Ebenfalls Standard. Insbesondere ist zu beachten, dass Hero das A♠ hält, so dass Hero einen redraw hat und ein flush draw von Villain zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich ist.

Turn: ($27.50) A♥

(2 Players)
CO checks, Hero bets $13.00, CO raises quickly to $26.00, Hero calls $13.00 after some seconds.

 

CO spielte limp/call preflop, check/call flop und ceck/minraise turn. Das ist fast immer ein set. Die Linie ist ziemlich stark und Hero sollte einen Fold ernsthaft bedenken. Das erscheint zwar schwach, aber Hero bettet zweifach auf einem A-High-Turn, wobei Villain gleichwohl checkraist.

 

Möglich und vielleicht vorzugsweise wäre gewesen, den Turn nur behind zu checken und eine Bet am River zu callen. Aber dies nur am Rande.

 

River: ($79.50) J♠ (2 Players)
CO bets (after a long think) $30.00, Hero ??

Am River kommt das dritte♠. Damit ist ein Flush möglich. Auch ein Gutshot könnte angekommen sein, wenn auch aus Sicht von Villain unwahrscheinlich. Gegen eine hohe Bet würde Hero aufgrund der bisherigen Action sicher folden. Hero kann aufgrund der Analyse am Turn nicht davon ausgehen, die beste Hand zu haben.

 

Allerdings spielt Villain eine Blocking Bet, weil er eventuell Angst vor einem Flush hat. Das könnte Hero für einen Bluff ausnutzen, indem er All-In geht, um gerade eben jenen Flush zu repräsentieren. Der durchschnittliche NL 100-Spieler wird 33 oder 77 hier aber kaum weglegen, so dass der Move nur mit entsprechendem Read gegen einen sehr toughen Spieler erfolgversprechend ist. Haben wir diesen Read, beispielsweise durch die Stats von Villain, ist der Bluff aber durchaus eine gute Option.

5.2

Zu beachten ist bei Schritt 5 aber nicht nur unser Gegner, sondern auch das eigene Image, das man am Tisch bzw. aus Sicht von Villain hat. Hat man mehrere Pots verloren, werden selbst hervorragend vorgetragene Moves viel häufiger gecallt als wenn man am Gewinnen ist oder einen großen Stack hat.

Teil 3: Die einzelnen Elemente eines Bluffs

  1. Das Board

Ausgehend von den beiden Möglichkeiten (Draw, starke Made Hand) welche Hand Du repräsentieren willst spielt das Board eine zentrale Rolle. Bluffs auf Draws sind dabei erfolgreicher, da die Möglichkeit eines angekommenen Draws eher wahrgenommen wird als ein eventuelles Overpair oder ein Set. Dabei ist es wiederum erfolgversprechender, einen Flush als eine Straight zu repräsentieren.

2. Die richtige Betsize

2.1 Allgemeines

Die Betsize ist ein wichtiges Element des Bluffens. Im Grundsatz gilt, dass Du genug betten musst, damit der Bluff funktioiniert – aber nicht mehr. Schlechte Spieler neigen dagegen dazu, bei einem Bluff mehr zu betten als sie dies üblicherweise bei der repräsentierten Hand tun, um ihrem Bluff mehr Nachdruck zu verleihen. Ein Beispiel hierfür ist folgende Hand:

Beispiel 8

World Series of Poker 1979, main event heads up

 

Hal Fowler (Amateur) $ 200.000

Bobby Hoff (Profi) $ 200.000

 

Hoff is SB/Button with x x

Fowler is BB with x x  (kompletter Bluff)

 

Preflop: Hoff raises to $ 10.000, Fowler calls.

Flop: ($20.000) A♥ K♠ Q♣

Fowler checks, Hoff checks.

Turn: ($20.000) T♣
Fowler checks, Hoff checks.

River: ($20.000) 7♠
Fowler bets $ 190.000 all in, Hoff folds.

Das Spiel von Fowler war höchst fahrlässig. Wenn er einen Read auf Bobby Hoff hatte, dass dieser folden würde, hätte es auch eine Bet von 2/3 Potsize o.ä. getan. Lag Fowler dagegen falsch und hatte Hoff einen J, hätte er mit einer sinnlosen Aktion sein gesamtes Turnier verloren. Sklansky/Miller, No Limit Hold´em, 2. Auflage 2007, S. 61 f. bezeichnen Fowlers Spiel als „one of the biggest blunders in WSOP history“.

 

Wie hoch die richtige Betsize ist, richtet sich nach der vermuteten Hand des Gegenspielers und der repräsentierten Hand von Dir, die (wie oben bereits gesagt) genauso gespielt werden muss, als wenn Du die repräsentierte Hand tatsächlich hättest. Eine Ausnahme davon wurde bereits in Beispiel 3 erläutert. Gebst Du Dir am Flop oder Turn Implied Bluff Odds, weil Du weißt, dass Du Dein Gegenüber später zum Folden bekommst, kannst Du naturgemäß mehr setzen. Aber wie bereits erwähnt sind diese Fälle selten.

2.2 Commitment

Ein wichtiger, oft übersehener Punkt bei der Bestimmung der richtigen Betsize ist Commitment. Die Betsizes müssen so gewählt werden, dass Du oder Dein Gegenspieler nicht während des Bluffs (speziell bei der Action am Turn und River) committet ist. Der Grund hierfür liegt in dem von Harringon so genannten Prinzip „the hammer of future betting“, was nichts anderes bedeutet als Fold Equity.

 

Nimm einmal an, dass Du Deinen Gegenspieler auf eine marginale Hand setzt, beispielsweise auf ein schwaches Top Pair. Du entscheidest Dich dafür, einen Bluff zu versuchen. Wäre Dein Gegenspieler nach dem Call Deiner Bluff-Flop-Bet committet, macht ein Bluff keinen Sinn, weil Du ihn durch eine weitere Bet am Turn nicht aus der Hand bekommen kannst. Du kannst ihn deshalb entweder nur am Flop All-In setzen oder den Bluff bleiben lassen. Denn am Turn hättest Du keine Fold Equity mehr (vgl. hierzu die Grundgedanken der Shortstack Strategy).

 

Dabei kommt es auf den kleineren Stack an, da nur der kleinere Stack entscheidend dafür ist, wie viel Geld noch in den Pot gehen kann. Bluffst Du also bis zum River, musst sowohl Du noch genügend Geld für eine respektable River Bet haben als auch  Dein Gegenspieler, um folden zu können. Dieser Commitment-Plan muss bereits zu Beginn des Bluffs gemacht werden, nicht erst, wenn Du bereits mitten in dem Bluff bist (siehe hierzu ausführlich das sehr lesenswerte Kapitel „Planning an Hand around Commitment“ in Flynn/Mehta/Miller, Professional No-Limit Hold´em Volume I, S. 139 ff.).

2.3 "Implied Commitment"

Du hast bereits gelesen, dass Bluffs schwächerer Spieler teilweise daran erkannt werden können, dass sie im Unterbewußtsein versuchen, dem Bluff durch eine höhere Bet als üblich mehr Stärke zu verleihen. Hiervon gibt es eine wichtige Ausnahme. Gute Spieler planen ihre Hand, d.h. überlegen sich früh, wie sich die Hand weiterentwickeln kann.

 

Nimm beispielsweise an, dass Du eine marginale Hand wie Top Pair mit mittlerem kicker hast, Position auf Deinen Gegner hast und nicht der Aggressor bist. Du willst möglichst billig zum Showdown, d.h. brauchst einen kleinen Pot. Ist der Pot in dieser Situation am Flop noch klein, weil es beispielsweise Preflop kein Raise gab und/oder Villain am Flop nur klein gebettet hat, ist dieses Ziel durch einen Downcall zu erreichen. Oder nimm das Beispiel, dass Du mit Top Pair Top Kicker am Turn behind checkst, um eine normale Bet am River noch callen zu können. Ist der Pot dagegen am Flop oder Turn bereits groß, kann es geboten sein zu folden, allein vor dem Hintergrund, dass Du eine weitere bet annimmst, die dann so hoch wäre, dass Du diesen Pot mit Deiner Hand nicht spielen möchtest.

 

Diese Situation kannst Du Dir gegen einen guten Gegner, der Dein gutes Spiel idealerweise auch kennt, zunutze machen. Setzt Du Deinen Gegner auf eine marginale Hand, beispielsweise weil er Dein Preflop Raise und eine normale Continuation Bet nur callt, kannst Du Deinen Bluff am Turn mit einer Bet fortsetzen, die dem Pot entspricht oder sogar über dem Pot liegt. Dein Gegner muss dann nicht nur befürchten, die hohe Turn Bet callen zu müssen, sondern auch am River All-In zu sein. Das kann dazu führen, dass er foldet.

 

Bitte versteh das Konzept „Implied Commitment“ aber nicht falsch. Es bedeutet nicht, dass der Pot bei einem Bluff stets oder häufig overbettet werden sollte, damit Du mit unserer nächsten Bet sinnvoll All-In gehen kannst. Das Konzept funktioniert nur gegen gute Gegner, die weiter denken als die aktuelle Bet und die Dein Spiel auch respektieren. Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, können so viele profitable Situationen entstehen.

2.4 All-In-Bluffs

Gemeinhin wird die Meinung vertreten, dass All-In-Bluffs die stärkste Möglichkeit eines Bluffs wären. Dies ist aber nicht richtig. Denn ein All-In eines Spielers (sowohl von Hero als auch von Villain) impliziert, dass auf den weiteren Straßen kein Geld mehr in den Pot gehen kann. Ein Bluff ist aber viel wirkungsvoller, wenn Villain befürchten muss, in künftigen Setzrunden noch mehr Geld bezahlen zu müssen, als wenn er „nur“ ein All-In zu callen hat. Auch hier verwirklicht sich das Prinzip „the hammer of futute betting“. Eine Bet von 2/3 Pot am Turn ist viel stärker, wenn Hero noch Geld hinter sich hat, das er am River setzen kann, als wenn Hero mit seiner 2/3-Pot-Bet am Turn All-In ist. Dieser Grundsatz gilt nicht am River. Denn danach gibt es keine weitern Setzrunden mehr, so dass „the hammer of futute betting“ keine Rolle mehr spielt.

3. Die verschiedenen Gegnertypen und die Chancen, gegen sie erfolgreich zu bluffen

3.1 Bluffing gegen Calling Stations, loose-passive und sonstige schlechte Spieler

 

Es wird oft die Meinung vertreten, dass man loose-passive oder schlechte Spieler sowie Calling Stations nicht bluffen kann. Denn Calling Stations, weak-tighte und loose-passive Spieler spielen Kraft Definition schlecht. Dies widerspricht den Schritten 4 und 5, d.h. diese Spieler sind nicht in der Lage, die repräsentierte Hand von Hero zu erkennen bzw. eine auch nur mittelmäßige Hand zu folden. Vielmehr callen sie auch mit schlechten Händen, so dass es schwer ist, sie von einer Hand zu bekommen. Kurz zusammengefasst hört man hierzu oft „don´t bluff a monkey“.

 

Dieser Satz ist aber nur bedingt richtig. Man kann auch gegen loose-passive oder schlechte Spieler sehr erfolgreich bluffen. Denn den loose-passiven oder schlechten Spieler gibt es per Standard-Definition nicht. Du musst vielmehr herausfinden, auf welche Art Dein Gegner schlecht spielt. Gelingt es Dir bestimmte Strukturen im Spiel Deines Gegners aufzudecken kannst Du Dein Bluffing-Verhalten sehr erfolgreich gestalten. Solche von Dir gewissermaßen „überführte“ Spieler werden zu regelrechten Goldgruben.

Ganz wichtig ist allerdings, dass man passive und/oder schlechte Spieler unterscheidet. Loose bedeutet nicht automatisch schlecht! Das folgende gilt daher insbesondere nicht gegen loose-aggressive Spieler (LAG´s).

Gegen welche Calling Stations, loose-passive und sonstige schlechte Spieler kannst Du nun aufgrund welcher Umstände bluffen?

3.1.1 Calling-Verhalten

Zunächst solltest Du das Calling-Verhalten potentieller Opfer unter die Lupe nehmen, d.h. beobachten, analysieren und typisieren. Denn passive und schlechte Spieler variieren ihr Spiel kaum, sondern folgen immer wieder gleichen Mustern. Diese Muster gilt es herauszubekommen und auszunützen.

 

  • Typ 1: Callt sehr viel Preflop und spielt Postflop „straight“ weiter, d.h. foldet, wenn er nichts getroffen hat.
  • Typ 2: Callt sehr viel Postflop und auf dem Flop, jedoch nicht mehr, wenn er am Turn nichts getroffen hat. Denn am Turn werden die Bets höher und Typ 2 ist nur am Flop bereit spekuativ zu callen.
  • Typ 3: Callt Preflop, am Flop und am Turn, weil er alle 5 Karten sehen will. Foldet am River, es sei denn, er hat eine starke Hand.
  • Typ 4: Callt alles.

 

Die folgenden Ausführungen gelten nur, wenn Du einen Spieler tatsächlich sicher einer dieser Kategorien zuordnen kannst. Ist dies nicht möglich, sollte eine Kategorisierung unterbleiben. Es wäre ein grober Fehler, Spieler „mit Gewalt“ in eine der genannten Kategorien pressen zu wollen. Natürlich heißt das nicht, dass ein Spieler praktisch jede Hand nach „seinem“ Typus spielen muss. Erforderlich ist, dass wir eine generelle Tendenz ausmachen können. Trackingsoftware ist hierbei eine große Hilfe.

 

Es ist klar, dass Typ 4 derjenige Spieler ist, auf den das Wort „don´t bluff a monkey“ zutrifft. Alle anderen Typen können geblufft werden.

Beispiel 9

NL 100 SH

 

UTG $ 100

BU $ 100

SB $ 100

BB $ 100

Hero is BU with 8 9

 

Preflop: UTG calls, Hero calls, SB calls, BB checks.

Flop: ($4) K♠ 6♦ 5♥

SB checks, BB checks, UTG checks, Hero bets $3, SB calls, BB folds, UTG folds.

Turn: ($10) Q♠

SB checks, Hero ??

Analyse der Hand:

Preflop wäre ein Raise wäre möglich gewesen, aber Hero entscheidet sich für Call. Am Flop wird der Pot zu Hero herumgecheckt, so dass Hero versucht, den Pot zu stehlen. Zwei Spieler folden, was kein schlechtes Ergebnis ist. Am Turn stellt sich nun die Frage, ob Hero den Bluff weiterspielen soll oder nicht. Gehe anhand des weiter oben dargestellten Ablaufs eines Bluffs wie folgt vor:

  • Schritt 1: Schwer zu sagen, was Villain hat. Hier ist von einem König über ein kleines oder mittleres Paar oder auch einen Draw alles möglich. Gelegentlich wird auch ein Set so gespielt.

 

  • Schritt 2: Das ist klar – eine Made Hand wie einen mittelstarken König beispielsweise.

 

  • Schritt 3: Hättest Du einen König, würdest Du, wie die meisten Spieler wohl weiter betten – Pot Control sollte gegenüber Betting For Value und Protection zurücktreten; der Pot ist auch noch relativ klein, so dass Du Dich nicht committest.

 

  • Schritt 4: Hier entscheidet sich Dein weiteres Vorgehen:

 

Hast Du Villain als Typ 1 identifiziert, ist Dein Bluff zu Ende. Villain hat irgendetwas getroffen und Du kannst Dir nicht die Fold Equity geben, die Du brauchst, es sei denn, Du weißt ziemlich sicher, dass er drawt.

 

Gehört Villain zu Typ 2, ist es gerechtfertigt, den Bluff weiter zu spielen.

 

Ist Villain Typ 3, entscheidet sich Dein Bluff noch nicht am Turn, sondern erst am River. Du kannst deshalb nur weiter bluffen, wenn Du auch das Herz hast, eine hohe Bet am River zu setzen. Immerhin sind einige Draws möglich, auf denen Villain sein könnte und mit dem er alle 5 Karten sehen will.

 

Gehört Villain zu Typ 4, ist spätestens hier Schluß.

 

Entscheidest Du Dich, den Bluff weiter zu spielen, solltest Du gegen Typ 2 rund ½ Potsize betten. Das reicht aus, um Villain von der Hand zu bekommen, wenn er nicht wirklich etwas hat. Callt er ½ Potsize, callt er auch ¾. Wie oben dargestellt, solltest Du aber nicht mehr betten, als notwendig ist.

Gegen Typ 3 musst Du dagegen mehr betten. Wenn Villain drawt, wird er sehr wahrscheinlich ½ Potsize callen. Deshalb ist eine Bet von rund ¾ angebracht, um die nötige Fold Equity zu generieren.

3.1.2 Drawling-Verhalten

Zahlreiche Spieler haben die Tendenz, Draws zu passiv und gegen die Odds zu spielen.  Es bietet sich an, diese Tendenz auszunutzen. Hierzu folgendes Beispiel:

 

Beispiel 10

 

NL 100 SH

 

CO $ 100

SB $ 100

         Hero is BB with 3♠ 9♥

 

Preflop: CO calls, SB calls, Hero checks

Flop: ($3) K♠ 6♦ 5♠

SB checks, Hero bets $2, CO raises to $4, SB folds, Hero calls.

Turn: ($7) Q♣

Hero bets $5, CO calls.

River: ($17) 6♥

Hero bets $8, CO folds.

Analyse der Hand:

CO limpt First-In. Das kann alles bedeuten: ein kleines bis mittleres Pocket Pair, Ax suited, Suited Connectors. SB completet und Hero checkt.

Normalerweise wird Hero hier Check/Fold spielen. Er kann nach dem Check von SB aber auch gut betten, um beispielsweise einen König zu repräsentieren. Selbst eine Calling Station wird hier oftmals folden, aber der CO konfrontiert Hero allerdings mit einem Minraise, worauf der SB foldet. Das Minraise kann zweierlei bedeuten:

  • CO hat eine Made Hand (z.B. Top Pair oder Set) und protectet zu schwach
  • CO hat einen Draw und will sich eine Freecard erkaufen.

 

Eine Made Hand ist hier unwahrscheinlich. Ein schlechter Spieler callt oft nur mit einer Made Hand, um seinen Gegner mit einem Raise nicht zu vertreiben. Ein Minraise bedeutet sehr oft einen Draw.

 

Hero muss sich nun entscheiden, ob er seinen Bluff fortsetzen will und wenn ja wie. Wenn Heros Read richtig ist und CO tatsächlich einen Draw hat, würde sich beispielsweise ein Raise auf 15 $ anbieten. Dieses Raise würde den Bluff aber zu einer teueren Angelegenheit machen, wenn Hero falsch liegt und CO tatsächlich ein Set o.ä. hält. Auch ist keineswegs ausgemacht, dass CO nicht doch mit einem Draw gegen alle odds callt. Angesichts des kleinen Pots müsste ein Raise viel zu oft funktionieren, als dass es profitabel wäre. Am besten ist deshalb ein Call, um zu versuchen, CO am Turn oder River auszuspielen, wenn sich Hero aufgrund seiner Reads relativ sicher ist, dass Villain drawt.

 

Am Turn kommt eine Blank, d.h. die Voraussetzung für Hero, seinen Bluff weiterspielen zu können. Hero kann nun erneut betten oder aber checken. Untersuchen wir die Argumente für beide Varianten:

 

Für Check spricht folgendes:

 

  • Die Situation hat sich gegenüber derjenigen am Flop nach dem Minraise nicht verändert. Betten wir, besteht die Gefahr, dass CO doch ein Set hat, nunmehr ordentlich raist und Hero folden muss.
  • Checkst Du und bettet CO, weißt Du „eigentlich“, dass er keinen draw hat. Denn sein Ziel mit dem Minraise sollte ja nach Deinem Read sein, eine Freecard zu bekommen.
  • Checkt Villain behind, kannst Du ihn sehr sicher auf einen Draw setzen. Er drawt dann mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 25 %. Kommt eine weitere Blank (d.h. eine Karte, die keinen Draw komplettiert) am River, kannst Du den Pot ziemlich sicher mit einer weiteren kleinen Bet einsammeln, ohne viel riskieren zu müssen.

 

Für Bet spricht folgendes:

 

  • Der Turn ist die letzte Gelegenheit, Villain mit einem Draw bezahlen zu lassen.
  • Wenn CO tatsächlich auf einem Draw war, hat ihm der Turn nicht geholfen. Du kannst also betten und ihm inkorrekte Odds zum drawen geben in der Hoffnung, dass er foldet. Viele Spieler geben mit einem Draw am Turn auf, wenn sie sehen, dass ihr Minraise nicht funktioniert hat.
  • Deine Bet hat auch die Funktion einer Block-Bet, so dass Du Villain möglicherweise von einer eigenen Bet abhälst.
  • Raist Villain, kannst Du ohne Probleme folden. Im Ergebnis wird es dann für Dich nicht teurer, als wenn Villain mit einer marginalen Hand behind gecheckt und Deinen River-Bluff gecallt hätte.
  • Viele Spieler folden eine marginale Hand am Turn, weil sie Angst vor einer erneuten Bet am River haben. Bettest Du dagegen erst den River, callen diese Spieler ohne Zögern trotz der strukturell gleichen Situation. Dies wäre der Fall, wenn Villain entgegen unserem Read keinen Draw, sondern beispielsweise 77 oder etwas Ähnliches hält.
  • Du übernimmst (erneut) die Initiative. Kommt eine Blank (idealerweise eine Scarecard wie ein Ass) und bettest Du erneut am River, bekommst Du Villain möglicherweise selbst dann von seiner Hand los, wenn Dein Read falsch war und Villain eine kleines oder mittleres Pocket Pair hält, weil Villain dann eine deutlich höhere Bet callen müsste.

 

Zusammengefasst lässt sich resümieren, dass eine Bet von 5 $ vorzugswürdig ist, wenngleich auch ein Check vertretbar erscheint. Als Nebeneffekt mag hier noch der Balanced-Strategy-Gedanke heranzuziehen sein, der den Typus von Spielern, um den es hier geht (Calling Stations, loose-passive und sonstige schlechte Spieler) in seiner grundsätzlichen Spielweise bestätigen wird.

3.2 Bluffing gegen TAGs und LAGs

TAGs sind die wohl besten Ziele für einen Bluff, da sie – bei allem Respekt – relativ gut einzuschätzen sind und auch in der Lage zu folden. Die Range eines TAGs lässt sich einigermaßen zuverlässig ermitteln. Außerdem umfasst ihr gutes Spiel auch die Möglichkeit, sich von einer passablen Hand zu trennen, wenn der Bluff gut vorgetragen ist. Ein guter mittelstarker TAG ist daher meiner Meinung nach das beste Opfer für einen Bluff (neben einem schlechten Spieler, dessen Tendenzen wir zuverlässig erkannt haben, siehe soeben 3.1).

 

Einen LAG zu bluffen, ist dagegen ungleich schwerer. Grund hierfür ist, dass Du seine Range nur schwer einschätzen kannst, was aber das zentrale Element für einen erfolgreichen Bluff ist. Gegen TAGs ist das Gegenstück zum Bluffing am erfolgreichsten – Slowplay mit einer starken Hand in der Hoffnung, dass er versucht, gegen uns zu bluffen.

3.3 Bluffing gegen Spieler mit einem guten und einem schlechten Lauf

Wenn möglich, sollten Spieler geblufft werden, die einen schlechten Lauf haben. Denn diese Spieler haben weniger Selbstbewusstsein als Spieler, die gerade einen guten Lauf haben. Spieler mit einem guten Lauf glauben, dass ihnen alles gelingt, so dass wir hier mehr objektiv schlechte Calls bekommen. Zudem haben diese Spieler gezeigt, dass sie ihre Gegner gut lesen können, was auch keine gute Voraussetzung für einen Bluff ist.

 

Das Gegenteil tritt allerdings ein, wenn ein Spieler soviel verloren hat, dass sein Stack nahezu aufgezehrt ist. Die Grenze liegt so ungefähr bei 20 BB. Spieler, die einen derart schlechten Lauf haben, haben keine Hemmungen, den Rest ihres Stacks auch noch zu verblasen. Bluffs sollten gegen solche Spieler unterbleiben.

4. Die Erfolgsaussichten eines Bluffs in Abhängigkeit vom eigenen Spielstil – Bluffing als TAG und Bluffing als LAG

Hier verhält es sich genau andersherum. Unsere Bluffs bekommen den größten Respekt, wenn wir das Image eines TAGs haben. Als LAG erhälst Du dagegen weniger Respekt, da Du mit vielen Händen aggressiv spielst, was nicht immer eine starke Hand sein kann.

5. Bluffing in loose und in tight games

Grundsätzlich bevorzugst Du mit Deinem tight-aggressiven Stil loose games. Denn Du bist nur mit Premium-Händen am Start, die in loosen games naturgemäß am besten ausbezahlt werden. Du siehst am liebsten viele Spieler, die geneigt sind, marginale Hände herunterzucallen.

Dagegen lässt sich in tighten games wesentlich besser bluffen, da die Spieler viel eher bereit sind, ihre mittelprächtigen Hände zu folden. Man ist in tighten games wesentlich weniger von der Gnade der Karten abhängig als in loosen games (hierzu ausführlich Lessinger, The Book of Bluffs, 1. Auflage 2005, S. 9f.).

6. Das Zeitmoment

6.1 Allgemein

Obwohl es häufig nicht beachtet wird, spielt auch das Zeitmoment eine wichtige Rolle, wenn Du einen komplexen Bluff spielst. Nicht nur müssen Deine Aktionen und die Betsizes zu der von Dir repräsentierten Hand passen, sondern auch die Bet-Geschwindigkeit. Bluffs lassen sich nicht selten daran erkennen, dass der Gegenspieler entweder sehr lange braucht (seltener) oder schneller als normalerweise bettet (häufiger).

 

Planst Du einen komplexen Bluff, sollte dies schon am Flop geschehen, wie bereits mehrfach angesprochen wurde. Natürlich musst Du nach jeder weiteren Aktion oder Karte Deine Situation erneut evaluieren – Du darfst allerdings nicht am Turn plötzlich in tiefes Nachdenken versinken. Dein Gegenspieler könnte hierdurch den Eindruck gewinnen, dass Deine Aktionen inkonsistent sind und das ist das letzte, was Du bei einem Bluff gebrauchen kannst.

 

Auf der anderen Seite verbieten sich auch die oft gesehenen blitzartigen Bets. Manche Gegner sind beim Bluffen leicht zu entlarven, weil sie (anders als sonst) bei einem Bluff sehr „nachdrücklich“ betten, was sich nicht nur an der Höhe der Bet, sondern auch an der Geschwindigkeit ablesen lässt. Haben diese eine starke Hand, beispielsweise ein Set, spielen sie eher langsam, weil sie überlegen, wie sie am meisten Geld in den Pot bekommen können. Bluffen sie, spielen sie schnell, weil selbige dadurch den Druck erhöhen wollen, tatsächlich getreu Caro´s allgemeinen Grundsatz „strong means weak“.

 

Fazit: Wer komplexe Bluffs spielen will, sollte sich zuvor wenigstens einmal Gedanken über die eigene Bet-Geschwindigkeit gemacht haben. Bei einem Bluff sollte diese nicht signifikant vom sonstigen Spielstil abweichen. Verfalle vor allem nicht in den Fehler, mit einer höheren Geschwindigkeit als sonst eine starke Hand repräsentieren zu wollen.

6.2 Bluffing mittels "Auto Bet Pot"

Wird zu Dir gecheckt, kannst Du zuvor die Option „Auto Bet Pot“ aktivieren. In der Sekunde, in der Du an der Reihe bist, wird eine Bet in Höhe des Pots vor Dir auf dem Tisch ausgeführt.

 

Beobachtungen ergaben, dass derartige Auto-Bets – anders als sehr schnelle Bets - einigen Respekt genießen, wenn selbige sparsam eingesetzt werden. Denn der Auto-Bietende signalisiert große Stärke, da er annonciert, eine Hand zu haben, die er ohne weitere Überlegung spielen möchte. Zudem geht eine Auto-Bet bei NL nur, wenn zuvor gecheckt wurde, was zumeist Schwäche beim Gegner bedeutet. Zu beachten ist dabei aber auch die Position. Je früher die Auto-Bet gebracht wird, desto mehr Respekt genießt sie, da sie (anders als beispielsweise bei einer Auto-Bet am button) nicht sogleich als Stehl-Versuch gedeutet wird.

 

Es mag also durchaus einen Versuch wert sein, einen Pot mittels Auto-Bet zu attakieren. Insbesondere bieten sich dafür ungeraiste Pots am Flop an. Am Turn wirkt die Aktion dagegen schon wieder unnatürlich, speziell dann, wenn wir selbst am Flop mitgecheckt haben.

6.3 Bluffing gegen Auto-Bietende

Bringt ein Spieler häufiger Auto-Bets, musst Du zunächst versuchen herauszufinden, was eine Auto-Bet bei diesem Spieler bedeutet. Stellst Du fest, dass dieser Spieler zumeist aus letzter Position heraus automatisch bietet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser Spieler blufft. Die Gründe entsprechen dabei denjenigen, die bereits in 6.1 und 6.2 herausgearbeitet sind.

 

Gegen einen solchen Spieler kannst Du nicht so spielen, dass Du stets foldest, wenn Du keine Premium-Hand hast. Du musst vielmehr gelegentlich ein Bluff-Check-Raise einstreuen, gefolgt von einer Turn-Bet, wenn Du gecallt wirst. Dabei solltest Du Situationen wählen, in denen Du mit einigen Outs rechnen kannst. Idealerweise hälst Du einen starken Draw, so dass Du einen Semibluff spielst. Zum einen ist Deine Fold Equity höher als normal, zum anderen kannst Du, wenn Dein Draw ankommt, nach einigem Nachdenken zu Deinem Gegner checken oder eine kleine Blocking-bet setzen. In den meisten Fällen wird Dein Gegner dann nochmals betten oder raisen, um selbst den angekommenen Draw zu repräsentieren. Du bekommst in solchen Fällen eine schöne Auszahlung.

 

6.4 Bluffing gegen Auto-Checkers

Nicht selten siehst Du, dass ein Spieler automatisch checkt. Fühlst Du beispielsweise den SB auf und erscheint sofort der Flop, weißt Du, dass der BB Auto-Check-Fold eingestellt hatte. In solchen Situationen kann man den Pot oft durch eine kleine Bet mitnehmen, speziell wenn hohe Karten auf dem Flop kommen.

 

Ähnliches gilt, wenn Du am Flop checkst und Dein Gegner automatisch behind checkt. Das bedeutet im Regelfall, dass Dein Gegner den Flop verfehlt hat und Du eine gute Chance hast, am Turn zu bluffen.

Teil 4: Darstellung eines guten und eines schlechten Beispiels anhand des logischen Ablaufs und der einzelnen Faktoren eines bluffs

  1. Schlechter Bluff - Moneymaker vs. Farha

Beispiel 11 - Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

 

Chris Moneymaker vs. Sam Farha, WSOP Main Event 2003, Heads Up

Chris Moneymaker ($4.620.000) = SB/Button and posts 20.000 + 5.000 Ante
Sam Farha ($3.770.000) = BB and posts 40.000 + 5.000 Ante

Preflop: Moneymaker raises to 100.000 with K♠ 7♥

Farha calls with Q♠ 9♥

Flop: ($200.000) 9♠ 2♦ 6♠
Farha checks, Moneymaker checks behind.

Turn: ($200.000) 8♠
Farha bets 300.000, Moneymaker raises to 800.000, Farha calls.

River: ($1.800.000) 3♥
Farha checks, Moneymaker bets instantly all in, Farha folds.

Vollziehen wir die Hand vor allem anhand der Gedanken aus der Sichts Farhas nach:

 

  • Aus dem Preflop-Spiel lässt sich wenig ableiten. Das kann auf beiden Seiten jede erdenkbare Kartenkombination sein.
  • Am Flop erhält Farha Top Pair mit dem drittbesten Kicker. Allerdings war Moneymaker Preflop-Aggressor. Farha ging deshalb davon aus, dass Moneymaker eine Continuation Bet ausbringen würde. Er nahm sich vor, Moneymaker zu Check-Raisen. Moneymaker spielte allerdings Check Behind. Daraus lässt sich noch nicht allzu viel ableiten. Ein wenig unnatürlich sieht der Check Behind aber schon aus. Immerhin liegen zwei ♠  auf dem Board.
  • Am Turn erscheint eine Karte, die zahlreiche Draws möglich macht oder sogar komplettiert. Farha entscheidet sich daher, nunmehr zu betten. Moneymaker tätigt ein kleines Raise. Da er sowohl einen Straight- als auch einen Flush-draw hat, handelt es sich um ein Semi-Bluff-Raise.

Wie stellt sich die Sache nun aus Sicht von Farha dar? Erste Möglichkeit: Moneymaker hat ein Set, Two Pair oder ein Overpair. Das ist unwahrscheinlich, da Moneymaker dann mehr protectet hätte, wenn nicht schon am Flop, so doch jedenfalls am Turn. Also eigentlich auszuschließen. Zweite Möglichkeit: Moneymaker hat einen Draw. Auch unwahrscheinlich, da das Minraise dann keinen Sinn ergibt. Es wäre ein schlechtes Semi-Bluff-Raise. Moneymaker muss damit rechnen, dass Farha pusht, so dass er einen draw folden müsste. Entweder hätte er selbst gepusht oder (gegen die Odds) gecallt. Aber ein Minraise? Dritte Möglichkeit: Moneymaker hat einen Flush und spielt ein Suck-Raise. Aber auch das ist unwahrscheinlich, da Moneymaker dann wohl bereits am Flop angesetzt hätte. Schlussfolgerung: Komisch, wer weiß, was er hat.

Genau das waren die Gedanken von Farha. Er sagte zu sich: Wenn der River eine blank ist, geht er mit einem typischen Online-Move All-In, wenn er einen Busted Draw hat und ich kriege ihn.

  • Am River kommt die Blank. Farha checkt plangemäß und Moneymaker geht tatsächlich blitzartig All-In (siehe oben 6.). Farha war sich seiner Sache ziemlich sicher. Er sagte zu Moneymaker: „You must have missed your flush, eh?“ Letztlich sagte sich Farha aber auch, dass es doch sein könnte, dass Moneymaker irgendein schlecht gespieltes Set o.ä. hält. Ganz sicher kann man sich bei einem solchen Sucker ja nie sein. Es siegte seine Arroganz gegenüber dem lausigen Amateur: Farha foldete, weil er sich sagte, dass er in der Lage sein würde, Moneymaker in der Folge auszuspielen. Er wollte es nicht darauf ankommen lassen, doch falsch zu liegen und als Depp dazustehen.

 

Dieser Bluff von Moneymaker wird gemeinhin als einer der besten Bluffs überhaupt bezeichnet. Nur wenige Stimmen - vor allem Sam Farha selbst - vertreten die gegenteilige Meinung. Analysieren wir die Hand anhand des oben dargestelten Wirkmechanismus eines Bluffs, nunmehr vor allem aus der Sicht von Moneymaker:

 

  • Schritt 1: Du musst evaluieren, welche Hand (bzw. genauer: welchen Typus einer Hand) Dein Gegenspieler hält.

 

Moneymaker äußerte zur Situation nach der Turnbet von Farha: „I couldn´t put him on a hand“. Nach Farhas Call hatte Moneymaker Farha auf einem Paar, möglicherweise kombiniert mit dem A♠. Diese Überzeugung korrespondierte mit dem River-Check von Farha.

 

  • Schritt 2: Du musst für Dich festlegen, welche Hand Du repräsentieren möchtest.

 

Moneymaker hatte sich darüber keine Gedanken gemacht. Er äußerte sich zu seinem Turn-Raise wie folgt: „I couldn´t put him on a hand. But I liked the way the board put me on two draws, so I made the raise.“

 

Auch am River wollte Moneymaker keine spezielle Hand repräsentieren. Obwohl nicht sicher, hatte er Farha (richtig) wahrscheinlich auf einem Paar. Moneymaker ging schlicht davon aus, dass Farha damit nicht callen könne. O-Ton: „I wasn´t sure of his exact hand, but I realy didn´t think he could call. I truly, truly thought he would lay it down.” Eine bestimmte Hand, aufgrund derer Farha nicht hätte callen können, wollte Moneymaker nicht repräsentieren.

 

  • Schritt 3: Du spielst Deine Hand genauso, als wenn Du sie tatsächlich hättest.

 

Fehlanzeige, da sich Moneymaker keine Gedanken über die von ihm repräsentierte Hand gemacht hatte.

 

Die Line von Moneymaker repräsentiert auch aus objektiver Sicht (und damit vor allem aus der Sicht von Farha!) keine bestimmte Hand. Sie ist pure Aggression, vor allem auch deshalb, weil Moneymaker am River blitzartig All-In gegangen war. Das All-In am River schreit geradezu nach einem Busted Draw.

 

  • Schritt 4: Dein Gegenspieler kommt zu dem Schluß, dass Du die Deine repräsentierte Hand haben musst. Er erkennt, dass er geschlagen ist, dass er nicht die richtigen Odds zum drawen bekommt und dass ein Fold deshalb die beste Spielweise ist.

 

Farha hatte die Situation exakt analysiert und den Bluff von Moneymaker durchschaut.

 

  • Schritt 5: Dein Gegenspieler ist in der Lage, entsprechend seiner Erkenntnis zu handeln, d.h. zu folden.

 

Nun, hierzu wäre Farha sicher in der Lage gewesen, wenn die Schritte 1 bis 4 stimmig gewesen wären.

 

Zusammengefasst kann man der Aussage von Farha „It was a horrible play by Moneymaker“ vollumfänglich zustimmen. Der Bluff wäre fabelhaft gewesen, wenn Moneymaker einen Grund dafür hätte benennen können, warum es wahrscheinlich ist, dass Farha auf das All-In folden würde, beispielsweise: „Ich schätzte ein, dass Farha sein ganzes Turnier nicht mit einem Paar gegen einen Amateur aufs Spiel setzen würde“. Allein die Aussage „Farha kann das mit einem Paar nicht callen“, macht den Move aus strategischer Sicht schlecht.

 

Hätte Farha gecallt, wäre sich die gesamte Pokerwelt darin einig gewesen, was für einen haarsträubenden, lächerlichen Bluff der kleine Amateur gegen einen der besten Spieler der Welt versuchte. Das zeigt auch, wie oft Bluffs rein ergebnisorientiert betrachtet werden.

2. Guter Bluff: Daniel Negreanu vs. Unknown

 

Beispiel 12

 

Daniel Negreanu vs. Unknown, späte Anfangsphase eines Turniers, BB = $200

MP ($5.000)
MP + 1 ($5.000)
BU = Daniel Negreanu with 4♠ 4♥ ($20.500)
SB ($20.000)

Preflop: MP calls $100,  MP+1 raises to $500, Negreanu calls $500, SB raises to $1.500, MP/MP+1 folds, Negreanu?

Negreanu beschreibt die Situation so, dass SB ein eher unerfahrener Spieler ist, der sehr tight spielte. Ein Squeeze-Play schloß Negreanu aus. Vielmehr setzte er SB auf ein hohes Pocket-Pair.

Ein einfacher Fold, möchte man meinen. Gleichwohl callte Negreanu in der Absicht, seinen Gegner auszuspielen, wenn ihm der flop die Gelegenheit dazu bieten würde, d.h. Drawheavy ist. Das berühmte „Calling for Set-Value“ spielte dagegen keine Rolle in Negreanus Überlegungen.

Flop: ($2.300) 9♠ 8♦7♥
SB bets $1.200, Negreanu calls.

Kein schlechter Flop für Negreanu. Er hätte sich zwar gewünscht, dass der Flop two-suited ist. Dafür ist der Flop aber schön koordiniert.

SB bettet $1.200, eine viel zu kleine Bet. Negreanu bezog deshalb auch in seine Überlegungen ein, dass SB AK haben könnte. Ein Set oder einen Draw schloß Negreanu aufgrund des Preflop-Raises von SB aus.

Negreanu entschloß sich plangemäß zu callen. Jede T, J, 6 oder 5 würde seinen repräsentierten Draw ankommen lassen; inclusive der beiden 4 hat er also 18 outs!

Man beachte, dass Negreanu ohne weiteres gefoldet hätte, wenn der flop beispielsweise K 9 3 o.ä. dry gewesen wäre.

Turn: ($4.700) 5♠

SB checks, Negreanu bets $2.800, SB calls.

Negreanu sagt hierzu, dass er inständig auf einen Call von SB hoffte. Denn Negreanu war sich sicher, dass SB gegen eine hohe River-Bet folden würde, selbst wenn keines der weiteren „Outs“ von Negreanu erscheint (siehe hierzu die obigen Ausführungen zu den Implied Odds eines Bluffs). Negreanu hätte vor diesem Hintergrund „eigentlich“ auch mehr betten können. Dann hätte sich SB mit einem Call aber committet, so dass Negreanu am River deutlich schlechtere Chancen gehabt hätte, SB aus der Hand zu bekommen (siehe hierzu die obigen Ausführungen zu Commitment).

Die Bet von Negreanu war aber auch aus einem anderen Grund wichtig. Denn war er hierdurch in der Lage, am River eine höhere „Value“-Bet anzusetzen und damit den Druck auf SB erheblich zu erhöhen.

River: ($10.300) 9♥

SB checks, Negreanu bets $10.000, SB folds showing AA.

Im Unterschied zu dem oben dargestellten Beispiel von Chris Moneymaker war dieser Bluff perfekt gespielt:

  • Negreanu hatte einen guten Read und setzte seinen Gegner von Anfang an auf die richtige Handrange.
  • Negreanu hatte von vornherein einen Plan, mit welcher repräsentierten Hand und welchem board er SB würde ausspielen können.
  • Er spielte exakt nach seinem Plan und setzte die richtigen Bets.

Genau so sollte ein Bluff aussehen!

Teil 5: Das Verteidigen gegen und das Induzieren von Bluffs

Zum Thema „Bluffing“ gehört auch das Verteidigen gegen Bluffs. Wenn Du an „Verteidigen“ denkst, beinhaltet dies zwei Elemente: Erkennen eines Bluffs und Verhindern eines Bluffs, d.h. Du spielst so, dass Deine Gegenspieler gar nicht erst die Chance bekommen, einen respektablen Bluff gegen Dich zu spielen.

  1. Erkennen eines Bluffs

Wenn Du das Spiel Deiner Gegner daraufhin analysierst, ob er blufft, kannst Du ebenfalls den oben dargestellten logischen Ablauf eines Bluffs nachvollziehen, nur eben mit umgekehrten Vorzeichen. Du fragst demzufolge bei Schritt 1 nicht „Welche Hand hat Dein Gegner?“, sondern „Welche Hand habe ich aus der Sicht meines Gegners?“. Bei Schritt 2 fragst Du Dich, welche Hand Dein Gegner repräsentieren will und so weiter.

 

Natürlich kannst Du diese Analyse am Tisch nicht vornehmen. Dies ist der späteren Nacharbeit vorbehalten. Am Tisch achtest Du auf bestimmte Umstände, die einen Bluff verraten könnten. Dabei handelt es sich um exakt jene Umstände, die in diesem Artikel benannt wurden, mit der Bemerkung, dass diese Umstände zu unterlassen sind, wenn folgende Faktoren zutreffen:

 

  • Villain spielt eine Line, die zu keiner Hand passt, als bspw. zu einem Busted Draw. Charakteristisch dafür ist beispielsweise die Line Call Preflop, Minraise Flop, Check Behind Turn, siehe oben Beispiel 5. Hier begegnet Dir auch wieder der Grundsatz „Don´t confuse your opponent, only mislead him“. Es gibt Hände, bei denen Dein Gegner so komisch spielt, dass das einfach nur ein Bluff sein kann.
  • Spezielle Tells. Beispielsweise gibt es Spieler, die am River nach einem Check fast All-In gehen, wenn sie bluffen, d.h. darauf achten, dass noch ein geringer Reststack verbleibt. Man sieht sie dann tatsächlich öfters folden, wenn der Checker All-In raist. Gegen eine Fast-All-In-Bet sollte man zwar niemals selbst Bluffen, aber man kann durchaus über einen Call mit mancher marginalen Hand nachdenken. Wie mitgeteilt brauchst Du dafür aber einen speziellen Read.
  • Im Übrigen sei auf die vorgehenden Ausführungen verwiesen. Die Umstände, die einen Bluff verraten können, wurden bereits als diejenigen Dinge benannt, die es bei eigenen Bluffs zu unterlassen gilt.

2. Verhindern eines Bluffs

Wenn ein guter Spieler gegen Dich blufft, bedeutet das, dass er Grund hat, Schwäche bei uns zu vermuten. Das legt die Vermutung nahe, dass Du semioptimal gespielt hast.

 

Eine Vermeidestrategie beginnt bereits Preflop. Spielst Du nur gute Starthände und diese aggressiv und spielst Du sodann am Flop aggressiv weiter, wird es für Deine Gegner schwer, gegen Dich zu bluffen. Bluffen bedeutet immer in irgendeiner Weise, dass Dein Gegner Schwäche spürt und Deine Aufgabe ist es, das zu vermeiden. Beispielsweise führen loose Preflop-Calls oftmals zu schwierigen Entscheidungen Postflop - inklusive der Frage, ob Dich Villain nicht nur aus der Hand bluffen will und Du vielleicht doch noch die beste Hand hälst.

 

Natürlich ist es unmöglich zu verhindern, dass man geblufft wird. Wer dies von sich sagen will, spielt viel zu loose, um langfristig Gewinne zu machen. Insbesondere sollte man nicht der Dominanz seines Egos unterliegen und glauben, dass dieser oder jener Spieler „immer“ blufft oder speziell gegen Dich. Calls „to keep Villain honest“ sind auf Dauer eine teure Angelegenheit.

3. Das Induzieren eines Bluffs

Das Induzieren von Bluffs ist ein wichtiges Mittel zur Value-Maximierung. Du gehst davon aus, dass Du die bessere Hand hälst und dass Villain eine Bet nicht callen würde. Deshalb checkst Du zu Villain in der Hoffnung, dass er blufft und Du so eine Extra-Bet bekommst. Denn Du signalisierst Schwäche oder die Bereitschaft, Deine Hand aufzugeben, um Villain zu einem Bluff zu animieren.

Das Induzieren von bluffs bietet sich gegen sehr aggressive Gegner an. Passive Gegner oder calling-stations sind dagegen die falschen Adressaten. Gegen solche Gegner sollten wir betten.

 

Mit Hilfe von Trackingsoftware kannst Du Dir nicht nur den gesamten Aggression Faktor (AF), sondern auch die AF-Werte der jeweiligen Streets anzeigen lassen. Auch wenn ein Gegner einen Total-AF von 4 hat, kann es sein, dass sich dieser aus 9 Flop, 1.5 Turn und 3 River zusammensetzt (fiktives Beispiel). Bluffinduce am Turn wäre gegen diesen Spieler also nicht die Methode, am meisten Value aus ihm zu extrahieren. Hast Du allerdings keine speziellen Reads bzw. AF-Werte, solltest Du Deinen Gegner lieber als unbekannt behandeln und selbst betten, anstatt ihn bluffen zu lassen.

 

Für das Induzieren von Bluffs am River eignet sich ein Board am besten, bei dem Villain auf einem Draw hätte sein können, etwa weil es koordiniert ist und er passiv spielt. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Villain beispielsweise auf einem Set ist – ein solches hätte er ziemlich sicher stärker protectet.

Beispiel 13

NL 100 SH

 

CO $ 100

BU $ 100

Hero is CO with A♦ A♥

 

Preflop: Hero raises to $3,50, BU calls, 2 folds.

Flop: ($8,50) T♠ 6♦ 5♠

Hero bets $6, BU calls.

Turn: ($20,50) 2♣

Hero bets $15, BU calls.

River: ($50,50) 6♥

Hero checks, BU bets $25, Hero calls. BU shows A 4 .

Hier kannst Du am River mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Du vorn liegst. Villain hat auf allen Straßen passiv gespielt und das Board gibt einige Draws her. Am River kannst Du dabei konstatieren, dass kein Draw angekommen ist (das Villain 3 4 zu einer Straight hält ist unwahrscheinlich). Auch sollte ein Set ausscheiden, denn sonst hätte Villain spätestens am Turn geraist. Ein Busted Draw ist also wahrscheinlich.

 

Hier bietet sich nun ein Check zum Induzieren eines Bluffs an. Würdest Du betten, würde Villain mit einem Busted Draw wahrscheinlich folden. Du hast auf allen Straßen Stärke gezeigt und würdest Dich mit einer Bet committen, so dass Villain keine Chance hätte Dich aus der Hand zu bluffen. Ihm bliebe also – getreu dem fundamental Theorem – nur die Chance, richtig zu spielen und zu folden. Checkst Du dagegen, siehst Du von Zeit zu Zeit einen Stehlversuch, den Du Dir zunutze machen kannst.

 

Wichtig ist auch die Frage, wie Du zuletzt gespielt hast und welche Hände Du gezeigt hast. Das gilt nicht nur gegen einen speziellen Gegner, sondern allgemein für Dein Verhalten am Tisch. Hast Du beispielsweise gerade in einer der letzten Hände mit einer starken Hand einen Bluff induziert und kam es zum Showdown, solltest Du in einem ähnlichen Spot lieber selber betten. Aus der Sicht vieler Gegner spielst Du immer nach demselben Schema. Wenn Du Dein Monster gerade am Turn Check/Raise gespielt hast oder am River mit einer passablen Hand Check/Call, dann werden Deine Gegner einer Bet von Dir eventuell weniger Bedeutung geben, bei einem erneuten Check aber evtl. den Braten riechen.

Teil 6: Schlusswort

Die Intention dieses Artikels ist die Hoffnung, dass etwas Licht in das Thema „Bluffing“ gebracht werden konnte. Als Schlusswort soll ein Zitat von Crandall Addington stehen, einem früheren Weltklassespieler und Finalist der WSOP 1978:

 

Master players do not bluff – they play their opponent´s hand.

Der Wechsel von Fixed Limit zu No Limit Holdem

Einleitung:

Regeltechnisch gibt es keinen Unterschied zwischen diesen beiden Varianten des Hold‘em Poker, alleine die Reglementierung des Setzverhaltens jedoch macht aus beiden ein jeweils eigenständiges Spiel. In diesem Artikel erarbeitest Du Dir die wesentlichen Unterschiede, sowie die erweiterten Möglichkeiten und Risiken die Du beim No-Limit Hold‘em zu erwarten beziehungsweise zu tragen hast.

 

Setzverhalten:

Beim Fixed Limit Spiel bist Du es gewohnt bis einschließlich dem Flop mit Small Bets zu agieren, um an Turn und River mit Big Bets (2 Small Bets = 1 Big Bet) zu setzen. Dieses gesonderte Setzverhalten sorgt dafür, dass sich gewisse Spielzüge im Hinterkopf festgesetzt haben, da die gegebenen Odds meistens gleich sind und nur in Abhängigkeit der Gegneranzahl variieren. Aufgrund dieser Tatsache lässt sich das Preflop-Play in Charts darstellen, nach denen Du „optimal“ spielen kannst, da Du „Odds-technisch“ keine Fehler begehen kannst.

Auch im Postflop-Play kommt selbstverständlich dieses reglementierte Setzen deutlich zum Tragen. So ist es am Flop quasi unmöglich, einen Flushdraw zu vertreiben, da dieser nahezu immer korrekte Odds bekommt. Das gleiche gilt für den Turn. Auf der anderen Seite ist Dir bewusst, dass dich eine vermeidliche Hand mit Showdown-Value im Heads-up maximal 2,5 Big Bets kostet, solltest du Way ahead / Way behind spielen.

Mathematisch betrachtet kann man hier sehr viele Fehler vermeiden und sich somit einem nahezu optimalen Spiel annähern (Preflop sowieso, aber auch Postflop). Dies ist der große Unterschied zum No-Limit Hold‘em Spiel.

Bei No-Limit Hold‘em fallen alle diese Punkte weg, da es keine Reglementierung der Setzgrößen gibt. Somit ist jeder Deiner Mitspieler in der Entscheidung so viel zu setzen wie er möchte frei (d.h. auch, dass er zu jeder Zeit All-In gehen kann). Das bedeutet, dass Dein Gegenspieler somit die Odds – vor dem Flop sowie nach dem Flop – zu seinen Gunsten ändern kann. Was sich daraus ergibt, beziehungsweise welche weiteren Punkte Du zu beachten hast, wird nachfolgend erläutert:

 

1.) Preflop-Spiel

Preflop hast Du beim Fixed Limit Game eine Unmenge an Charts zu Verfügung. Diese Charts sagen Dir, ob die Erfolgsaussichten Deiner Starthand technisch gesehen einen Fold, einen Call oder ein Raise erfordern. Beim No-Limit lässt sich dieses leider nicht in ein Chart „pressen“. Dafür gibt es viele Gründe.

Beim No-Limit-Spiel ist die Dynamik ein entscheidender Faktor. Das heißt, es spielen letztlich viele Umstände in eine Preflop-Entscheidung mit ein, die zu berücksichtigen sind. Das wären zum Beispiel:

  • Deine Position
  • Art und Anzahl Deiner Gegner
  • Das Postflop-Spiel Deiner Gegner
  • Die Stackgrößen Deiner Gegner
  • Abschätzung der Implied Odds bzw. der Dominations-Gefahr
  • Dein Image entsprechend des bisherigen Verlaufs an Deinem Tisch

Es gibt hier noch eine Vielzahl weiterer Punkte, vorerst beschränkst Du Dich auf die soeben genannten, da diesen die meiste Bedeutung beigemessen wird.

 

2.) Equity versus Implied Odds

In erster Linie ist die Equity einer Hand entscheidend. Sofern Du eine bessere Hand hälst als Dein Gegner, musst Du versuchen Geld in den Pot zu bekommen und den Spieler mit der schlechteren Hand zahlen lassen.

Im Fixed-Limit Bereich ist dieser Vorgang eine nicht ganz so schwierige Angelegenheit. In den Charts siehst Du, mit welchen Händen Du ab welcher Position erhöhen solltest. Gerade Hände wie Broadways (AK/AQ//AJ/KQ/KJ) haben eine gute Equity und können bei einem Treffer ab dem Flop aggressiv gespielt werden. Ebenso gehören auch Hände wie (AX/KX) ab späterer Position dazu. Daraus resultieren zwei Aspekte:

  • Man hat geringe Implied Odds
  • Man hat geringe Reverse Implied Odds

Kurzum heißt das: Mit einer Hand, die eher einen Drawing-Charakter besitzt wird es schwer, auf zukünftigen Streets noch große Gewinne einzufahren. Dafür kannst Du mit einer Hand wie Top Pair aber auch nicht sonderlich viel verlieren.

Beim No-Limit Spiel ändert sich dies. Preflop zahlst Du nicht sonderlich viel, hast aber Postflop die Möglichkeit einen ganzen Stack zu gewinnen oder zu verlieren. Somit hat eine Hand mit Drawing-Charakter hier einen wesentlich höheren Stellenwert. Eine Hand wie ATo hingegen ist gefährlich, da du Postflop zu häufig um einen zu großen Pot spielen musst. Hier hast Du es mit Reverse Implied Odds zu tun, denn Du kannst davon ausgehen auf einem A-High Board wesentlich häufiger eine bessere Hand auszubezahlen als von einer schlechteren Value zu bekommen.

 

3.) Top Pair = Broke? Dominationsgefahr!

Lange galt der Grundsatz, dass man mit Top Pair / Top Kicker im No-Limit Hold‘em nicht seinen ganzen Stack verlieren sollte. Dies ist nicht korrekt. „Standards“ gibt es recht wenige, aber mit einem guten Top Pair, beziehungsweise sogar einem Overpair liegt man im Verhältnis gesehen relativ häufig vorne.

Problematisch wird es da eher bei Händen wie zum Beispiel AJ/AT oder KQ/KJ. Das Problem hierbei ist, dass es zu selten schlechtere Hände gibt, die Dich ausbezahlen. Dafür werden diese Hände recht häufig dominiert, dass heißt Du spielst gegen eine Hand die eventuell einen besseren Kicker besitzt. Zudem wird es sehr schwer für Dich, Dich von Deiner Hand zu trennen. Genau aus diesem Grund musst Du beim No-Limit diese Hände mit Bedacht spielen. Beim Fixed Limit gehst du mit einem Top Pair meistens bis zum Showdown, während dies bei No-Limit kein Standardvorgang ist.

 

4.) Preflop All-In: Grüße von der Varianz

Ein Szenario, welches bei Fixed Limit nicht möglich ist: All-In vor dem Flop. Bei No-Limit hingegen kannst Du Dich dafür entscheiden, mit 100 Big Blinds oder sogar mehr Deinen kompletten Stack bereits vor dem Flop in die Mitte zu stellen. Natürlich verspricht diese Entscheidung mit Premiumhänden den meisten zu erwartenden Profit. Dazu kommen die Asse oder Könige, aber auch Händen wie AK und QQ in die nähere Auswahl („möglich“ ist es natürlich mit allen Händen). Klar wird, dass die Varianz dadurch enorme Ausmaße annehmen kann.

Stellt sich die Frage: Warum überhaupt All-In?

Du möchtest zum einen mit der vor dem Flop vermeidlich stärksten Hand Deinen Gegner dazu bringen, Geld in den Pot zu legen und somit Fehler zu begehen. Sicherlich ist es nicht das Idealste, mit Händen wie AK und QQ vor dem Flop bereits sein ganzes Geld in die Mitte zu stellen, aber oft genug bleibt Dir keine andere Wahl. Erhältst Du eine 3-Bet so weißt Du nicht viel über die Stärke der Hand Deines Gegners. In den meisten Fällen hast Du die beste Hand, weswegen Du Favorit bist und 4-bettest entsprechend. Bekommst Du daraufhin einen Push vorgesetzt, hast Du mit AK sowie mit QQ gegen die gegnerische Range AK, QQ+ einen mathematisch korrekten Call.

 

5.) Variable Setzgrößen

Im Gegensatz zu den beim Fixed Limit festgeschriebenen Setzgrößen in Form der Small bzw. Big Bets kannst Du beim No Limit jederzeit so viel setzen wie Du möchtest. Dies ermöglicht Dir beispielsweise das beschriebene Preflop All-In, sowie andererseits die Möglichkeit, die Pot Odds für Deinen Gegner jedes Mal zu konfigurieren.

Bettest du beispielsweise Potsize, so gibst du deinem Gegner Pot Odds von 2 zu 1. Bettest Du nur 2/3 Potsize, so bekommt Dein Gegner 2,5 zu 1. Entscheidest Du Dich für eine Bet in der Größe des halben Pottes, so ermöglichst Du Deinem Gegner einen Call bei Odds von 3 zu 1. Variable Setzen in dieser Form ist beim Fixed Limit nicht möglich.

 

6.) Maximaler Schutz der eigenen Hand

Daraus resultiert ein weiterer wichtiger Faktor: Der Schutz (Protection) der eigenen Hand. Durch die eben beschriebenen variablen Setzgrößen kannst Du Deinen Gegner eher zu Fehlern verleiten und ihn zum Callen mit einem Draw zu inkorrekten Odds einladen.

Beim Fixed Limit besteht diese Möglichkeit kaum. Bettest Du beispielsweise Dein Top Pair an Flop und Turn, so kann Dein Gegner mit einem eventuellen Straight- und/oder Flushdraw nahezu immer profitabel callen. Es ist zwar klar, dass Du durch Deine Bets versuchst Deine Hand zu schützen und mit der besseren Hand Geld in den Pot bekommst, allerdings macht Dein Gegner mit seinen Calls keine Fehler. Beim No Limit hingegen kannst Du durch hohe Bets Deine Hand wirklich schützen, so dass Dein Gegner mit einem Calldown für ihn teure Fehler begeht.

 

7.) Variable Stackgrößen

Aufgrund der festgesetzten Setzgrößen ist es beim Fixed Limit relativ egal, welchen „Stack“ du oder dein Gegner vor euch liegen habt.

Beim No Limit ist es jedoch ein ganz wichtiger Faktor, wie die „relative“ Stacksize aussieht. „Relativ“ bedeutet, dass du maximal um den kleineren der beiden Stacks spielen kannst.

Dies muss von Anfang an berücksichtigt werden, da du gegen verschiedene Stackgrößen unterschiedlich spielen solltest. Grob kann man die „Stacks“ in 4 Kategorien einteilen:

  • Shortstacks (15-30 Big Blinds)
  • Midstacks (~ 50 Big Blinds)
  • Fullstacks (~ 100 Big Blinds)
  • Deepstacks (125+ Big Blinds)

Auch hier sollte dir klar werden, dass du gegen Spieler mit einem kleinen Stack keine großartigen implied Odds besitzt sondern Hände benötigst, die eine gute Equity besitzen. Je größer jedoch der effektive Stack ist, umso mehr Freiräume besitzt du Postflop und kannst dir demnach auch auf zukünftigen Streets höhere Gewinne versprechen.

 

8.) Keine lighten Calldowns

Während du beim Fixed Limit eine durchschnittliche Hand wie ein schwaches Toppair oder gar ein middle Pair problemlos zum Showdown tragen kannst, ist dass beim No Limit nicht so einfach. Ein „lightes downcallen“ ist meistens nicht zu empfehlen, da es dich einfach deutlich mehr kostest als 2 Big Bets.

Das Prinzip way ahead / way behind ist auch im No Limit gegenwärtig. Jedoch muss es mit Bedacht angewandt werden. Beim Fixed Limit bedeutet way ahead / way behind, dass du grundsätzlich bereit bist, bis zum River im check/call Modus zu verweilen. Beim No Limit jedoch kann man nicht „blind“ runtercallen, da man selten weiß, wir die servierten Odds aussehen.

Ist der Pot beim Fixed Limit am River beispielsweise 8 Big Bets groß, so weißt du dass check/call dich eine Big Bet kostest und du somit in einem von 8 Fällen vorne liegen musst.

Beim No Limit hingegen kann der Pot am River 8$ groß sein, setzt dein Gegner nun 1$ gilt genau das gleiche wie im obigen Beispiel. Setzt er jedoch Potsize (8$), so musst du schon in einem von drei Fällen vorne liegen. Hier musst also je nach Gegner abwägen, ob das gegeben ist.

Einleitung:

Regeltechnisch gibt es keinen Unterschied zwischen diesen beiden Varianten des Hold‘em Poker, alleine die Reglementierung des Setzverhaltens jedoch macht aus beiden ein jeweils eigenständiges Spiel. In diesem Artikel erarbeitest Du Dir die wesentlichen Unterschiede, sowie die erweiterten Möglichkeiten und Risiken die Du beim No-Limit Hold‘em zu erwarten beziehungsweise zu tragen hast.

 

Setzverhalten:

Beim Fixed Limit Spiel bist Du es gewohnt bis einschließlich dem Flop mit Small Bets zu agieren, um an Turn und River mit Big Bets (2 Small Bets = 1 Big Bet) zu setzen. Dieses gesonderte Setzverhalten sorgt dafür, dass sich gewisse Spielzüge im Hinterkopf festgesetzt haben, da die gegebenen Odds meistens gleich sind und nur in Abhängigkeit der Gegneranzahl variieren. Aufgrund dieser Tatsache lässt sich das Preflop-Play in Charts darstellen, nach denen Du „optimal“ spielen kannst, da Du „Odds-technisch“ keine Fehler begehen kannst.

Auch im Postflop-Play kommt selbstverständlich dieses reglementierte Setzen deutlich zum Tragen. So ist es am Flop quasi unmöglich, einen Flushdraw zu vertreiben, da dieser nahezu immer korrekte Odds bekommt. Das gleiche gilt für den Turn. Auf der anderen Seite ist Dir bewusst, dass dich eine vermeidliche Hand mit Showdown-Value im Heads-up maximal 2,5 Big Bets kostet, solltest du Way ahead / Way behind spielen.

Mathematisch betrachtet kann man hier sehr viele Fehler vermeiden und sich somit einem nahezu optimalen Spiel annähern (Preflop sowieso, aber auch Postflop). Dies ist der große Unterschied zum No-Limit Hold‘em Spiel.

Bei No-Limit Hold‘em fallen alle diese Punkte weg, da es keine Reglementierung der Setzgrößen gibt. Somit ist jeder Deiner Mitspieler in der Entscheidung so viel zu setzen wie er möchte frei (d.h. auch, dass er zu jeder Zeit All-In gehen kann). Das bedeutet, dass Dein Gegenspieler somit die Odds – vor dem Flop sowie nach dem Flop – zu seinen Gunsten ändern kann. Was sich daraus ergibt, beziehungsweise welche weiteren Punkte Du zu beachten hast, wird nachfolgend erläutert:

 

1.) Preflop-Spiel

Preflop hast Du beim Fixed Limit Game eine Unmenge an Charts zu Verfügung. Diese Charts sagen Dir, ob die Erfolgsaussichten Deiner Starthand technisch gesehen einen Fold, einen Call oder ein Raise erfordern. Beim No-Limit lässt sich dieses leider nicht in ein Chart „pressen“. Dafür gibt es viele Gründe.

Beim No-Limit-Spiel ist die Dynamik ein entscheidender Faktor. Das heißt, es spielen letztlich viele Umstände in eine Preflop-Entscheidung mit ein, die zu berücksichtigen sind. Das wären zum Beispiel:

  • Deine Position
  • Art und Anzahl Deiner Gegner
  • Das Postflop-Spiel Deiner Gegner
  • Die Stackgrößen Deiner Gegner
  • Abschätzung der Implied Odds bzw. der Dominations-Gefahr
  • Dein Image entsprechend des bisherigen Verlaufs an Deinem Tisch

Es gibt hier noch eine Vielzahl weiterer Punkte, vorerst beschränkst Du Dich auf die soeben genannten, da diesen die meiste Bedeutung beigemessen wird.

 

2.) Equity versus Implied Odds

In erster Linie ist die Equity einer Hand entscheidend. Sofern Du eine bessere Hand hälst als Dein Gegner, musst Du versuchen Geld in den Pot zu bekommen und den Spieler mit der schlechteren Hand zahlen lassen.

Im Fixed-Limit Bereich ist dieser Vorgang eine nicht ganz so schwierige Angelegenheit. In den Charts siehst Du, mit welchen Händen Du ab welcher Position erhöhen solltest. Gerade Hände wie Broadways (AK/AQ//AJ/KQ/KJ) haben eine gute Equity und können bei einem Treffer ab dem Flop aggressiv gespielt werden. Ebenso gehören auch Hände wie (AX/KX) ab späterer Position dazu. Daraus resultieren zwei Aspekte:

  • Man hat geringe Implied Odds
  • Man hat geringe Reverse Implied Odds

Kurzum heißt das: Mit einer Hand, die eher einen Drawing-Charakter besitzt wird es schwer, auf zukünftigen Streets noch große Gewinne einzufahren. Dafür kannst Du mit einer Hand wie Top Pair aber auch nicht sonderlich viel verlieren.

Beim No-Limit Spiel ändert sich dies. Preflop zahlst Du nicht sonderlich viel, hast aber Postflop die Möglichkeit einen ganzen Stack zu gewinnen oder zu verlieren. Somit hat eine Hand mit Drawing-Charakter hier einen wesentlich höheren Stellenwert. Eine Hand wie ATo hingegen ist gefährlich, da du Postflop zu häufig um einen zu großen Pot spielen musst. Hier hast Du es mit Reverse Implied Odds zu tun, denn Du kannst davon ausgehen auf einem A-High Board wesentlich häufiger eine bessere Hand auszubezahlen als von einer schlechteren Value zu bekommen.

 

3.) Top Pair = Broke? Dominationsgefahr!

Lange galt der Grundsatz, dass man mit Top Pair / Top Kicker im No-Limit Hold‘em nicht seinen ganzen Stack verlieren sollte. Dies ist nicht korrekt. „Standards“ gibt es recht wenige, aber mit einem guten Top Pair, beziehungsweise sogar einem Overpair liegt man im Verhältnis gesehen relativ häufig vorne.

Problematisch wird es da eher bei Händen wie zum Beispiel AJ/AT oder KQ/KJ. Das Problem hierbei ist, dass es zu selten schlechtere Hände gibt, die Dich ausbezahlen. Dafür werden diese Hände recht häufig dominiert, dass heißt Du spielst gegen eine Hand die eventuell einen besseren Kicker besitzt. Zudem wird es sehr schwer für Dich, Dich von Deiner Hand zu trennen. Genau aus diesem Grund musst Du beim No-Limit diese Hände mit Bedacht spielen. Beim Fixed Limit gehst du mit einem Top Pair meistens bis zum Showdown, während dies bei No-Limit kein Standardvorgang ist.

 

4.) Preflop All-In: Grüße von der Varianz

Ein Szenario, welches bei Fixed Limit nicht möglich ist: All-In vor dem Flop. Bei No-Limit hingegen kannst Du Dich dafür entscheiden, mit 100 Big Blinds oder sogar mehr Deinen kompletten Stack bereits vor dem Flop in die Mitte zu stellen. Natürlich verspricht diese Entscheidung mit Premiumhänden den meisten zu erwartenden Profit. Dazu kommen die Asse oder Könige, aber auch Händen wie AK und QQ in die nähere Auswahl („möglich“ ist es natürlich mit allen Händen). Klar wird, dass die Varianz dadurch enorme Ausmaße annehmen kann.

Stellt sich die Frage: Warum überhaupt All-In?

Du möchtest zum einen mit der vor dem Flop vermeidlich stärksten Hand Deinen Gegner dazu bringen, Geld in den Pot zu legen und somit Fehler zu begehen. Sicherlich ist es nicht das Idealste, mit Händen wie AK und QQ vor dem Flop bereits sein ganzes Geld in die Mitte zu stellen, aber oft genug bleibt Dir keine andere Wahl. Erhältst Du eine 3-Bet so weißt Du nicht viel über die Stärke der Hand Deines Gegners. In den meisten Fällen hast Du die beste Hand, weswegen Du Favorit bist und 4-bettest entsprechend. Bekommst Du daraufhin einen Push vorgesetzt, hast Du mit AK sowie mit QQ gegen die gegnerische Range AK, QQ+ einen mathematisch korrekten Call.

 

5.) Variable Setzgrößen

Im Gegensatz zu den beim Fixed Limit festgeschriebenen Setzgrößen in Form der Small bzw. Big Bets kannst Du beim No Limit jederzeit so viel setzen wie Du möchtest. Dies ermöglicht Dir beispielsweise das beschriebene Preflop All-In, sowie andererseits die Möglichkeit, die Pot Odds für Deinen Gegner jedes Mal zu konfigurieren.

Bettest du beispielsweise Potsize, so gibst du deinem Gegner Pot Odds von 2 zu 1. Bettest Du nur 2/3 Potsize, so bekommt Dein Gegner 2,5 zu 1. Entscheidest Du Dich für eine Bet in der Größe des halben Pottes, so ermöglichst Du Deinem Gegner einen Call bei Odds von 3 zu 1. Variable Setzen in dieser Form ist beim Fixed Limit nicht möglich.

 

6.) Maximaler Schutz der eigenen Hand

Daraus resultiert ein weiterer wichtiger Faktor: Der Schutz (Protection) der eigenen Hand. Durch die eben beschriebenen variablen Setzgrößen kannst Du Deinen Gegner eher zu Fehlern verleiten und ihn zum Callen mit einem Draw zu inkorrekten Odds einladen.

Beim Fixed Limit besteht diese Möglichkeit kaum. Bettest Du beispielsweise Dein Top Pair an Flop und Turn, so kann Dein Gegner mit einem eventuellen Straight- und/oder Flushdraw nahezu immer profitabel callen. Es ist zwar klar, dass Du durch Deine Bets versuchst Deine Hand zu schützen und mit der besseren Hand Geld in den Pot bekommst, allerdings macht Dein Gegner mit seinen Calls keine Fehler. Beim No Limit hingegen kannst Du durch hohe Bets Deine Hand wirklich schützen, so dass Dein Gegner mit einem Calldown für ihn teure Fehler begeht.

 

7.) Variable Stackgrößen

Aufgrund der festgesetzten Setzgrößen ist es beim Fixed Limit relativ egal, welchen „Stack“ du oder dein Gegner vor euch liegen habt.

Beim No Limit ist es jedoch ein ganz wichtiger Faktor, wie die „relative“ Stacksize aussieht. „Relativ“ bedeutet, dass du maximal um den kleineren der beiden Stacks spielen kannst.

Dies muss von Anfang an berücksichtigt werden, da du gegen verschiedene Stackgrößen unterschiedlich spielen solltest. Grob kann man die „Stacks“ in 4 Kategorien einteilen:

  • Shortstacks (15-30 Big Blinds)
  • Midstacks (~ 50 Big Blinds)
  • Fullstacks (~ 100 Big Blinds)
  • Deepstacks (125+ Big Blinds)

Auch hier sollte dir klar werden, dass du gegen Spieler mit einem kleinen Stack keine großartigen implied Odds besitzt sondern Hände benötigst, die eine gute Equity besitzen. Je größer jedoch der effektive Stack ist, umso mehr Freiräume besitzt du Postflop und kannst dir demnach auch auf zukünftigen Streets höhere Gewinne versprechen.

 

8.) Keine lighten Calldowns

Während du beim Fixed Limit eine durchschnittliche Hand wie ein schwaches Toppair oder gar ein middle Pair problemlos zum Showdown tragen kannst, ist dass beim No Limit nicht so einfach. Ein „lightes downcallen“ ist meistens nicht zu empfehlen, da es dich einfach deutlich mehr kostest als 2 Big Bets.

Das Prinzip way ahead / way behind ist auch im No Limit gegenwärtig. Jedoch muss es mit Bedacht angewandt werden. Beim Fixed Limit bedeutet way ahead / way behind, dass du grundsätzlich bereit bist, bis zum River im check/call Modus zu verweilen. Beim No Limit jedoch kann man nicht „blind“ runtercallen, da man selten weiß, wir die servierten Odds aussehen.

Ist der Pot beim Fixed Limit am River beispielsweise 8 Big Bets groß, so weißt du dass check/call dich eine Big Bet kostest und du somit in einem von 8 Fällen vorne liegen musst.

Beim No Limit hingegen kann der Pot am River 8$ groß sein, setzt dein Gegner nun 1$ gilt genau das gleiche wie im obigen Beispiel. Setzt er jedoch Potsize (8$), so musst du schon in einem von drei Fällen vorne liegen. Hier musst also je nach Gegner abwägen, ob das gegeben ist.

9.) Fische leichter ausnehmen?

Es ist natürlich schwer zu beurteilen, wo du einen Fisch leichter ausnehmen kannst. Überlege dir aber mal die Vorteile, sollte ein Fisch deinen Tisch joinen:

Du kannst ihn leichter isolieren durch variable Betsizes
Du kannst ihm seinen ganzen Stack mit einer Hand abnehmen
Du kannst ihn zu vielen Fehlern zwingen

Nutze die Möglichkeiten, deinem schwachen Gegner immer inkorrekte Odds zu geben oder aber mit starken Händen hart zu valuebetten. Gerade gegen Calling Stations ist dies ein mehr als probates Mittel. Du brauchst nicht tricky zu spielen, sondern kannst durch hohe Valuebets deinen Gegner zwingen mit seiner eventuell schwachen Hand einen viel zu hohen Preis zu zahlen. Diese Möglichkeit besteht im Fixed Limit nicht, dort kannst du maximal 2,5 Big Bets Postflop als „Valuebets“ anbringen, sofern dein Gegner einfach nur runtercallt.

 

10.) Die Position

Die Position ist beim Holdem ein grundsätzlich wichtiger Faktor. Jedoch spielt sie beim No Limit eine noch wichtigere Rolle.

Es gilt auf Dinge wie Pot control oder Protection zu achten. Protection wurde oben bereits erwähnt. Aber auch die Pot control ist von großer Wichtigkeit, du kannst somit je nach Stärke deiner Hand die Größe des Pots kontrollieren. Und dies gelingt dir natürlich deutlich besser in Position.

Kannst du beim Fixed Limit beispielsweise eine Line wie [u]bet/call Flop // Calldown (wa/wb)[/u] spielen, ist dies im No Limit nicht möglich. Unter normalen Umständen wärst du bei dieser Frequenz am River All-in, was du wenn möglich mit einer mittelstarken Hand vermeiden willst. Wie du an diesem Beispiel jedoch siehst, fehlen dir Out of Position die Alternativen.

Deswegen ist beim No Limit Holdem [u]die Position[/u] einer der mit Abstand wichtigsten Faktoren!!!

 

11.) Die Bewertung der Stats

Sofern du Stats über deine Gegner besitzt, hast du natürlich einen riesigen Vorteil. Du brauchst dir nicht jede gespielte Hand anzuschauen und zu verinnerlichen, so kannst du von Zeit zu Zeit immer dann die entsprechenden Werte anschauen, wenn du sie gezielt benötigst.

Jedoch gibt es einen entscheidenden Unterschied bei der Analyse von Fixed Limit und No Limit Statistiken:

Beim Fixed Limit kannst du anhand einiger Werte genau analysieren, ob ein Gegner dauerhaft gut spielt. Beispiele:

Ist der VPIP zu groß, macht dein Gegner longterm viele Fehler, da er zu häufig mit marginalen Händen Preflop dasteht und nicht die benötigte Equity besitzt
Ist der PFR zu klein, macht dein Gegner longterm viele Fehler, da er mit seinen vermeidlich starken Händen kein Value reinholt, solange er vorne liegt
Ist der „Went to Showdown“-Wert zu groß, geht dein Gegner zu häufig mit schwachen Händen zum Showdown

Dies kann man jetzt beliebig fortsetzen. Beim No Limit hingegen lässt sich dies nicht so ohne weiteres sagen. Ein Spieler mit den Werten 13/10 (VPIP/PFR) kann erfolgreich spielen, ebenso ein Spieler mit 40/35 oder gar mit 40/10, sofern er postflop gut spielt. Aufgrund der größeren Setzmöglichkeiten auf späteren Streets sind „Preflop-Fehler“ nicht zwangsweise aussagekräftig darüber, ob jemand dauerhaft erfolgreich spielt.

Ebenso gibt es viele Spieler, die eher passiv spielen und versuchen, möglichst viele Hände bis zum Showdown zu tragen. Auch hier kann man nicht automatisch sagen, dass ein hoher WTS-Wert grundsätzlich negativ zu bewerten ist.

 

12.) Vermehrt Bluffs möglich

Hört man das Argument, dass im No Limit bessere Möglichkeiten bestehen zu bluffen als beim Fixed Limit, so gerät man recht schnell in eine hitzige Diskussionen.

Selbstverständlich gibt es auch beim Fixed  Limit ausreichend Möglichkeiten zu bluffen, jedoch solltest du dir vor Augen führen, dass aufgrund der im Verhältnis zum Pot doch eher kleinen Bets die Foldequity grundsätzlich nicht sonderlich hoch ist.

Ein Bluff hat letztlich das Ziel, eine bessere Hand zum folden zu bekommen. Eine bessere Hand hat jedoch meistens irgendwas getroffen und unter normalen Umständen keine Probleme damit, bis zum Showdown zu gehen und einfach einen Calldown hinzulegen. Somit ist der Spielraum für Bluffs relativ begrenzt.

Beim No Limit hingegen ist Postflop noch ausreichend Spielraum, um durch Bluffs tatsächlich bessere Hände zu einem fold zu bewegen. Auch hier spielt natürlich der bereits aufgezählte Faktor „variable Betsizes“ eine entscheidene Rolle, da du dem Gegner Odds servieren kannst, zu denen er eigentlich mit einer marginalen made hand nicht callen dürfte.

 

13.) Showdown-Gebundenheit

Resultierend aus den bislang genannten Punkten ist es faktisch so, dass du bei einem Fixed Limit Game den Showdown wesentlich häufiger siehst als beim No Limit Game.

Die ist natürlich von besonderer Bedeutung für dein Spiel, da du davon ausgehen musst, häufig genug beim Showdown vorne liegen zu müssen.

Beim No Limit Game hingegen gehst du nicht so häufig zum Showdown, was daraus resultiert dass du auf den vorherigen Streets durch die Vergabe schlechterer Odds für die Gegner diese aus der Hand vertreibst oder halt die besseren Möglichkeiten eines Bluffs ausnutzt und ohne Showdown die Hand gewinnst.

Was ist nun „besser“? Auf der einen Seite musst du beim Fixed Limit Game genau abschätzen, wie häufig du vorne liegst, da du meist keine Wahl hast als bis zum Showdown zu gehen, da auch auf den letzten Streets die Odds für eine made hand verlockend sind.

Beim No Limit hingegen gewinnt nicht immer der Spieler mit der besten Hand, du hast hier vermehrt Möglichkeiten die Hand „unimproved“ zu gewinnen.

 

14.) Die Varianz

Nun werden noch einige Punkte betrachtet, die nur bedingt etwas mit der unterschiedlichen Spielweise zu tun haben. Zuerst stellst du dir natürlich die Frage: „Wie steht es mit der Varianz?“

Diese Frage ist nicht sonderlich leicht zu beantworten, da es auf die Sichtweise drauf ankommt. Gehst du davon aus, wie häufig du mit der stärksten Hand preflop bzw. am Flop tatsächlich gewinnst, so ist Fixed Limit sicherlich varianzreicher. Dies hängt damit zusammen, dass du deine Hände nicht ausreichend protecten kannst und somit relativ häufig ausgedrawt wirst.

Beim No Limit hingegen kannst du mit „knappen“ Entscheidungen häufig viel Geld investieren. So ist es durchaus denkbar, in einer Session mehr als 5 Stacks (500 Big Blinds) zu verlieren, ohne dass du einen großartigen Fehler begangen hast. Gehst du bei der Varianz also von Big Blinds aus, so kannst du dort im No Limit Bereich größere Schwingungen erreichen.

 

15.) Mehr Tische, mehr Fische

Dies ist sicherlich ein relativ großer Vorteil für den No Limit Bereich. Die Tischauswahl – gerade auf höheren Limits – ist im No Limit Bereich doch wesentlich angenehmer als in der Fixed Limit Abteilung. Rund um die Uhr findest du überall, auch in den höchsten Limits, ausreichend Tische.

Zudem nimmt im hohen Limit-Bereich die Fischdichte beim Fixed Limit doch erheblich ab. Ein Spiel wird erst dann richtig profitabel, sofern mindestens ein Fisch am Tisch spielt der häufig genau die Fehler begeht, die dir letztlich das Geld bringen.

Auch in den höchsten Limits gibt es dort ausreichend Möglichkeiten, während du im Fixed Limit Bereich doch sehr genau suchen musst.

Dies hängt damit zusammen, dass in der Öffentlichkeit das Spiel „No Limit“ am bekanntesten ist. Soll heißen, viele neue Spieler die Geld einzahlen und gleich auf höheren Limits durchstarten wollen bevorzugen die Variante, die sie aus der Werbung beziehungsweise aus Fernsehübertragungen kennen.

 

16.) MTTs, SNGs und Casino Games

Daraus folgend ein weiterer wichtiger Punkt: MTTs (Multi Tabe Tourneys) und SNGs (Sit and Go`s) werden meistens in der Variante No Limit gespielt. Ebenso wird beim Live Game in Casinos am häufigsten No Limit gespielt.

Hast du also vor bei solchen Turnieren mit zu spielen, und sei es nur der Abwechselung halber, so musst du dich ohnehin über kurz oder lang mit No Limit auseinandersetzen.

 

17.) Gewinnerwartung: Ungefähr gleich?!

Der Punkt „Gewinn-Erwartung“ ist demnach recht schwierig zu beurteilen. Eigentlich sagt man, wenn man eine Variante gut beherrscht ist der zu erwartende Gewinn ungefähr gleich.

Jedoch ist es mittlerweile so, dass durch die Punkte „Fischigkeit“ und „verfügbare Tischanzahl“ die Erwartung im No Limit leicht vorne liegen dürfte.

 

18.) Strategy Points FL > NL, jedoch höhere Anzahl an Tischen möglich

Bei den Strategy Points erzielt Fixed Limit meist einen besseren Wert (variiert natürlich nach der Plattform), sofern man dies auf die Anzahl der gespielten Hände projiziert. Dafür ist es aber so, dass aufgrund der in Punkt 13 erwähnten „Showdown-Gebundenheit“ im Fixed Limit vermehrt konzentrierte Entscheidungen an Turn und River gefällt werden müssen.

Somit hast du im No Limit Bereich die Möglichkeit, ein paar Tische mehr zu spielen, wodurch du auch bei den Strategy Points wieder aufholen dürftest.

Zusammenfassung

Du hast nun die groben Unterschiede zwischen den beiden Varianten gesehen. Wichtig ist natürlich dass du weißt, was dir Spaß macht. Solltest du eine Variante lieber spielen oder gar merken, dass sie dir aus welchen Gründen auch immer besser zu liegen scheint, dann solltest du diese Variante auch spielen.

Ebenso ist es empfehlenswert, Erfahrungen bei beiden Varianten zu sammeln. Es schadet einem Fixed Limit Spieler nicht, ab und an mal eine Session No Limit zu spielen. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt.

Sei offen, versuche neue Spiel- und Sichtweisen zu entdecken und schau einfach mal, ob du diese bei deiner favorisierten Variante einbringen kannst.

Der Wechsel von Fullring zu Shorthanded

Einleitung:

Du solltest Deine ersten Erfahrungen im No Limit Holdem an Full Ring-Tischen sammeln. Hast du mit der Zeit genügend Hände dort gespielt, so wird es Zeit sich an den Shorthanded-Tischen zu versuchen. Warum das so ist, welche Vorteile diese Variante mit sich bringt aber auch, welche Gefahren und Änderungen du dort berücksichtigen musst, soll Dir dieser Artikel näher bringen.

 

Actionreicheres Spiel

Dir muss klar sein, dass du an Shorthanded-Tischen deutlich [b]mehr Action[/b] zu erwarten hast. Dies liegt ganz einfach daran, dass nur maximal 6 Leute spielen anstatt zehn. Dadurch kommst du nicht drum herum, häufiger in Händen zugegen zu sein wo du an einem Fullring-Tisch dich schon deutlich eher verabschiedet hättest.

Daraus schlussfolgernd musst du bereit sein, auch mit marginaleren Händen am Tisch präsent zu sein. Während du an einem Fullring-Tisch aus früher Position meistens nicht viel zu melden hast, so kannst du an einem Shorthanded-Tisch dort schon deutlich schwächere Hände spielen. Du kannst dich nicht so gut „verstecken“ sondern musst zeigen, dass du durch aggressives Spiel jederzeit bereit bist, die Blinds zu attackieren.

Wie du Preflop agieren kannst, entnimmst du bitte den Preflop-Artikeln. Dort sind viele Gedankengänge zum Preflop-Play dargestellt.

Wie du dort siehst, ist die Range wesentlich breiter, mit der du bereit sein musst dich in einen Pot zu wagen. Und selbstverständlich gilt hier, möglichst aggressiv zu spielen und am Flop die Initiative zu halten.

 

Dein Image ist hier mit entscheidend. Wie erwähnt, kannst du beim Fullring-Game einigermaßen untertauchen. Du wartest einfach auf spielbare Hände und kannst dich dann in den Pot involvieren – gerade zu Anfang natürlich immer mit Blick auf das Chart.

Im Shorthanded-Game ist so ein Chart nicht verfügbar, da es hier einfach zu viele Randbedingungen gibt, die du zu berücksichtigen hast.

 

Postflop – knappere Entscheidungen

Du wirst häufig hören, dass sich das Spiel Postflop nicht großartig unterscheidet. Dies ist jedoch nicht ganz richtig.

Wichtig ist zu wissen, welche „Range“ dein Gegner hat. Dies ist beim Fullring-Game meistens viel leichter einzuschätzen. Du kannst dir zum Beispiel denken, was ein limp/call eines eher tighten Spielers aus early Position meistens bedeutet. Oder was es bedeutet, wenn dieser in der nächsten Runde eine 3-bet raushaut.

Im Shorthanded-Bereich ist dies leider nicht so einfach. Ein Openlimp kommt meistens nur von recht schwachen Spielern. Wenn ein stärkerer Spieler eine Hand spielen will, so openraist er. Agiert dahinter ein weiterer Spieler der ebenfalls eine spielbare Hand hält, so wird dieser häufig 3-betten. Du kannst dir vorstellen, wie groß die Range hier sein kann.

Somit kannst du eine 3-bet sehr schwer einschätzen. Ist es eine gute Hand, eine mittelmäßige Hand oder gar ein „Bluff“.„Bluffs“ kommen beim Shorthanded-Game häufiger vor, da man quasi dazu genötigt wird. Sitzt du beispielsweise hinter einem sehr aggressiven Spieler der jedes Mal openraist, so musst du dich irgendwann zur Wehr setzen. Solltest du nur auf eine Top-Hand warten, so wirst du lesbar. Also hast du im Grunde keine andere Wahl, als auch mal mit einer marginalen Hand eine 3-bet einzustreuen, am liebsten natürlich mit einer die bei einem Call selten dominiert ist.

Dies ist wichtig für das Balancing und die Deception deines Spiels. Du musst unlesbar bleiben und darfst den Gegnern nicht auf die Nase binden, was du halten könntest. Dieses Grundkonzept der Verschleierung ist an einem Fullring-Tisch einfach nicht so wichtig, da die meisten dort ohnehin nur mit ihren eigenen Händen beschäftigt sind. An einem 6max-Tisch jedoch kommen auch deine Gegenspieler auf den Gedanken, dein Play häufiger Mal zu hinterfragen und sich darauf einzustellen.

Dem entsprechend musst du gegnerspezifischer spielen. Es gibt wenige Entscheidungen, die du automatisch fällen kannst. Analysiere jedes Mal die Situation neu, mach dir mehr Gedanken darüber was dein Gegner halten könnte.

Um dieses in der Praxis gut umzusetzen gibt es zwei wichtige Punkte zu beachten.

Zum einen solltest du weniger Tische spielen. Während du beim Fullring-Game sehr gut multitablen kannst, ohne weitere Reads von deinen Gegnern zu sammeln, so solltest du beim Shorthanded-Game deine Tische und Gegner immer im Blick haben. Es ist hier auch wichtig zu sehen, wie deine Gegenspieler in gewissen Spots reagieren. Diese Reads solltest du in einer der kommenden Runden, wenn du gegen diesen Spieler antrittst, im Hinterkopf haben.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Statistiken eines Gegners. Natürlich sollst du selber beobachten, was deine Gegenspieler veranstalten, wenn möglich auch in Händen wo du eben nicht involviert bist. Aber es fällt auf Dauer natürlich schwer, alles unter Kontrolle und im Blick zu haben. Eine Stats-Hilfe wie beispielsweise der „elephant“ nehmen dir dort sehr viel Arbeit ab und sind ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg, wenn du deine Gegner richtig einschätzen möchtest.

Du musst dich also deutlich mehr mit deinen Gegnern beschäftigen, dir überlegen, gegen welche Range du läufst. Und genau diese Annahmen verändern das Postflop-Play. Standard Continuationbets bringen dir beispielsweise nicht viel, da du zu häufig gecallt wirst. Deine Gegenspieler können nicht immer warten bis sie etwas getroffen haben, um den Pot zu gewinnen.

Somit ist das typische „Set-Mining“, was an den Fullring-Tischen sicherlich ein Großteil der Spielweisen von sehr tighten Spielern ausmacht, an Shorthanded-Tischen unbrauchbar. Wer also mit kleinen Pocket Pairs limp/callen möchte, wird auf Dauer nix verdienen, da er Postflop nur Action machen dürfte, wenn er gehittet hat.

Im Gegensatz zu 10max Tischen bedeutet ein Preflop-Raise aber wie oben bereits erwähnt nicht, dass man gegen eine außerordentlich gute Hand spielt. Letztlich bedeutet dies: Es fehlen einem die implied Odds. Wer an einem 6max-Tisch dermaßen passiv spielt, legt bei Aggressionen seinerseits seine Hand offen und wird den Gegner nicht häufig genug stacken, um sein Spiel profitabel zu gestalten.

Unter dieser Berücksichtigung bleibt einem guten Spieler gar nichts anderes übrig als seine Hände zu verschleiern und am Flop auch mit mittelmäßigen Händen Gas zu geben,

Was bedeutet dies nun für dich?

Die „Theorie“ des Postflop-Plays bleibt natürlich die gleiche, aber du musst dir genau anschauen gegen wen du spielst. Ein Flop-Raise bedeutet nicht häufig eine starke Hand, sondern kann auch oft genug ein Bluff oder Semi-Bluff sein, während du an einem Fullring-Tisch nach solch einer Aktion eines eventuell eher zurückhaltenden Spielers schon von den beinahe-Nuts ausgehen kannst.

Daraus folgt natürlich auch, dass du gewisse Hände einen Tick lighter zum Showdown führen kannst. An 6max-Tischen findest du in der Regel vermehrt Spieler, die einen sehr aggressiven Stil pflegen. Und es wird dir nichts übrig bleiben, als dich diesen Verhältnissen einigermaßen anzupassen. Siehst du dich also einem Spieler gegenüber, der häufig mit Draws raisen kann, musst du dein Toppair auch so stark protecten, dass du bereit bist, damit am Flop All-in zu gehen.

Ist das Board drawless, solltest du deine Hände eher mal im Sinne des way ahead / way behind – Prinzips runtercallen. Du kannst / darfst / solltest hier unterm Strich in allen belangen einen Tick looser agieren als an einem Tisch mit 10 Personen.

 

Das „Drumherum“

Der letzte Satz des vorherigen Blocks offeriert somit natürlich gleich eines der Hauptprobleme des Shorthanded-Games…es ist varianzreich!

Nun könntest du das einfach so hinnehmen, doch die Varianz kann sich natürlich in vielen Bereichen deines Pokerlebens auswirken.

Da wäre zum einen der Tilt! Wenn du durch vermeidliche Bad Beats schnell die Fassung verlierst oder es dir sehr schwer fällt, den Verlust eines Stacks in Kauf zu nehmen, so wirst du an 6max-Tischen anfangs natürlich Probleme bekommen.

Es kann durchaus sein, dass die Stacks so schnell zu deinen Gegnern wandern, dass du mit dem Rebuyen kaum hinterher kommst. Die knappen Situationen, wo du dich mit einer eher als marginal anzusehenden Hand entscheiden musst, deinen Stack in die Mitte zu stellen, nehmen an 6max-Tischen natürlich deutlich gegenüber Fullring-Tischen zu und lassen sich leider nicht vermeiden.

Richtig problematisch wird es, wenn du dadurch dein A-Game verlässt und unkontrolliert spielst. Es ist logisch, dass du auch hier viel schneller teure Fehler machen kannst. Versuche also in solchen Situationen ruhig zu bleiben und ließ dir vorher die von pokerstrategy gestellten Artikel zum Thema Tilt durch und überlege, ob du die dort angegebenen Maßnahmen ergreifen solltest.

Aus der Kombination des varianzreichen Spiels sowie der Möglichkeit, nicht mehr ganz unbefangen zu spielen wenn einem die Stacks nur so durch die Finger gleiten, ergibt sich natürlich das allseits beliebte Thema „Bankrollmanagement“.

Dieses hat einige wichtige Funktionen, die wichtigste lautet natürlich: Du sollst nicht broke gehen!

Ein Bankrollmanagement ist immer wichtig, damit du durch einen Downswing, den jeder Mal durchlaufen muss, nicht deine gesamte Bankroll verlierst. Aber auch dem Tilt kann es vorbeugen. Spiele mit deinem Bankrollmanagement auf einem Limit, wo dich ein paar Stacks down nicht großartig stören. Es muss dir klar sein, dass diese Verluste dazu gehören und sich nicht vermeiden lassen. Da helfen dir auch keine Artikel. Wenn der Suckout mal vorbeischauen will, dann tut er es einfach!

Empfohlen wird für das  Shorthanded-Game ein Bankrollmanagement mit mindestens 25 Stacks. Aber solltest du das Gefühl haben, damit nicht unbefangen spielen zu können, so korrigiere es für dich einfach nach oben.

Was bleibt sonst noch zu sagen? Das Shorthanded-Game ist auf dem Vormarsch und über kurz oder lang musst du dich mit dem Gedanken anfreunden, auch diese Variante zu beherrschen.

Besonders schlechte Spieler lieben das 6max-Spiel. Sie sind gerne häufig in der Hand (am liebsten jedes Mal) und mögen die Action. Diese wird ihnen an Fullring-Tischen zu selten geboten. Somit findest du im Verhältnis gesehen mehr schlechte Spieler an 6max-Tischen als an 10max-Tischen.

Da somit die Nachfrage an 10max-Tischen eher gering ist, stehen es auf den meisten Plattformen auch deutlich mehr Shorthanded-Tische zur Verfügung. Je höher die Limits werden, umso mehr konzentriert sich das Spiel auf die 6max-Variante.

Doch wie heißt es immer so schön: „Wer suchet, der findet!“. Natürlich hast du durch gute Selektion auch die Möglichkeit, profitable Fullring-Tische auf höheren Limits zu finden. Doch irgendwann solltest du dich schon fragen, ob du das Shorthanded-Game nicht mal ausprobieren willst…und dann wird es um dich geschehen sein.

 

Zusammenfassung:

Du hast nun ein paar wesentliche Unterschiede zwischen dem 6max- und dem 10max-Game kennen gelernt.

Am besten ist es für dich natürlich wenn du die Variante spielst, die dir am meisten Spaß macht. Hast du aber an Fullring-Tischen schon viel Erfahrung gesammelt und entscheidest dich dafür, nun auf das 6max-Game zu wechseln, solltest du oben genannte Punkte verinnerlicht haben.

Drawing Hands

 

Einleitung:

Die Besonderheit beim Holdem Poker liegt darin, dass du zu Beginn des Spiels nur zwei Karten ausgehändigt bekommst. Am Flop ändert sich somit die Stärke deiner Hand meist gewaltig. Oft hast du den Flop nicht so getroffen, wie du es dir vorgestellt hast und hältst eine „unfertige“ Hand, also eine „Drawing Hand“, die sich auf den verbleibenden beiden Streets noch zu einer guten Hand entwickeln muss. Die Besonderheiten dieser Hände sollen dir hier näher gebracht werden.

 

Grundarten von Drawing Hands:

Eine Drawing Hand zeichnet sich dadurch aus, einige Outs auf seiner Seite zu haben. Grundsätzlich können wir folgende Arten unterscheiden:

Overcards:

1.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

 

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with A:diamond: , K:heart:

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25

 

Flop: ($2.85) J:spade:, 5:diamond:, 2:heart: (2 players)

UTG checks, Hero bets $2.25, UTG…

 

Overcards sind recht häufig vorkommende Drawing Hands. Preflop stehst du mit AK noch hervorragend da, am Flop jedoch triffst du kein Toppair und stehst nur mit Ace high da. Deine starke Hand wird somit zu einer Drawing Hand, um einen möglichen Showdown zu gewinnen musst du bis zum River eines deiner Outs treffen:

 

Anzahl der Outs: 6 Outs (dreimal Ace, dreimal King)

Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 7:1

Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 3:1

Flush Draws:

 

2.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with 8:diamond: , 7:diamond:

3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00

 

Flop: ($2.10) A:spade:, J:diamond:, 4:diamond: (2 players)

UTG checks, Hero bets $1.50, UTG…

 

 

Ein Flush Draw bietet dir in der Regel 9 Outs. 13 Karten einer Farbe sind im Spiel vorhanden, 4 Karten davon siehst du bereits.

 

Anzahl der Outs: 9 Outs (9 Karten deiner Farbe)

Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 4:1

Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 2:1

Straight Draws:

 

3.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

 

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with 8:heart: , 7:diamond:

3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00

 

Flop: ($2.10) K:club:, 6:heart:, 5:spade: (2 players)

UTG checks, Hero bets $1.50, UTG…

 

In diesem Beispiel siehst du einen Open ended Straight Draw (OESD). Dieser bietet dir 8 Outs, da er von oben sowie von unten vervollständigt werden kann. Sein „kleiner Bruder“ ist der Gutshot Straight Draw, der in der Mitte offen ist und somit nur durch eine Karte zu einer Straight heranreifen kann. Dieser hat demnach logischerweise nur 4 Outs.

Anzahl der Outs: 8 Outs für OESD / 4 Outs für Gutshot

Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 5:1 für OESD / 11:1 für Gutshot

Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 2:1 für OESD / 5:1 für Gutshot

 

Kombi-Draws – zählen der korrekten Outs:

In den obigen Beispielen hast du die grundsätzlichen Möglichkeiten von Draws gesehen, die aber jeweils nur einzeln auftraten. Selbstverständlich kommst du häufig in Situationen, wo diese Draws kombiniert auftreten. Diese werden als „Kombi Draws“ bezeichnet, sie können also Outs aus den verschiedensten Kategorien mit sich bringen.

 

Wichtig ist, dass du sofort erkennst wie viele mögliche Outs du hast. Denn die sind für deine Equity entscheidend und somit auch für deine Spielweise (die Möglichkeiten dafür schauen wir uns später an!).  Ebenfalls werden wir uns später anschauen, wann und wie du Outs „discounten“ musst, dass heißt du sie dir nicht als vollwertige Outs anrechnen kannst.

Diese Punkte lassen wir aber noch außen vor und beschäftigen uns erst einmal mit der Analyse deiner Outs:

 

4.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

 

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with A:diamond: , K:heart:

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25

 

Flop: ($2.85) J:spade:, T:diamond:, 2:diamond: (2 players)

UTG checks, Hero bets $2.25, UTG…

Wieder hältst du AK und raist preflop. Und auch diesmal triffst du den Flop nicht direkt, mehr als Ace high kannst du auch hier nicht vorweisen. Diesmal jedoch hast du einige Outs mehr als in Beispiel 1!

Natürlich bleiben dir deine 6 Overcard-Outs erhalten. Zusätzlich hast du jedoch einen Gutshot Draw, dass heißt jede Queen gibt dir die Nutstraight. Dafür kannst du dir 4 Outs anrechnen.

Dadurch, dass zwei :diamond: - Karten auf dem Board liegen, kannst du dir aufgrund deiner A:diamond: -Karte noch ein zusätzliches Out auf den Backdoorflushdraw geben. Backdoor bedeutet, dass du die „richtigen“ Karten am Turn und am River treffen musst.

 

Somit ergibt sich für deine Hand folgendes:

Anzahl der Outs: 11 Outs

Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 3,5:1

Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen:1,5:1

 

5.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with 8:diamond: , 7:diamond:

3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00

 

Flop: ($2.10) A:spade:, J:diamond:, 9:diamond: (2 players) UTG checks, Hero bets $1.50, UTG…

Eine ähnliche Hand wie in Beispiel 2, jedoch zeigt sich als dritte Karte diesmal die 9:diamond: anstatt der 4:diamond:. Für dich bedeutet das konkret, dass du 3 Outs mehr vorweisen kannst, da du zusätzlich einen Gutshot hältst. Die T:diamond: wurde jedoch schon bei den Flush-Outs mitgezählt.

Somit ergibt sich für deine Hand folgendes:

Anzahl der Outs: 12 Outs

Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 3:1

Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 1:1

 

6.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with 8:heart: , 7:diamond:

3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00

 

Flop: ($2.10) 8:club:, 6:heart:, 5:spade: (2 players)

UTG checks, Hero bets $1.50, UTG…

Im Gegensatz zu Beispiel 3 hat sich auch hier das Board etwas verändert. Die 8:club: beschert dir nicht nur ein Toppair, sondern auch zusätzliche Outs. Mit einer weiteren 8 würdest du Trips halten. Mit einer weiteren 7 könntest du ein Two Pair vorweisen. Somit kämen 5 zusätzliche Outs hinzu.

 

Somit ergibt sich für deine Hand folgendes:

Anzahl der Outs: 13 Outs

Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 2,5:1

Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 1:1

Doch genau bei diesem Beispiel gehen wir direkt in die Problematiken der Outs über, die vielleicht nicht „sauber“ sind. Mal ehrlich: Erscheint am Turn eine 7, so hast du natürlich ein TwoPair vorzuweisen, aber was wird das wohl wert sein? Du liegst gegen jede 4 und jede 9 hinten. Entweder, dein Gegner hält die Straight, oder er wird selber so viel Angst vor dem Board haben dass er dich mit keiner schlechteren Hand wie TwoPair ausbezahlt!

Bevor wir uns den discounted Outs widmen, noch einmal eine Tabelle in der du anhand deiner Outs schnell erblicken kannst, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich deine Hand am Turn oder bis zum River verbessert:

Tabelle Odds and Outs:

Outs Odds vom Flop zum Turn (1 Karte) Odds vom Flop zum River (2 Karten) Beispiele
1 46:1 22.5:1 Backdoor-Flushdraw (zwei Karten einer Farbe an Turn und River)
2 22.5:1 11:1 Pocketpair zum Drilling ausbauen
3 15:1 7:1 -
4 11:1 5:1 Gutshot
5 8:1 4:1 Ein Paar zu einem Drilling oder zwei Paaren ausbauen
6 7:1 3:1 -
7 6:1 2.5:1 -
8 5:1 2:1 OESD
9 4:1 2:1 Flushdraw
10 3.5:1 1.5:1 OCs + Gutshot
11 3.5:1 1.5:1 OCs + Gutshot + BDFD
12 3:1 1:1 Flushdraw + Gutshot
13 2.5:1 1:1 OESD und ein Paar
14 2.5:1 1:1 Flushdraw und ein Paar
15 2:1 1:1 Flushdraw und OESD

Outs Discounten – Drawing Dead:

Mögliche Outs zu discounten ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Grundsätzlich gibt es zwei Fragestellungen, die du betrachten musst:

  • Gibt mir das Out wirklich die beste Hand? Oder bin ich „Drawing Dead“ und halte selbst bei einem Treffer nur die zweitbeste Hand?
  • Ist es möglich dass mir das Out zwar eine gute bescherrt, aber eben diese Karte meinem Gegner eine noch stärkere Hand offeriert?

Genaues discounten trifft vor allem auf den FL-Bereich zu, wo man aufgrund der festgesetzten Betgrößen durch das genauere discounten der Outs auch mathematisch korrektere Entscheidungen treffen kann.

Im No Limit lebst du von variablen Betgrößen und natürlich den implied Odds.

Was heißt das konkret: Wenn du einen call tätigst, da du dir eventuell ein paar Outs zu viel gegeben hast und somit einen mathematischen Fehler begangen hast, ist dies nicht sonderlich schlimm, da es häufig automatisch durch die implied Odds wieder aufgefangen wird. Auf der nächsten Street kannst du die Situation neu beurteilen und deinen vorher begangenen Fehler wieder ausbügeln.

Viel verheerender jedoch ist das Problem, nur zu den 2nd Nuts zu drawen beziehungsweise Drawind Dead zu sein. Ein call am Flop ist häufig nicht sonderlich teuer, eine falsche Einschätzung der tatsächlichen Stärke deines Draws kann dich aber letztlich den ganzen Stack kosten.

Schauen wir uns dabei ein recht offensichtliches Beispiel an:

 

7.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with A:spade: , K:heart:

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 1 fold, BB calls $1.25, UTG calls $1.25

 

Flop: ($3.85) 6:spade:, 5:diamond:, 4:diamond: (3 players)

BB bets $1.50, UTG calls $1.50, Hero…

 

Preflop bekommst du mit AK zwei caller. Den Flop verfehlst du total, nachdem nun der Big Blind reindonkt gibt es einen coldcall von dem Spieler der aus früher Position limp/call gespielt hat.

Schaust du dir deine Outs an, so bleibt da nicht viel übrig. Würdest du dir volle 6 Outs geben, so bräuchtest du Odds von 7 zu 1. Am Flop bekommst du knapp 4,5 zu 1 angeboten, du müsstest hier also schon implied Odds berücksichtigen (die es mit Sicherheit in diesem Beispiel nicht gibt).

Nun könntest du anfangen zu „discounten“. Zwei :diamond: -Karten liegen bereits auf dem Board, somit müsstest du bei eben diesen Karten sehr vorsichtig sein, wenn dein Toppair am Turn gleichzeitig den Flush ankommen ließe. Gibst du dir nur 4 Outs, würde rein Odds-technisch ein call natürlich in noch weitere Ferne rücken.

Das Hauptproblem liegt aber nicht darin, mögliche Outs zu discounten. Die Frage die du dir stellen musst: Treffe ich am Turn ein Ace oder einen King, was ist das wert?

7.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

 

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with A:spade: , K:heart:

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 1 fold, BB calls $1.25, UTG calls $1.25

 

Flop: ($3.85) 6:spade:, 5:diamond:, 4:diamond: (3 players)

BB bets $1.50, UTG calls $1.50, Hero calls $1.50

 

Turn: ($8.35) A:heart: (3 players)

BB bets $5.00, UTG calls $5.00, Hero…

Du hast am Flop zu inkorrekten Odds gecallt und nun am Turn ein vermeidlich sauberes Out getroffen. Aber ist das wirklich eine so gute Nachricht? Es folgt eine 2nd Barrel, ein weiterer coldcall und du musst in dieser Situation quasi broke gehen, sprich All-in gehen. Wenn du schon am Flop callst, kannst du bei einem solchen Treffer natürlich nicht folden. Jedoch müsstest du deine Hand protecten, theoretisch sind natürlich haufenweise Draws denkbar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass du hier aber schon längst gegen ein Set, eine Straight oder Two Pair zurückliegst, ich sicherlich groß. Das hätte dir am Flop schon klar sein müssen.

Schon dort hätte dir klar sein müssen, dass ein Toppair nicht mehr viel wert sein wird auf diesem Board gegen zwei gegner. Discounted Outs hin oder her…ein klarer fold am Flop wäre die bessere Wahl gewesen! Statt möglicher implied Odds hast du letztlich reverse implied Odds zu erwarten, denn der marginale Flop-Call kann dich letztlich sehr teuer zu stehen kommen.

Und genau dass ist der entscheidende Punkt: Welche Outs helfen dir die tatsächlich beste Hand zu bekommen?

Um das herauszufinden, musst du natürlich den Gegner auf eine Hand oder zumindest eine Range setzen. Danach geht es darum eine geeignete Spielweise zu finden. Damit werden wir uns jetzt beschäftigen!

 

Spielweisen

Absichtlicher Draw oder unabsichtlich?

Wie immer ist es wichtig, einen „Plan“ zu haben. Du musst wissen, wie du eine Hand spielen willst. Danach solltest du dir deine Preflop-Starthände aussuchen. Gabelst du einen „Draw“ am Flop auf, so kann dies gewollt oder ungewollt passieren.

Unabsichtlich bedeutet beispielsweise ein „Draw“ mit Overcards wie in Beispiel 7. Dein Ziel war es sicherlich mit einem Toppair am Flop value zu extrahieren oder ohne Hit einfach zu contibetten und auf deine Foldequity zu bauen. Dass du auf mögliche Outs blicken musst, hattest du nicht erwartet.

Spielst du jedoch eine Hand wie 8:heart: 7:heart:, so erwartest du am Flop einen Draw, denn etwas besseres wirst du recht selten floppen. Dem entsprechend musst du auch wissen, wie du mit einer solchen Hand umzugehen hast und wie du sie spielen solltest.

 

Aggressiv oder passiv?

Diese beiden Alternativen stehen dir in der Regel zu Verfügung. Passiv bedeutet dass callen nach Odds and Outs, natürlich immer unter der Berücksichtigung möglicher zu erwartender implied Odds. Aggressiv bedeutet, dass du durch Setzen versuchst deinen Gegner zum folden zu bringen. Hierbei sprechen wir von einem Semi-Bluff, der zwar auf die Foldequity baut, zusätzlich aber noch Outs in der Hinterhand hält.

Beide Spielweisen haben natürlich Vor- und Nachteile, die du unter den jeweiligen gegebenen Randbedingungen berücksichtigen musst. Fakt ist nur, du solltest beide Möglichkeiten in Betracht ziehen und auch in ähnlich wirkenden Situationen alternieren, um nicht durchschaubar zu bleiben. Du kannst deine Draws nicht immer passivoder immer aggressiv spielen.

Du wirst in einigen Beispielen das passive Spiel gezeigt bekommen. Das aggressive Spiel ist letztlich wie erwähnt der „Semi-Bluff“, der seinen eigenen Artikel hat!

 

Auswahlkriterien:

Betracht man eine einzelne Situation, welche Faktoren sollten ausschlaggebend sein, ob man einen Draw passiv oder aggressiv spielt?

Es ist klar, dass du beim passiven Spiel hauptsächlich darauf baust, auf einer der folgenden Streets zu improven. Hast du zu korrekten Odds gecallt, so reicht ein Hit aus um den Zug +EV zu gestalten. Callst du zu inkorrekten Odds, so musst du dir auf den folgenden Streets noch weiteres Value versprechen.

Spielst du aggressiv, so hast du zwei Möglichkeiten zu gewinnen. Entweder dein Gegner foldet direkt oder er callt und du triffst auf einer späteren Street deinen Draw.

Deswegen wollen wir uns direkt mit allen möglichen Faktoren einmal auseinandersetzen:

Stärke des Draws

Natürlich ist in erster Linie entscheidend, was du für einen Draw hältst. Du hast bereits weiter oben einige Beispiele für mögliche Draws gesehen. Du musst abschätzen, wie viele Outs dir zur Verfügung stehen und wie viele davon dir auch tatsächlich die beste Hand bescheren.

Je stärker dein Draw, umso eher kannst du ihn aggressiv spielen. Deine Equity steigt entsprechend und so kann es durchaus sein, dass du selbst mit einem Draw am Flop die beste Hand hältst, sollte sie am Flop All-in gehen können. Ab 13/14 Outs kommst du schon in eine coinflip Situation, wo es aufgrund des bereits vorhandenen Pots sowie deiner erzeugten Foldequity (durch dein aggressives Spiel) +EV wird, einen Draw am Flop möglichst All-in zu bringen.

Beispiel:

8.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

 

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with A:diamond: , K:diamond:

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25

 

Flop: ($2.85) J:diamond:, T:spade:, 5:diamond: (2 players)[/color]

Dieses Beispiel liefert dir theoretisch 18 Outs: 9 Outs für den :diamond:-Flush, 3 weitere Outs auf die Straight und 6 für die Overcards. Natürlich müssen die Overcard-Outs eventuell nicht alle „clean“ sein, aber unterm Strich liegst du hier gut im Rennen. Gegen eine gute made Hand wie QJ oder QQ bist du klarer Favorit.

Je weniger Outs du hast, umso geringer ist natürlich auch deine Equity. Hier könnte man jedoch wieder unterscheiden: Hast du 8-9 recht saubere Outs, kann man sich unter Umständen für einen passiven Weg entscheiden. Hast du deutlich weniger Outs, womit sich ein call letztlich nicht lohnt, könnte man auch wieder zur aggressiven Spielweise greifen. Es wäre letztlich eine Art pure Bluff, der einem noch ein paar mögliche Outs in der Hinterhand lässt. Dieses Szenario wollen wir aber nicht näher betrachten, immerhin hat auch ein unimprovtes Pocket Pair am Flop 2 Outs auf einen Hit am Turn.

Das Board

Das Board ist natürlich in vielerlei Hinsicht mit entscheidend.

Zum einen muss es dir erstmal einen möglichen Draw geben. Danach musst du entscheiden, ob dein Draw „clean“ ist und du dir alle Outs geben kannst. Zudem bleibt die Frage, wie offensichtlich dein Draw ist und ob du damit auf späteren Streets noch value extrahieren kannst.

 

Beispiel:

9.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

Hero ($25)

SB ($25)

BU ($25)

 

Preflop: Hero is BB with 5:diamond: , 6:heart:

UTG calls $0.25, 2 folds, BU calls $0.25, SB calls $0.25, Hero checks

 

Flop: ($2.85) 4:diamond:, 4:club:, 7:diamond: (2 players)

In diesem Beispiel hältst du beispielsweise einen Open ended Straight Draw. Jedoch liegen bereits zwei diamonds auf dem Board, so dass du die 3:diamond: / 8:diamond: nicht als „saubere Outs“ definieren kannst. Zudem ist das Board paired, das heißt auch bei einem Hit am Turn musst du nicht die „Nuts“ halten. Im unraised Pot sind hier viele Hände möglich, hält beispielswiese einer der Spieler den Flushdraw und ein anderer 43o, so bleiben dir gerade mal drei Outs (8:heart: / 8:club: / 8:spade: )

Ebenso musst du auf die angesprochene „Offensichtlichkeit“ deines Draws achten. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn du dir implied Odds anrechnen willst / anrechnen musst:

Beispiel:

10.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

 

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25)

Hero ($25)

SB ($25)

BU ($25)

 

Preflop: Hero is BB with Q:diamond: , 3:heart:

UTG calls $0.25, 2 folds, BU calls $0.25, SB calls $0.25, Hero checks

 

Flop: ($2.85) 6:diamond:, 7:diamond:, T:diamond: (4 players)

Du hältst den 3rd Nutflushdraw. Aber was machst du bei einem Hit am Turn? Welche schlechtere Hand soll dich ausbezahlen? Entweder du zahlst hier einen höheren Flush aus oder bringst alles Schlechtere zum folden. Es wird lange dauern hier jemanden zu finden, der dich mit einem J:diamond: oder 9:diamond: -high Flush ausbezahlt.

Die Position

Die Position ist ohne jede Frage immer als eines der wichtigsten Kriterien heranzuziehen, wenn es um die Beurteilung einer Hand geht. Gerade wenn es um das Spielen von Draws geht, ist dieser Punkt von enormer Bedeutung!

Out of Position hast du einige Nachteile. Wie immer weißt du nicht wo du stehst, da du bislang keine Informationen über die eventuelle Stärke der Hand deines Gegners hast.

Deine Optionen sind klar: Möchtest du aggressiv spielen, musst du betten. Möchtest du passiv spielen, solltest du checken.

Wenn du selber bettest, hast du natürlich den Vorteil der Foldequity auf deiner Seite. Aber was machst du bei einem raise?

  • Die Odds sind meistens schlecht und du musst deine Hand leider häufig aufgeben, außer dein Draw ist stark genug um von Anfang an die line bet/3-bet/broke zu spielen.

 

  • Die Implied Odds, die du wohl recht häufig benötigen wirst, sind wahnsinnig schwer abzuschätzen. Was bedeutet das Raise? Bluff? Starke made hand?

 

  • Wenn du Out of Position das Raise nur callst, wie sollte dann ein vernünftiges Turn-Play aussehen?

Was machst du bei einem call?

  • Sollte dein Gegner callen, kommst du selten um eine 2nd Barrel herum, da du jetzt den Turn nicht einfach check/callen kannst.

 

  • Callt dein Gegner auch am Turn, bleibt dir am River selten was anderes übrig also zu check/folden. Ein 3-barrel-bluff sollte nur mit Bedacht angewandt werden!

 

  • Vorteil: Solltest du am Turn oder am River hitten, kannst du weiterhin straight forward for value betten. Das ist eines der großen Vorteile des aggressiven Spiels.

 

Was bringt dir der passive Weg?

  • Die Spielbarkeit ist Out of Position grundsätzlich bescheiden. Angenommen du spielst am Flop check/call und triffst am Turn. Was machst du? Natürlich wäre ein check/raise eine schöne Option, aber wer garantiert dass dein Gegner bettet? Du müsstest deine Hand eventuell protecten, aber damit legst du natürlich offen was du hältst.

 

  • Angenommen du spielst am Flop check/call und dein Draw kommt nicht an. Wie spielst du am Turn? Mehr als ein check bleibt dir selten übrig, bettet dein Gegner dann kannst du eine anständige Bet kaum callen, dafür fehlen dir die nötigen Odds.

 

  • Am River müsstest du bei Hit donken, auch damit legst du deinen angekommenen Draw auf den Präsentierteller. Grundsätzlich kannst du dir mit einem passiven Spiel am River Out of Position kaum Implied Odds anrechnen.

 

Schauen wir uns hingegen an, welche Vorteile dir ein Spiel in Position beschert:

  • Dein Gegner muss zuerst eine Aktion durchführen

 

  • Dein Gegner weiß (meistens), dass er die ganze restliche Hand den Nachteil der Position hat

 

  • Du hast jederzeit die Möglichkeit, dir eine freecard zu nehmen (check behind Flop, bet Flop for free Turncard)

 

  • Solltest du mit deinem Draw am Turn oder River eine andere medium Hand aufgreifen (bspw. Middle Pair), so kannst du dir den free Showdown nehmen (bet Turn for free Showdown)

 

  • Solltest du treffen, kannst du in Position besser den Pot builden oder vor möglichen Re-Draws protecten.

 

  • Solltest du vorhaben, auch mal einen 3-barrel-bluff durchzuziehen, lohnt sich auch dies eher in Position, da dein Gegner auch am River Schwäche signalisiert hat.

Der Vorteil der Position ist gerade beim Spiel mit unfertigen Händen immens wichtig!

 

Multiway / Heads-Up

Gerade bei dem Spiel mit Drawing Hands spielt natürlich die Anzahl deiner Gegner eine große Rolle. Du hast grundsätzliche Erwartungen von deiner Spielweise:

  • aggressiv: Du beziehst ausreichend Foldequity mit ein
  • passiv: Du gibst dir gute implied Odds

Nun ist natürlich klar, dass sich diese beiden gedachten „Kurven“ mit der Anzahl der Gegner überschneiden. Gegen einen Gegner im Heads-Up hast du natürlich eine recht hohe Foldequity, kannst dir aber nur wenig implied Odds geben.

Somit würde sich eher ein aggressives Spiel anbieten.

Gegen mehrere Gegner sieht das natürlich ganz anders aus. Seid ihr beispielsweise 4-handed am Flop, müsstest du drei Gegner zum folden bringen. Die Wahrscheinlichkeit ist natürlich geringer, da mindestens einer der drei wohl häufig was getroffen haben wird was er ungern direkt am Flop aufgibt. Dafür steigen aber natürlich deine Implied Odds, da du bei einem Hit am Turn eventuell von mehreren Gegnern ausbezahlt wirst.

Somit würde sich eher ein passives Spiel anbieten.

Gegner

Egal wie viele Gegner du vor der Brust hast, es ist immer ein Riesenvorteil etwas über sie zu wissen. Folgend ein paar wichtige Werte und was du aus ihnen erlesen kannst:

Went to showdown:

Ist der Wert hoch, so wirst du wohl nicht genügend Foldequity besitzen, dir dafür aber auf späteren Streets wohl noch Implied Odds anrechnen dürfen.

Aggression-Faktor:

Ein Spieler mit hohem AF wird häufig bluffen (wollen), ein niedriger eher nur gute Hände betten. Gegen niedrigen AF solltest du versuchen freecards zu nehmen, da dich dein Gegner selten rausbluffen wird.

Fold to (Continuation-)Flopbet / Turnbet

Dieser Werte sind natürlich ausschlaggebend für deine Foldequity. Sollte dein Gegner häufig Contibets/Flopbbets callen, am Turn aber häufig aufgeben, so sollte dir auch mit einem Draw klar sein, dass du meistens 2mal barreln musst.

VPIP/PFR

Die Werte sind natürlich entscheidend für die Ranges deiner Gegner. Haben sie häufig was Mittelmäßiges getroffen auf dem entsprechenden Board? Oder kannst du deinem Gegner auf eine starke Hand setzen, wo du dem entsprechend kaum Foldequity besitzt, dafür aber viele Implied Odds?

Raised / unraised Pots

In raised Pots must du einen Draw natürlich anders beurteilen als in einem unraised Pot!

  • Im raised Pot sind meistens stärkere Hände unterwegs
  • Der Pot ist größer, so dass weniger Spielraum bleibt
  • In raised Pots ist die Anzahl der Gegner häufig gering
  • Du musst häufig (semi-)bluffen, um den Pot zu gewinnen. In einem raised Pot kannst du öfter mit einem (starken) Draw broke gehen, vor allem wenn du der Preflop-Aggressor warst
  • Die (geringen) Implied Odds sind häufiger leichter zu berechnen, da bei aggressivem Spiel am Flop deinem Gegner meist nur fold oder All-im übrig bleibt
  • In raised Pots kannst du selten nach Odds callen

In unraised Pots sieht es dagegen anders aus.

  • Du hast es häufig mit mehreren Gegnern zu tun
  • Im unraised Pot sollte man eher selten mit einem Draw broke gehen, da auf den folgenden Streets noch genügend Spielraum bleibt um Value zu extrahieren
  • Du hast vermehrt Implied Odds, aber wenig Foldequity (zumindest am Flop)

Foldequity oder Implied Odds?

Betrachtet man nun die bislang aufgeführten Punkte, so sieht man, dass es hauptsächlich um die Punkte Foldequity und Implied Odds dreht. Diese Faktoren musst du immer grob abschätzen und sie bei deiner Entscheidung mit einbeziehen.

Beispiele

Zum Abschluss schauen wir uns noch ein paar Beispiele an. Allesamt beziehen sie sich darauf, dass du deinen Draw passiv spielst. Beispiele für das aggressive Spiel findest du im Artikel „Semi-Bluffs“.

11.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

 

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25) (54/11/1.6/33/435) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

BB ($25)

SB ($25)

Hero ($25)

 

Preflop: Hero is Button with 5:diamond: , 6:diamond:

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25

 

Flop: ($2.85) 9:spade:, A:diamond:, 2:heart: (2 players)[/color]

UTG checks, Hero bets $2.25, UTG calls $2.25

 

Turn: ($7.35) K:diamond: (2 players)

UTG checks, Hero checks

 

River: ($7.35) 7:diamond: (2 players)

UTG bets $5.00, Hero raises to $12.50, 1 fold

Preflop entscheidest du dich für einen Raise mit einem suited connector in Position. Grundsätzlich ist das ok, jedoch muss dir klar sein, dass der recht loose Spieler sehr häufig callen wird. Und mehr als einen Draw hast du nicht zu erwarten.

Der Flop ist einigermaßen gut. Du hast zwar nix getroffen, aber das Board eignet sich ideal für eine Continuationbet. Natürlich kann man auch hier diskutieren, dass dein Gegner hier häufig getroffen haben wird. Wenn du jedoch solche Boards nicht contibetten willst im Heads Up und in Position, solltest du preflop nicht raisen.

Am Turn bekommst du dann einen guten Draw. Zwar hättest du bei einem Hit am River nur den „6-high-Flush“, dafür jedoch einen Backdoordraw, den dir dein Gegner nur in den seltensten Fällen gauben würde. Du könntest hier am Turn 2nd barreln, jedoch schreckt dich sein recht hoher WTS-Wert ab. Bei seinem VPIP kann er hier auch gut irgendwas getroffen haben, was er jetzt weiterhin check/callen möchte. Demnach entscheidest du dich für den passiven Weg.

Bei einem Hit am River jedoch kannst du davon ausgehen, dass dein Gegner dir noch etwas zukommen lässt. Deswegen checkst du am Turn behind und hoffst auf einen Hit, nachdem du getroffen hast musst du hier for Value raisen.

 

12.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25) (54/11/1.6/33/435) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Hero ($25)

SB ($25)

BU ($25) (13/11/2.7/21/850) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

 

Preflop: Hero is BB with 3:diamond: , 3:heart:

UTG calls $0.25, 2 folds, BU raises to $1.25, 1 fold, Hero calls $1.25, UTG calls $1.25

 

Flop: ($3.85) 2:club:, 4:spade:, 5:club: (3 players)

Hero checks, UTG bets $3.00, BU calls $3.00, Hero folds

Preflop ist der loose Spieler wieder mit von der Partie. Der tight-aggressive Button raist jedoch. Du möchtest nicht 3-betten, allerdings auch nicht folden da der loose Spieler häufig im Pot bleiben wird. Du callst demnach auf Set value.

Den Flop triffst du nicht, aber du gabelst einen OESD auf. Du ceckst, daraufhin bettet der passive Gegner, der tight-aggressive Button callt nur. Du bekommst Odds von 3,2 zu 1 serviert.

Du möchtest nicht aggressiv spielen, sonst hättest du am Flop schon donken können oder würdest jetzt den check/raise auspacken. Aber dir ist klar, dass die Foldequity hier gegen zwei wohl selten ausreichend ist.

Gibst du dir 8 Outs, so bräuchtest du Odds von 5 zu 1, wenn du darauf hoffst am Turn zu treffen. Du müsstest dir also Implied Odds geben. Letztlich entscheidest du dich aber für einen fold, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Du hast meistens keine klaren 8 Outs, sondern eher 6, da die Karten A:club: und 6:club: den Flush komplettieren würden

 

  • Du musst Out of Position agieren. Solltest du also am Turn treffen, müsstest du eigentlich donken, um zum einen Value zu extrahieren und zum anderen vor dem natürlich immer noch möglichen Flushdraw zu protecten

 

  • „Triffst“ du am Turn, so ist deine Hand wohl recht offensichtlich. Das Board wäre ziemlich connected und die anderen beiden Spieler würden wissen, dass jede 3 die Straight macht

 

  • Du kannst demnach deine Implied Odds schwer abschätzen. Weder die Donk des loosen Spielers noch der Call des tighten Spielers lassen eine Schlussfolgerung auf deren Hand zu.

 

Aufgrund dieser Annahmen entscheidest du dich dafür, deine Hand Out of Positon aufzugeben.

 

13.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats

MP ($25)

CO ($25)

UTG ($25) (54/11/1.6/33/435) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Hero ($25)

SB ($25) (20/1/0.5/29/321) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

BU ($25)

 

Preflop: Hero is BB with 4:diamond: , 5:heart:

UTG calls $0.25, 1 fold, CO calls $0.25, BU calls $0.25, SB calls $0.25, Hero checks

Flop: ($1.00) 2:diamond:, 3:heart:, Q:spade: (5 players)

SB checks, Hero checks, UTG bets $0.50, CO calls $0.50, 1 fold, SB calls $0.50, Hero calls $0.50

 

Turn: ($3.00) K:diamond: (4 players)

SB checks, Hero checks, UTG bets $2.00, CO calls $2.00, 1 folds, Hero calls $2.00

River: ($9.00) A:spade: (3 players)

SB checks, Hero bets $6.00, UTG calls $6.00, 1 folds

Preflop gibt es für dich keinen Grund zu raisen.

Am Flop triffst du deinen Open ended Straight Draw. Du entscheidest dich für ein passives Spiel, da du die Foldequity gegen 4 Spieler als zu gering einstufst. Die angeboten Odds sind für dich auch Out of Position tragbar. Du bekommst Odds von 5 zu 1 serviert, genau die benötigst du für deinen in diesem Fall sauberen 8-Outer.

Am Turn triffst du jedoch nicht. Leider stehst du im Sandwich zwischen dem Small Blind und dem Spieler aus Under the Gun. Du siehst natürlich weiterhin keinen Grund, jetzt aktiv zu werden. Nach deinem check bettet UTG erneut und auch der Small Blind bleibt weiterhin im Pot. Solltest du callen oder folden?

Fakten:

Du bekommst Odds von 3,5 zu 1. Für deinen Draw benötigst du weiterhin 5 zu 1. Zwar macht der K:diamond: einen Backdoorflushdraw möglich, aber den musst du nicht annehmen.

Solltest du callen, müsstest du also am River noch 3$ herausbekommen, um durch diese Implied odds deinen Turn-Call zu rechtfertigen.

Vorteile eines calls:

  • Beide Spieler sind loose und gehen ganz gerne zum Showdown. Die Implied Odds könntest du dir geben.

 

  • Auf diesem Board sind einige made Hands möglich, die am River eine Bet noch mal callen würden.

 

  • Weder ein Ass noch eine 6 lassen das Board am River so gefährlich erscheinen, dass man dich auf die Straight setzen muss.

 

Nachteile eines calls:

 

  • Du spielst natürlich weiterhin im Sandwich. Der bislang aggressive Spieler sitzt hinter dir, so dass du voraussichtlich den River donken müsstest.

 

  • Hittest du nicht und es wird durchgecheckt, so hast du keinerlei Showdown-Value.

Solltest du hier den Turn folden, so ist dies kein großer Fehler. Du entscheidest dich aber für einen call, triffst am River, donkst in den Pot und bekommst noch 6$ ausbezahlt. Somit hast du deinen Turn-Call nicht nur gerechtfertigt, sondern hast noch etwas Plus gemacht.

Zusammenfassung:

Beim Spiel eines Draws musst du also einiges berücksichtigen. Du musst feststellen wie viele Outs du hast und ob ein ankommender Draw danach auch wirklich die beste hand am Tisch ist. Zudem brauchst du einen Plan, wie du die Hand bei einem eventuellen Hit auf der folgenden Street weiter spielst. Wichtigster Indikator dafür ist natürlich die Position.

Des Weiteren musst du dich für einen passiven oder aggressiven Weg entscheiden, wie du deinen Draw spielen möchtest. Solltest du der Meinung sein, genügend Foldequity zu besitzen, solltest du eher Richtung aggressives Spiel tendieren. Gibst du dir wenig Foldequity, dafür aber massig Implied Odds, so solltest du eher einen passiven Weg einschlagen.

Ein paar Beispiele und Denkansätze zum Thema „passives Spiel“ hast du gesehen, für Beispiele des „aggressiven Spiels“ verweise ich nochmals auf den Artikel „Semi-Bluffs“!

Poker á la Wilhelm Tell

Trifft man den Apfel oder trifft man ihn nicht? Den Apfel zu treffen ist eben so eine Sache … Wenn man wenigstens wüsste, wie hoch die Trefferwahrscheinlichkeit ist, bevor der Apfel verfault?! Und selbiges am Besten ohne Tabellen zu memorieren, wo in der (eigenen) Erinnerung doch so schnell mal der Wurm drin ist …

Mit Hilfe simplen Fingerabzählens (ob nun mit oder ohne Kinderreim) lässt sich nach ein wenig Übung blitzschnell die Anzahl der möglichen Karten, die einem zum Komplettieren des in der Hand gehaltenen Draws errechnen. Aber wie schaut es im Verhältnis hierzu mit den Einsätzen aus? Lohnt sich die Investition? Mehr oder weniger simple Formeln sollen diese Fragen beantworten …

Vor dem Schuss (oder vor dem Flop)

Die Auswahl der Starthände sollte mit Sorgfalt geschehen, um überhaupt reelle Chancen im weiteren Spielverlauf zu erhalten. Je „höher“ die Karten im Verhältnis zu den gegnerischen Blättern, desto geringer ist der Abstand zwischen Wilhelm und dem Apfel oder in diesem Falle dem Gewinn des Potts! Wie nah er dran ist, zeigt der folgende absteigende Vergleich der Starthände (dabei werden die Favoriten zuerst genannt):

Gut gezielt?!

Um auch die Chance zu haben im Abschluss einen richtigen Treffer zu landen führt kein Weg daran vorbei die Pfeile … ähem …Karten zu zählen, die die derzeitige eigene Hand verbessern (Outs). Für unsere Entscheidungsfindung helfen uns die Wahrscheinlichkeiten. Die den nachfolgenden Schilderungen zugrunde liegenden Berechnungen findet Ihr im Strategie-Bereich. Um das ganze verständlich zu machen, werden Faustformeln verwendet, die insbesondere zur schnellen Resultatfindung dienen und komplexere mathematische Berechnungen ersparen.

Geben wir jeder Karte in unserem Pokerspiel pauschal einen Wert von 2. Diesen Wert multiplizieren wir mit den gezählten Outs. Multiplizieren wir danach mit der Anzahl der Karten, die ich noch sehe, dann erhalten wir unsere Gewinnwahrscheinlichkeit. Also, sehen wir noch eine Karte (z.B. den River oder auch nur den Turn), dann rechnen wir:

Outs x 2 = Trefferwahrscheinlichkeit in Prozent

(Beispiel: 6x2 = 12. Mit 12%iger Wahrscheinlichkeit bringt uns die nächste Karte eine der erhofften. Bei Outs > 8 darf noch der Wert 1 hinzuaddiert werden, also 9x2 = 18+1 = 19%)

Sehen wir noch zwei Karten (also Turn + River), dann wird das Ergebnis der obigen Formel einfach verdoppelt:

Outs x 4 = Trefferwahrscheinlichkeit in Prozent

(Beispiel: 6x4 = 24. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 24% trifft mit den nächsten zwei Karten eines unserer Outs ein. Bei Outs > 8 ist in diesem Falle noch der Wert 1 zu subtrahieren, also 9x4 = 36-1 = 35%)

Schwieriger wird es, wenn der Weg zum Apfel mit Hindernissen gespickt ist: Beim Zählen der Outs sollte man Obacht geben, ob die Karten nicht eventuell auch dem Gegner helfen! Als klassisches Beispiel ist hier der Straight Draw versus Flush Draw zu sehen, bei dem dann die Flushkarten entsprechend zu subtrahieren sind. Folgendes Beispiel:

Der Flop bringt:

Hier ist jede 9 und jedes Ass von Pik nichts wert, da zwar die Straße komplettiert wird, der Gegner aber gleichzeitig den Flush und damit die höherwertige Kombination vervollständigt.

Fazit

Obwohl „Wilhelm Tell“ nicht gerade spannend zu lesen ist (schon der Klappentext des üblicherweise erhältlichen Reclamhefts verrät den Ausgang des Dramas und auch sonst entsteht kaum „Spannung“), lesen Freunde klassischer Literatur es wahrscheinlich gern. Genauso wie das Zählen der Möglichkeiten und das annähernde Ermitteln der Gewinnchancen zu besseren Entscheidungen und damit Spielfreude beiträgt dürfte der Ausgang des Ergebnisses für alle spannend sein, denn den Apfel gilt es zu treffen und zu verspeisen!

 

 

Einleitung

Dieser Umstand dürfte Dir nicht unbekannt sein: Du hast Preflop eine gute Hand, die aber nicht im Chart gelistet ist. Bisher hast Du diese Hände einfach weggeworfen. Ob dies immer die optimale Lösung ist oder ob du nicht doch einige Hände mehr spielen kannst soll Dir dieser Artikel vermitteln.

Du wirst lernen wann Du Deine Hände limpen kannst oder wann Du Hände die nicht im Chart stehen erhöhen sollst. Ebenfalls werden Dir die Grundlagen des Squeezeplay vermittelt und was das eigentlich bedeutet.

  1. Equity

Die Equity ist der eigentliche Schlüssel zum guten Preflopspiel. Deshalb sollst Du diesem Teil des Artikels besondere Aufmerksamkeit schenken.

Was bedeutet Equity eigentlich?

Definition:

Die Equity (engl. für Marktwert, Kapitalanteil) oder Pot Equity bezeichnet den Anteil eines Spielers am aktuellen Pot, den er gemessen an seinen Gewinnchancen langfristig im Durchschnitt als Auszahlung zu erwarten hat. (Glossar pokerstrategy.com)

Beispiel:

Du hältst AK und hast 2 Gegner die 2 zufällige Karten halten. Wie hoch ist deine Equity?

Mit dem Equilator ermitteln wir, dass die Equity bei rund 48 % liegt.
Nehmen wir nun an, dass du einen normalen Raise von 4 BB gemacht hast und die beiden Spieler, egal welche Hand sie halten, gecallt haben. Wie viel BB wirst du im Durchschnitt vor dem Flop gewinnen?

 

Da jeder Spieler 4 bb gezahlt hat ist der Pot bei 12 BB, von denen dir 48 % gehören, also 5,76 BB. Du machst also mit jeder Erhöhung einen Gewinn von 1,76 BB. Selbstverständlich ist das Spiel noch nicht zu Ende, aber bei gutem Postflopspiel wirst du in der Regel noch weitere Gewinne einfahren.

  1. Reagieren auf einen Raise vor dir

Stell dir folgende typische Situation vor: Vor dir wird in früher Position geraist und du hältst

  1. Nach dem Einsteigerchart reraist du hier und gehst somit direkt allin. Bei einigen Gegnern

wirst du sagen ist klar die raisen so loose da kann man mit JJ ohne Probleme seinen Stack riskieren.

Bei anderen Gegnern hingegen fragst du dich immer und immer wieder: War das jetzt richtig?

Nun gegen einen durchschnittlichen Gegner ist es sicherlich richtig mit JJ zu reraisen. Es gibt aber auch Gegner die so tight sind, dass man gegen ihre Range mit JJ nicht mehr vorne ist.

Wann genau du allin gehen kannst und wie du das mit der Equity ermittelst wird dir im nun folgenden Abschnitt gezeigt.

Wie so oft wird vorausgesetzt, dass du den Gegner kennst und Stats über ihn hast. Ist er unbekannt

spielst du weiterhin nach Chart. Ist er dir aber bekannt, so kannst du anhand seiner Range die er in früher Position raist und der Equity ermitteln wann es profitabel ist gegen ihn zu reraisen.

 

Folgendes Beispiel illustriert das ganze:

NL 100

Hero: 20$

 

Hero is BU with T T

Preflop:

UTG 1 raise to 4 $, 4 folds, Hero???

a.) UTG: 10/5 (Vpip/ PFR in UTG)

b.) UTG: 20/10

 

In Beispiel a.) hat Villain eine Range von etwa: TT+, AQs+, AQo+. Wenn wir das in den Equilator eingeben erhalten wir mit TT dagegen eine Equity von 47 %.

In Beispiel b.) geben wir Villain eine Range von: 77+, A9s+, KTs+, AJo+, KQo. Dagegen haben wir rund 58 % Equity.

Da du nur einen weiteren Spieler im Pot hast, nämlich den Spieler der raist tragt ihr beide 50 % des Geldes im Pot ein. Somit musst du einen Potanteil bzw. eine Equity von mind. 50 % haben.

Sind es 3 Leute brauchst du nur noch 33% und bei 4 Leuten 25 % und so weiter.

Diese Rechnung ist natürlich für deine Zukunft sehr wichtig, weil du nun auf jeden Gegner individuell eingehen kannst.

Anmerkung:

Diese Rechnung stellt nur eine gute Faustregel dar! Da der Gegner nicht alle Hände die er raist auch auf einen Reraise callen wird sieht eine exakte Rechnung so aus, dass wir zuerst ermitteln wie viel Prozent seiner Range er callt. Dann ermitteln wir wie viel er foldet und aus der Summe kann man dann den genauen EV ermitteln:

 

FE = Foldequity/ Pot = Pot nach allen Allins/ Equity = Gewinnwahrscheinlichkeit gegen die Range die callt

EV = FE * Pot + (1-FE) * Equity * Pot

 

Ausblick:

Natürlich ist diese Rechnung noch nicht das Ende. So ist es zum Beispiel möglich, noch die Foldequity mit einzuberechnen. Foldet dein Gegner oft genug so kann ein Reraise auch +EV sein wenn du theoretisch weniger als 50 % Equity hast. Aber dazu ein anderes mal.

  1. Reagieren auf ein Raise nach dir

Bisher ist es so, dass du nach dem Stack:Raise Verhältnis aus der Einsteigersektion auf einen Reraise reagierst. Im Durchschnitt ist das auch gut aber jeder Gegner spielt unterschiedlich. Gegen den einen ist es gut wenn du TT auf einen Reraise weglegst gegen einen anderen Gegner verlierst du damit vieles an Value. Wann du mithilfe von Stats wie spielst wirst du nun sehen.

Wichtig ist es, dass du Informationen zu deinem Gegner hast. Ist er unbekannt, so musst du weiterhin nach dem Stack:Raiseverhältnis spielen. Nur wenn du Stats hast kannst du nach dem im Folgenden vorgestellten Equityprinzip handeln.

Anhand eines Beispiels wirst du nun sehen wie man die richtige Entscheidung errechnet:

Beispiel:

NL 100

Hero: 20 $

 

Preflop: Hero is MP2 with 9 9

4 folds, Hero Raise to 4$, 3 folds, SB raises to 20$, BB folds, Hero???

Jetzt siehst du die Stats die du über den Small Blind hast:

a.) 15/10/5 (VPIP/PFR/3-bet)

b.) 20/15/10

Du siehst oben 2 Beispiele. Der Vpip gibt dabei an, in wie vielen Fällen der Spieler freiwillig Geld in den Pot investiert. Der PFR sagt dir, in wie vielen Fällen der Spieler erhöht und die 3-bet sagt dir wie oft der Gegner erhöht wenn vor ihm schon genau einmal erhöht wurde. Das ist auch der Wert der hier für dich wichtig ist.

Mit Hilfe des Equilator kannst du nun berechnen wie viel Equity du gegen die gegnerische Handrange hast.

sehen wir uns dazu Beispiel a.) genauer an:

Villain hat eine 3 bet Range von 5 %, was in etwa TT+, AQs+, AQo+ entspricht.

(Einstellung Karlson-Sklansky Ranking).

Wenn wir diese Handrange gegen 99 laufen lassen sehen wir, dass wir rund 37 % Equity haben.

Reicht das damit du hier callen kannst?

Dazu müsst du erst einmal wissen wie viel Equity du brauchst. Sind es 50%, weil wir investieren ja 50 % des Geldes im Pot?

Nein es sind keine 50%! Es ist weniger. Du hast bereits Geld in den Pot investiert und Geld was im Pot ist gehört dir nicht mehr!

Um zu ermitteln wie viel Equity du brauchst um hier callen zu können müsst du die Pot Odds ermitteln:

Dazu nimmst du alles was schon im Pot ist und addierst den Raise vom SB dazu. Achte darauf, dass du nur so viel von seinem Stack nimmst wie du an Reststack hast. Du spielst nämlich real nur um den kleinsten Stack und das bist in der Regel du.

Pot Odds:1:1,5 (24 $ sind im Pot und 16 musst du bezahlen)

Eine Möglichkeit wie du die Odds in Equity umrechnest besteht darin die beiden zahlen zu addieren

und dann durch 100 zu dividieren. Also 1 + 1,5 = 2,5. Jetzt dividierst du 100 durch 2,5 und erhältst die 40 %.

Umgerechnet sind das also 40%.

Das heißt du kannst hier callen wenn du mindestens 40 % Equity gegen die gesamte gegnerische Range hast. Da wir aber nur 37 % haben musst du hier folden, da du sonst langfristig Verlust machst.

Gehen wir weiter zu Beispiel b.) :

Hier haben wir wieder Pot Odds von 1:1,5 und somit brauchst du 40 % Equity. Nun gibst du ihm eine Range von 10% : 77+, A9s+, KTs+, AJo+, KQo

Gegen diese Range haben wir eine Equity von 48 % und somit einen Calls nach Odds.

Weitere Beispiele auch mit anderen Starthänden oder anderen gegnerischen Händen kannst du dir selber leicht erstellen und durchprobieren. Beachte dabei immer, dass die Gegner auch andere Ranges haben können als die im Equilator vorgegebenen. Wenn du das siehst musst du diese Anpassen und andere die er nicht raist aus der Range entfernen. So kann ein Gegner bei Beispiel

b.) statt A9s auch gut und gerne 66 halten. Deswegen ist es auch kaum möglich die ganz exakte Range zu ermitteln, du musst dich also mit einem Abschätzen zufrieden geben.

Wie ermittle ich schnell ob ich callen kann oder nicht?

  1. Ermittle die Pot Odds
  2. Ermittle die Handrange des Gegners
  3. Ermittle die Equity deiner Hand gegen die Handrange des Gegners
  4. Calle wenn die Odds gut sind und folde wenn sie schlecht sind
  5. Limpen

Kann man bestimmte Hände limpen oder nicht? Eine Frage die du dir sicherlich schon mal gestellt hast.

In der Einsteigersektion wurde dir gesagt, dass du nicht limpen sollst und nur Raise oder Fold spielst. Aber das ist nicht immer optimal, da es einige Hände gibt, die man mit passendem Postflopspiel gut limpen kann, die aber zu schwach zum raisen sind.

Wichtig ist aber folgende Regel die du dir merken musst:

Limpe nur, wenn vor dir bereits Limper im Pot sind! Bist du First in, also agierst zuerst spielst du weiterhin Raise or Fold.

Was ist das Ziel des Limpens?

Mit dem Limpen möchtest du eines erreichen: Du möchtest möglichst billig den Flop sehen. Wenn du limpst hast du in der Regel eine schwache Hand, die sich aber zu einer sehr starken verbessern kann. Triffst du am Flop hoffst du auf die große Auszahlung, triffst du nicht, so hast du wenig investiert und kannst dich billig von der Hand verabschieden.

Achte stets darauf das dein Stack nicht zu klein wird. Je kleiner dein Stack ist, desto eher solltest du von einem Limp absehen. Hast du zum Beispiel ein Stack von 16 BB solltest du mit Sicherheit von einem Limp absehen. Eine gute Grenze sind etwa 17 bis 17,5 BB.

In welcher Position limpst du?

Limpen solltest du nur in später Position. Wie erwähnt ist es dein Ziel billig den Flop zu sehen.

Mit jedem Spieler mehr der nach dir agiert steigt die Gefahr, dass geraist wird und du folden musst.

Du kannst es dir selber ausrechnen. Stell dir vor die Spieler nach dir haben einen PFR von 10 %, so werden dich 2 Spieler nach dir in etwa 20 % der Fälle raisen. Sitzt du aber in MP 2 so sind es bereits 5 Spieler nach dir und du musst in etwa jedes 2te mal folden. Nicht wirklich dein Ziel.

Welche Hände kannst du Limpen?

  1. Pocketpairs

Die einfachsten Hände die auch Postflop sehr einfach zu spielen sind, sind Pocketpaare. Hier gilt einfach für das Postflopspiel: No Set no Bet. Das heißt so viel, dass du nur dann weiter Geld investierst wenn du ein Set getroffen hast. Ansonsten checkst und foldest du.

Pocketpairs kannst du ab ein bis zwei Limpern mitlimpen. Ist der mitgelimpte Spieler oder die Blinds sehr Showdownbound (sieht er also sehr oft den Showdown) so kannst du ab einem Limper mitlimpen, sonst sollten es eher 2 Limper sein. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist es wie aggressive die Spieler nach dir sind. Haben sie einen hohen PFR so sollten es auch 2 Limper sein, weil du öfter aus dem Pot geraist wirst.

  1. suitet Connectors/ suitet one gappers

Suitet connectors sind schon schwerer zu spielen als es die Pocketpairs sind. Du solltest dich unbedingt mit dem (advanced)Postflopspiel von Draws auskennen. Hast du dieses Wissen können suitet Connectors aber deine Winrate durchaus positiv beeinflussen. Limpen solltest du suitet Connectors von 54s bis QJs (KQs ist ein RAISE!). Achte darauf, dass du 2 Limper vor dir hast. Weniger Gegner machen keinen Sinn, da du hierzu wenig Auszahlung beim Hit erhältst. Lediglich Hände wie QJS oder einzelne noch folgende One Gappers kannst du ab einem Limper mitspielen, da diese auch mit einem Top Paar gewinnen können bzw. die Chance Top Paar zu machen größer ist. Auch hier solltest du bei aggressiven Gegnern nach dir eher auf einen Limp verzichten bzw. mehr als 2 Limper vor dir haben.

Suitet One Gappers sind Connectors mit einer Lücke. So ist 97s z.B. ein One Gapper, 96 ein Two Gapper.

Für dich sind zum Limpen in später Position maximal noch die One Gappers interessant. Achte hierbei darauf, dass du mindestens 2 Limper, eher 3 Limper vor dir hast. Ansonsten gilt auch hier das oben für suitet Connectors genannte.

suitet Asse mit schlechtem Kicker

Weit schwere als Pocketpairs und auch suitet Connectors sind Axs Hände zu spielen. Das sind suitet Asse die einen schlechten Kicker haben. Also zum Beispiel A2s. Hier spielst du in der Regel nur auf den Flush(-draw) oder 2 Pair/ Trips (vorwiegend auf Trips mit dem Kicker und nicht dem Ass). Suitet Aces solltest du nicht unter 3 Limpern vor dir limpen.

Triffst du das Ass gilt sehr oft:

Mit einem Paar Assen und einer schlechten Beikarte gewinne ich kleine Pötte und verliere große.

Versetzt euch als Beispiel in die Lage eurer Gegner: Ihr erhöht nur Asse mit gutem Kicker und gewinnt dann dank eurer Beikarte die großen Pötte. Habt ihr aber kein Ass gewinnt der Gegner nicht euren ganzen Stack sondern nur einen relativ kleinen Teil. Er gewinnt also einen kleinen Pot und verliert die großen. Achte darauf, dass es dir nicht so ergeht!

 

Wann kann ich welche Hände Limpen?

- Limpen nur in später Position

- Limpe nur, wenn vor dir schon andere Spieler gelimpt haben

- Limpen kannst du: Pocketpaare, suitet Connectors und One Gapper

- bei vielen Limpern kann Axs

 

5. Completen

Analog zum Limpen ist das Completen im Small Blind. Die Ziele bleiben die selben, nur dass du mehr Hände completen kannst, da du bereits Geld in den Pot investiert hast. Ebenso wie beim Limpen gilt, dass du Suitet Connectors und Onegapper und Pocketpaare completen kannst.

Pocketpaare und suitet Connectors/ One Gappers:

Beim Pocketpaar reicht es, wenn du einen  Gegner vor dir hast, beim suitet Connector sollten es 1 bis 2 sein. Sind es Facecards reicht ein Limper darunter sollten es 2 Limper sein, da du dann seltener Top Pair machst, welches auch als Top Paar noch oft genug gewinnt.

Axs

Auch Axs kannst du completen, aber da du OOP spielst und ein Draw sich dort schwer spielen lässt solltest du eher 2 bis 3 Limper haben. Ansonsten gilt das selbe wie unter Limpen gesagt wurde.

Zu guter letzt kommt noch eine weitere sehr knappe Gruppe dazu:

Offsuitet Connectors

Offsuitet Connectors

 

Die letzte wirkliche Gruppe von Händen die du unter bestimmten Voraussetzungen completen kannst sind die Offsuitet Connectors. Diese solltest du nur completen wenn du mindestens 3 eher 4 Limper vor dir hast.

Es ist also eine Gruppe von Händen die eher selten zum Zuge kommt. Wichtig ist auch, dass je kleiner die höchste Karte wird du mehr Limper brauchst weil die Chance für ein Top Paar sinkt.

Warum brauche ich aber so viele Limper während ich bei suitet Connectors weit früher Completen kann?

 

Schauen wir uns dazu an, wie oft du etwas triffst mit dem du am Flop weiterspielen willst:

2 Pair+: 3,49 %

OESD: 10,10 %

Flushdraw: 10,13 %

 

Also insgesamt ~25 %. Davon gehen uns bei einem Offsuitet Connector 10 % verloren was natürlich sehr sehr viel ist. Also überspiele die Offsuitet Connectors nicht. Wenn du sie gar nicht spielst verlierst du praktisch sehr wenig Value, wenn du sie spielst riskierst aber viel. Überprüfe also regelmäßig dein Spiel und schaue ob du hier wirklich Value generierst. Wenn nicht lasse sie einfach außen vor.

6. Squeezen

Wann kannst du Squeezen und wie kannst du ermitteln wann ein Squeeze profitabel ist?

All das wird dir im folgenden Abschnitt gezeigt.

Was bedeutet Squeezen?

Schauen wir wieder die Definition an die uns das Glossar gibt:

Ein Squeeze (to put a squeeze on SB: jemanden unter Druck setzen, etwas Bestimmtes zu tun) oder Squeezeplay ist ein Bluff in der ersten Wettrunde in Form eines großen Reraise, nachdem ein Spieler zuvor geraist und mindestens ein weiterer nach ihm die Erhöhung gecallt hat. Während der erste Spieler im Idealfall die Hand aufgibt, da er nun zwischen zwei oder mehr Gegnern gefangen ist und nicht weiß, was die Spieler nach ihm tun werden, haben der zweite Spieler und alle nach ihm folgenden häufig nicht eine derart starke Hand, dass sie mit ihr ein Raise und anschließend noch ein Reraise callen können.

 

Ein Beispiel dazu:

NL 200

Hero: 40 BB

Hero is BU with T T

 

Preflop:

3 folds, MP1 raise to 8, MP 2 calls 8, 2 folds, Hero raises to 40$, 4 folds

Hier hast du einen Squeeze vor dir. Der Spieler in MP 1 raised und ein Spieler coldcallt ihn.

Jetzt raist du weiter und MP 1 hat die schwere Entscheidung ob er callen oder raisen oder doch lieber folden  soll. MP 2 hält in der Regel keine so starke Hand dass er hier einen weiteren Raise callen kann.

Welche Gefahren lauern auf dich?

Ab und zu wird natürlich der Raiser einfach eine starke Hand haben und dich callen. Auch wird es

vorkommen, dass der Coldcaller eine starke Hand geslowplayed hat. Läuft allerdings alles gut, so sammelst du sehr viel Deadmoney ein.

 

 

Im Gegensatz zur BSS comittet dich ein Squeeze und deinen stack praktisch immer, im Gegenteil du bist eigentlich mit einem Squeeze immer allin. Von daher muss man sehr vorsichtig sein was man squeezt.

Es ist sehr selten, dass man einen Squeeze als Purebluff spielen kann.

 

Wann aber kann man einen Squeeze spielen?

 

Natürlich werden die Gegner zwangsläufig doch folden müssen, weil sie massiv Verlust machen

würden wenn sie immer callen. Somit haben wir Foldequity, die Gegner folden also und du gewinnst

das gesamte Deadmoney mit einmal. Auch bist du nicht Chancenlos wenn du gecallt wirst. Theoretisch

gewinnt auch 32o gegen AA in etwa 4 von 5 Fällen. Somit hast du die 2 wichtigen Punkte die den EV

deines Squeeze ermitteln bereits in der Hand: Die Foldequity und die Pot Equity.

 

Somit ergibt sich der EV eines Squeeze wie folgt:

 

FE = Foldequity

Pot = Pot vor unserem Squeeze

Equity = Anteil am Pot bei einem Call

Gesamtpot = Potgröße nach einem Call

Kosten = unser Gesamtstack den wir investieren

 

EV = FE * Pot + (1-FE) * (Equity * Gesamtpot - Kosten)

Wie gehst du nun genau vor?

Schätze ab wie oft Spieler 1 und 2 folden. Das ist deine Foldequity. Danach schätze ab, wie oft Spieler

1 callt und ermittle die Equity. Dasselbe machst du nun andersrum Spieler 1 foldet und Spieler 2 callt.

Danach bildest du entweder den Mittelwert und setzt ihn in die Formel ein oder du ergänzt die Formel um einen Term.

c1= Spieler 1 callt

c2= Spieler 2 callt

EV = FE * Pot + (c(Spieler1) * (Equity * Gesamtpot - Kosten) + (c2)* (Equity * Gesamtpot - Kosten)

Natürlich kommt noch der Fall dazu, dass beide callen aber das verlängert die Formel nur unnötig und die Berechnung ist sicher am Tisch in der Kürze der Zeit nicht durchführbar.  Darum soll diese Rundung ausreichen. Bei mehr als 2 Spielern müsstest du theoretisch einfach noch mehr Terme anhängen, für jeden Spieler genau einen.

Wie beim Reraisen ist es also eine Frage der gegnerischen Ranges, da ein Squeeze als SSSler sehr selten rein durch die Foldequity profitabel wird.

6.Spiel mit doppeltem Stack

Nachdem du verdoppelt hast verlässt du den Tisch nicht sofort sondern erst wenn du wieder den

Big Blind bezahlen müsstest. Bis dahin musst du natürlich die Chancen die dir der doppelte Stack bietet

aber auch die Gefahren die er birgt genau betrachten und nutzen bzw. vermeiden.

Im Folgenden soll dir gezeigt werden wie du das machen kannst. Dazu ein Paar Fragen die du dir sicherlich schon selber gestellt hast.

Welche Hände kannst du spielen?

Theoretisch alle Hände aus dem Chart. Solltest du dir im Postflopspiel unsicher sein so lasse unliebsame

Hände raus und arbeite an deinem Postflopspiel damit du die fehlenden Hände dazunehmen kannst.

Eine kleinere Änderung besteht aber: Mann kann Pocketpairs wie 77 oder 88 nach einigen Limpern auch limpen statt zu raisen.

Wie reagiere du auf ein Raise vor oder nach dir?

Genauso wie oben beschrieben. Nur das dein Stack größer ist und du veränderte Pot Odds hast.

Außerdem ist ein Reraise halt kein direkter Push sondern ein Raise. Aber die Equity und das Prinzip dahinter verändert sich nicht.

Das waren eigentlich schon alle wichtigen Punkte zum Spiel mit doppeltem Stack. Versuche dir durch Rechnungen wie du sie oben vorgefunden hast ein Gefühl dafür zu entwickeln. Aber ansonsten wird auch mit doppeltem Stack das Rad nicht neu erfunden.

Grundlagen des Semi-Bluffs

Wer ausschließlich den Erwartungswert seiner Karten in Kombination mit dem Board spielt, wird maximal in der Lage sein, schwache Gegner zu schlagen. Um sich aber an den Tischen zu bewähren und in den Limits aufzusteigen, gilt es mehr als nur die Hole Cards zu repräsentieren und zu verwerten. Der Semi-Bluff gehört somit in das Repertoire eines jeden guten Pokerspielers.

Bluff versus Semi-Bluff

Die allgemeine Bevölkerung unterliegt (gern) der fehlgeleiteten Annahme, dass Bluffs der Schlüssel zum Erfolg beim Poker sind. Beim Bluff gibt es keine Möglichkeit mehr, dass das eigene Blatt mit den folgenden Karten noch zur besten Hand werden kann. Fakt ist, dass man in nahezu jeder Situation bluffen kann, sofern man noch (genügend) Chips besitzt. Während beim „puren“ Bluff die Einschätzung des Chance/Risiko-Verhältnis und die damit verbundene Fold Equity relevant ist, sind die Bestandteile des Semi-Bluffs vielseitiger. Der Semi-Bluff ist eine Mischung zwischen Halbwahrheiten und einer glatten Lüge. Ziel ist es dabei, den oder die Gegner vor dem River zum Fold zu bewegen, ohne zu dem Zeitpunkt über die beste Hand zu verfügen. Bei einem Call besteht allerdings die Chance, dass sich das Blatt noch zur besten Hand verbessert. Ein einfaches Beispiel zur Veranschaulichung:

Preflop: Spieler A (Hero, Button) besitzt Ah Kh
3 Fold, Hero Raise, 1 Fold, Spieler B (BB Call)
Flop: Jh 7s 3c
BB Bet, Hero Call
Turn: 8h
BB Bet, Hero Raise

Unabhängig von den Karten des Spielers B besitzt Spieler A einen sehr starken Draw. Er verfügt über den Nutflushdraw und zwei Overcards zum Board. Das bedeutet, dass insgesamt 15 Outs zur Verfügung stehen:

  • 9 Outs zum Herz-Flush
  • 3 Outs für das „Ass“ als Overcard
  • 3 Outs für den „König“ als Overcard

Somit besteht sehr gutes Potential, auf dem River die beste Hand zu erhalten. Der Turn-Raise ist ein Semi-Bluff. Die Motivation des Turnraise von Spieler A lässt sich wie folgt beschreiben:

  1. Spieler B foldet seine Karten, weil er sich geschlagen sieht.
  2. Spieler B callt und ein Ass oder König fallen auf dem River und er wird (in den meisten Fällen) geschlagen.
  3. Spieler B callt und eine beliebige Herzkarte fällt auf dem River, was den Nutflush von Spieler A komplettiert, der damit einen größeren Pot gewinnt, als wenn er den Turn nur gecallt hätte.

Im Gegensatz zum puren Bluff hat ein Semi-Bluff die Möglichkeit, sich zur besten Hand zu entwickeln. Der Semi-Bluff nutzt die Unwissenheit über die Stärke der Hand zum eigenen Vorteil: Er stellt den Gegner vor eine schwierige Entscheidung!

 

 

Zugrunde liegende Überlegungen beim Semi-Bluff

Die Wahrscheinlichkeit der noch ausstehenden Karten ist die Grundlage des Semibluffs. Die Aussicht auf Verbesserung hängt von der Anzahl der vorhandenen Outs ab. Somit wird klar, dass ein Semi-Bluff auf dem Flop meist profitabler ist, als am Turn, da die Wahrscheinlichkeit bei noch zwei ausstehenden Karten höher ist, seine Hand zu optimieren. Dennoch darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass der Semi-Bluff ein aggressiver Spielzug ist, bei dem die Schwäche der eigenen Karten gegen die relative Schwäche des Gegners antritt. Entscheidend für die optimale Anwendung des Semi-Bluffs ist das Potential zur Verbesserung der Hand addiert mit der Foldequity des Gegners.

Die Foldequity gibt die prozentuale Wahrscheinlichkeit an, mit der der Gegner bereit ist, seine Hand wegzulegen. Dieser Faktor ist für die Anwendung des Semi-Bluffs enorm wichtig! Die Foldequity wird durch folgende Bestandteile bestimmt:

  • Position
    Spielt man in Position, ist man in der Lage eine höhere Fold-Equity bei seinen Gegnern zu erzeugen, da diese nur ungern einen großen Pot mit einer mittelstarken Hand out of Position spielen.
  • Größe des Pots im Verhältnis zum Reststack
    Die Aussicht, größere potenzielle Verluste in Kauf zu nehmen, erhöht die Fold Equity des Gegners, da dieser bei einem Call sich nicht sicher sein kann, den Showdown zu sehen ohne seinen ganzen Stack zu riskieren. Wer einen Semi-Bluff spielt, muss wissen, dass dieser in der Regel eine Equity < 50% gegen die gegnerische Handragen aufweist! Das bedeutet in erster Linie, dass der Verlust umso größer wird, wenn der Gegner callt und man selbst über einen großen Reststack im Verhältnis zu Potgröße verfügt.
  • Boardstruktur in Abhängigkeit zum Gegner
    Auf einem trockenen Board ist der Semibluff sehr profitabel, wenn die Gegner häufig folden. Fortgeschrittene Spieler erkennen, dass man nicht viele Hände auf einem solchen Board aggressiv spielen kann und versuchen, zu rebluffen oder ihre Hand in einen Bluffcatcher zu verwandeln. Notizen darüber, ob die Gegner bei draw-heavy Boards eher bereit sind zu folden oder in diesem Falle weniger tight downcallen, sind von großem Nutzen. Je schwerer man auf die zu realisierende Hand zu setzen ist, desto gewinnbringender werden die Outs sein (gilt insbesondere für No Limit Hold’em).
  • Weitere Spielbarkeit der Hand
    Es ist zu vermeiden, die eigene Hand durchschaubar darzustellen. Neben einer soliden Einschätzung der gegnerischen Handrange ist es wichtig, eine solide Anzahl relevanter Outs vorweisen zu können, damit im Falle der „richtigen“ Karte die eigene Hand sich nicht in das zweitbeste Blatt verwandelt.

Sinnvolle Semi-Bluff-Manöver bieten sich bei Draws, Bottom Pairs mit hohem Kicker oder High Cards auf einem zufälligen Board mit niedrigen Karten an, bei dem der Gegner keine Möglichkeit hat zu drawen.

Semi-Bluff im Heads-up

In Heads-up-Duellen ist es wesentlich leichter einen Semi-Bluff erfolgreich abzuschließen. Die Hand in Position zu spielen, verschafft einen klaren Vorteil den Pot aktiv zu bearbeiten, zu manipulieren und zu steuern – ideale Voraussetzungen für den Erfolg!

Einen Semi-Bluff mittels Check-Raise auf dem Flop out-of-Position durchzuführen, ist hingegen keine gute Idee, wenn man sich nicht vorher genau überlegt hat, auf welche Turnkarten man die Aggression fortsetzt. Der Gegenspieler wird mit einer akzeptablen made Hand zu oft bezahlen, um weitere Bluffbets einzufangen. Die Häufigkeit des Semi-Bluffs ist demzufolge gut zu wählen, um nicht zu oft in den Gegner hineinzubluffen oder den Turn mittels Check/Fold aufzugeben.

Erfolgreiche Semi-Bluff-Manöver im Heads-up lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Semi-Bluff aus Late Position

  • Wenn der Gegner auf dem Flop checkt, sofort bieten und bei erneuten Checken nochmals bieten.
  • Ein Gebot des Gegners auf dem Flop erhöhen und den Turn bieten, wenn dieser checkt.
  • Reraise Flop und Reraise Turn.

Semi-Bluff out of Position

  • Check-Call auf dem Flop, gefolgt von einem Check-Raise Turn.
  • Check-Call auf dem Flop und spiele den Turn an.
  • Ein Gebot des Gegners auf dem Flop erhöhen und den Turn direkt anspielen (Check-Raise Flop/Bet Turn).

Callingstations oder Maniacs erlauben keine so hohen Erfolgsaussichten in Bezug auf den Semi-Bluff. Außerdem ist in Online-Partien mit niedrigen Stakes das Manöver des Semibluffs nur bedingt profitabel einsetzbar. Die meisten Gegner sind nicht in der Lage, ihre Karten wegzulegen und das fortgeschrittene Manöver zu erkennen.

Semi-Bluff in Multiway-Pots

Der Semi-Bluff gegen mehrere Gegner ist in der Regel schädlich oder nutzlos. In einer Hand, in der mehr als zwei weitere Spieler verwickelt sind, tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass alle Gegner weglegen, gegen Null. Das Hauptrisiko ist aber, das aufmerksame und aggressive Gegner ein Reraise ansetzen und damit den Draw unprofitabel gestalten.

In 3-handed-Pots ist das Manöver ebenfalls nur sehr sparsam und vor allem gezielt anzuwenden. Wichtigste Voraussetzungen sind die late position und ein Read auf die Schwäche der Gegner. Erfahrene Spieler erkennen den Move und blockieren diese mit einer gezielten 3-Bet.

Sitzt man in einem 3-handed-Pot in der mittleren Position, gilt es äußerste Vorsicht walten zu lassen. In diese spezielle Situation gerät man zum Beispiel häufig, wenn man als Small Blind zwischen Button und Big Blind sitzt. Man hüte sich davor, in die Zange genommen zu werden! Ohne entsprechende Hand sitzt man schnell zwischen zwei ‚zankenden Streithähnen‘ und wünscht sich den Ring verlassen zu können.

Check-Raises aus früher Position als Semi-Bluff sind selten ein guter Spielzug in Multiway-Pots, da man zu viel in den Pot investiert und andere Spieler sich eventuell an den Pot gebunden fühlen, was diese zu einem Reraise animiere könnte. Der Semi-Bluff kann dann nicht mehr profitabel gespielt werden.

 

Zugrunde liegende Mathematik beim Semi-Bluff

Die mathematischen Hintergründe sind kompliziert, da die klassische EV-Berechnung nicht ausreichend ist. Die vorliegende Betrachtung bezieht sich auf Fixed Limit-Partien, da hier Faktoren wie zum Beispiel Dead Money oder die variable Betsize keine Rolle spielen, was das Verständnis etwas erleichtert. Primär muss die Frage beantwortet werden, ob ein Call besser als ein Raise ist. Dazu werden die nachfolgenden relevanten Kenngrößen benötigt:

PG = Potgröße vor der Setzrunde, Angabe in Big Bets

VB = Höhe des Einsatzes von Villain, bei einer Bet = 1

HB = Höhe des Einsatzes von Hero, bei einem Call = 1, bei einem Raise = 2

EQ = Die Equity von Hero gezählt in Outs. Ein Out entspricht ca. 2,2% Equity. Ein Flushdraw (8 Outs) ergibt eine Equity von ~ 18% beziehungsweise 0,18.

P(f) = Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner eine bessere Hand foldet.

Die Formel für den Erwartungswert des Calls lautet wie folgt (Dabei werden weder eine 3-Bet von Villain, noch die Implied Odds berücksichtigt!):

EV(Call) = (PG +VB + VB) * EQ - VB

Die Formel verdeutlicht „Gewinn * Gewinnwahrscheinlichkeit – Kosten“. Der Term in den Klammern entspricht der Potgröße nach Beendigung der Setzrunde und setzt sich aus dem „Pot zu Beginn der Setzrunde“ + „Einsatz des Gegners“ + „dem eigenen Call“ zusammen. Die Häufigkeit, mit der dieser Betrag gewonnen werden kann, ergibt sich aus dem Equitywert. Die Kosten hierfür entsprechen den Kosten des eigenen Calls, die demzufolge abgezogen werden müssen.

Auf dieser Grundlage kann der Erwartungswert des Raise ermittelt werden:

EV(Raise) = P(f) * (PG + VB) + (1 – P(F)) * ((PG + 2 * HB) * EQ – HB)

Die Formel ist deutlich komplexer, berücksichtigt aber ob der Gegner bezahlt oder wegwirft. Foldet der Gegner ist der gesamte Pot (PG + VB) der Gewinn. Den Betrag des eigenen Raise betrachten wir nicht als Gewinn.

Beim Call des Gegenspielers sind die Beträge vor der Setzrunde, der Bet, der eigene Raise und der Call im Pot: „Potgröße + 2 * Höhe des Einsatzes von Hero“. Wieder wird entsprechend der Equity gewonnen, die Kosten des Raise werden in HB festgehalten.

Die Antwort auf die Ausgangssituation: Ist der Raise besser ist als der Call, erhalten wir durch Gegenüberstellung unserer Formeln: EV(Raise) > EV(Call). Berücksichtigt man die festgesetzten Setzgrößen für Fixed Limit, ergibt sich daraus folgender Vergleich:

P(f) > (1 – 2 * EQ) / (PG + 3 – EQ * (PG + 4))

Eine Callingstation hat in unserer Formel den Wert P(f)=0 und ein Gegner, der immer foldet, den Wert P(f)=1. Gegen ersteren kann demzufolge nicht profitabel geblufft werden.

Wenden wir die Erkenntnisse auf das obige Einführungsbeispiel an. Zur Erinnerung der bisherige Handverlauf:

Preflop: Spieler A (Hero, Button) besitzt Ah Kh
3 Fold, Hero Raise, 1 Fold, Spieler B (BB Call)
Flop: Jh 7s 3c
BB Bet, Hero Call
Turn: 8h
BB Bet, Hero Raise

Die Potgröße PG auf dem Flop beträgt 4,5 Small Bets: Hero Raise (2 Small Bet) + Small Blind (0,5 Small Bet) + Big Blind Call (2 Small Bet). Auf dem Turn sind bei Fixed Limit-Partien Big Bets (=doppelter Small Bet) zu setzen, weswegen wir eine Potgröße von 3,25 Big Bets vor der Setzrunde erhalten: PG = 3,25. Mit 15 verbleibenden Outs haben wir eine Equity von ca. 34%. Auf unsere Formel angewendet ergibt das eine Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner die bessere Hand foldet:

P(f) = (1 – 2 * 0,34) / (3,25 + 3 – 0,34 * (3,25 + 4)) = 0,0845

Das bedeutet, dass der Gegner nur in 8% der Fälle eine bessere Hand weglegen muss, damit der Raise besser als der Call ist.

Das Verständnis zur Anwendung des Semi-Bluff-Konzepts ist von wesentlicher Bedeutung, da kaum jemand am Pokertisch in der Lage sein wird, diese Berechnungen durchzuführen.

Zusammenfassung

  • Der Semi-Bluff ist ein mächtiges Werkzeug! Sein primäres Ziel ist der direkte Gewinn der Hand, ohne chancenlos zu sein, falls dieses fehlschlägt.
  • Der Semi-Bluff kombiniert die Chance, die beste Hand bei noch ausstehenden Karten zu erhalten mit der Fold Equity des Gegenspielers.
  • Semi-Bluffs sind in ein wichtiges Manöver für erfolgreiches Spiel. Das gilt insbesondere für Shorthanded oder Heads-up-Tische.
  • Semi-Bluffs gegen Calling Stations oder Maniacs sind weniger profitabel.
  • Semi-Bluffs in Multiway-Pots sind sparsam und nur unter den günstigen Faktoren, wie Position und Read auf den Gegner einzusetzen.
  • Je kleiner der Pot im Verhältnis zum Reststack, desto höher die Implied Odds.

 

Pokerspieler:

Bis vor drei Jahren den meisten Spielern unbekannt, machte sich Alexander Kostritsyn durch seinen unerwarteten Sieg bei den Aussie Millions in einem großartigen Heads-up gegen die Ikone Erik Seidel einen Namen. Bis zum heutigen Tage hat er sich zu einem der erfolgreichsten russischen Pokerspieler etabliert.

Dabei begann seine Spielerkariere ganz ohne Karten: Als Jugendlicher spielte er – wie viele, die später Poker entdeckten - das Echtzeit-Strategiespiel Starcraft. Die dabei entstandenen Freundschaften brachten ihn zu dem Spiel das sein Leben nun bestimmen sollte. Seit Februar 2005 spielte er mit Freunden online. Um auf eine Bankroll von fünfzig Dollar bei PokerStars zu gelangen, legten er und seine Freunde zusammen. Gemeinsam setzten sie sich auch an die virtuellen Tische und verloren ihre komplette Bankroll.

Er gab nicht auf und wagte einen weiteren Versuch. Im festen Glauben an ihren Sohn gab ihm seine Mutter etwas Erspartes der Familie. Kostritsyn entschied sich dies für das Pokerspiel einzusetzen und startete mit einem Kapital von 150 Dollar. Dies begann er rasch zu vermehren. Vom Ehrgeiz gepackt, erspielte er sich eine solide Bankroll und konnte das Geld seiner Mutter zurückzahlen und mehr noch: von nun unterstützte er seine Familie finanziell.

Bis 2006 spielte er ausschließlich online. Danach gewann er ein paar lokale Pokerturniere. Bis ihm mit 21 Jahren der große Wurf gelang: der Sieg der Aussie Millions mit einem Gewinn von über 1,6 Millionen australischen Dollar. Nach einer Woche Turnierdauer konnte sich Kostritsyn in einem spannenden Heads-up-Finale gegen den achtfachen WSOP-Bracelet-Gewinner Erik Seidel durchsetzen.

Der fünfte Kontinent hatte es ihm angetan: Seinen nächsten großen Erfolg konnte Kostritsyn 2009 beim Aussie Millions H.O.R.S.E. feiern. Dabei sah es am Anfang gar nicht gut für ihn aus. Als Shortstack beendete er den ersten Spieltag. Doch beim Finale konnte er Größen wie Jeff Madsen und Chris Ferguson (der als Chipleader ins Finale ging) vom Tisch verweisen.

Unter dem Full-Tilt-Pseudonym „PostflopAction“ bestimmt Kostritsyn die letzten zwei Jahre die High Stakes-Szene. Er liegt mit einem Profit von insgesamt über einer Million US-Dollar unter den Top Gewinnern auf Full Tilt Poker. Zusätzlich hat er mehr als $2,8 Millionen bei Live-Turnieren gewonnen. Der bis jetzt letzte große Sieg gelang ihm beim PokerStars Caribbean NL High Roller gleich zu Beginn des Jahres.

Kostritsyn spielt am liebsten No Limit und orientiert sich stark an der europäischen und amerikanischen Pokerszene. Seine Gegner bezeichnen ihn als einen netten Jungen, der anderen Spielern auch mal sagt, wenn er ihre Karten sehen kann. Dennoch weiß er, dass es nichts zu verschenken gibt, weswegen er als aggressiver Spieler sein Handwerk versteht.

Trotz seiner Erfolge ist seine Leidenschaft aus Jugendzeiten für Starcraft geblieben. Bei Sportarten wie Volleyball, Tischtennis und Basketball entspannt der noch junge Russe und bekommt so den Kopf frei für den nächsten Turniermarathon. Seine kognitiven Fähigkeiten hält er mit Kreuzworträtsel aufrecht.

Der Lebensstandard seiner Eltern hat sich sehr zum Positiven verändert: ein neues Haus, ein neues Auto. Alexanders Intension „Geld zu verdienen“, die der Antrieb für das Pokerspiel war, hat sich damit erfüllt. Das seine Eltern und Freunde hinter ihm stehen und ihren Stolz präsentieren, ist ihm wichtiger als Ruhm. Auch wenn dieser - nach eigener Angabe - sehr viel Freude in sein Leben gebracht hat.

Erfolge (Quelle: thehendonmob.com, Januar 2020)

European Poker Tour

Die European Poker Tour (kurz: EPT) wird als Reihe von Turnieren ähnlich der World Series of Poker durchgeführt (hier Link zu Glossar-Beitrag WSOP einfügen). John Dutie, der sich bereits als Pokerspieler und TV-Produzent erfolgreich in Szene gesetzt hat, gilt als Erfinder der 2004 gestarteten Turnierserie, die seit dem jährlich Ihren Champion ermittelt. Die EPT gilt als die größte Turnierveranstaltung Europas (zuletzt über 3000 Teilnehmer, seit dem Start der Serie über 7000 Teilnehmer), über die weltweit im Fernsehen berichtet wird. Die Veranstaltungsorte sind sorgfältig ausgewählt und finden in bedeutenden Casinos der historischen Städte Europas statt – so zum Beispiel: Barcelona, London, Dublin, Kopenhagen oder Warschau. Im Jahr 2008 wird mit dem „PokerStars Caribbean Adventure“ erstmal eine Veranstaltung außerhalb der europäischen Ländereien stattfinden. Bei allen Veranstaltungen wird Texas Hold’em No Limit praktiziert und in allen Main-Events wird im Freeze-Out-Modus gespielt. Die offizielle Webseite http://www.europeanpokertour.com/ ist in vier Sprachen (englisch, französisch, spanisch, deutsch) verfügbar und demonstriert professionelles Design.

Der Online-Raum PokerStars.com steht in starkem Zusammenhang mit der EPT; da die Plattform die Turnierserie einerseits als Hauptsponsor bezuschusst, sowie andererseits Qualifikationsplätze im Internet ausspielt. So wurden in der vergangenen (dritten) Pokertour ca. 25% der Startplätze via Onlinespiel ermittelt. Die Turnierstruktur ist für alle Veranstaltungsorte (Ausnahme: Monte Carlo) identisch und wird in 3 Tagen und 26 Blind-Level durchgeführt. Am Finaltisch sitzen acht Teilnehmer – bei der WSOP besteht ein Finaltisch im Gegensatz dazu aus 6 Teilnehmern.

Ergebnisübersicht European Poker Tour

Saison Gesamt-teilnehmer-zahl davon PokerStars Online-Qualifikanten Gesamt-Preispool in € Gewinner Grand Final Gewinn-summe in €
2004-05 1.468 350 4.780.972 Rob Hollink 635.000
2005-06 2.009 363 9.824.000 Jeff Williams 900.000
2006-07 3.481 >700 19.643.189 Gavin Griffin 1.825.010

World Poker Tour

Die World Poker Tour (kurz: WPT) wird seit der Firmen-Gründung 2002 jährlich ausgetragen. Stephen Lipscomp, der mittlerweile Präsident der World Poker Tour Enterprises ist, strebt als Erfinder dieser Turnierserie ein ähnliches Modell wie die World Series of Poker (WSOP) an, setzt aber auf Online-Casinos, die auch primär als Hauptsponsor fungieren.

Analog zu den Turnieren der WSOP spielt jeder Spieler mit gleichem Anfangsstack über mehrere Tage um das Erreichen des Final Table. Der Final Table wird seit 2004 im Fernsehen übertragen und findet jedes Jahr im April im Bellagio statt. Nach dem Main Event der WSOP ist das Finale der WPT die weltweit zweitgrößte Pokerveranstaltung. Die offizielle Webseite http://www.worldpokertour.com/ bietet neben umfangreichem statistischem Material zu Spielern der WPT auch Informationen zum allgemeinen Poker. Phil Ivey und Scott Nguyen sind mit jeweils sieben Finalteilnahmen in dieser Hinsicht erfolgreichste Spieler.

Ergebnisübersicht World Poker Tour Championship Turnierserie

Jahr Gewinner Gewinnsumme in $ Zweitplazierter
2003 Alan Goehring 1.011.866 Kirill Gerasimov
2004 Martin de Knijff 2.728.356 Hasan Habib
2005 Tuan Le 2.856.150 Paul Maxfield
2006 Joe Bartholdi jr. 3.760.165 David Matthew
2007 Carlos Mortensen 3.970.415 Kirk Morrison

Jede Saison veranstaltet mehrere Events, bei der die sieben besten Spieler Punkt erhalten. Am Ende einer Saison erhält der Spieler mit den meisten Punkten den Titel „Spieler des Jahres“. Hier die bisherigen Titelträger:

Saison 2003:      Howard Lederer

Saison 2004:      Erick Lindgren

Saison 2005:      Daniel Negreanu

Saison 2006:      Gavin Smith

Saison 2007:      J.C. Tran

World Series of Poker

Jedes Jahr findet in Las Vegas eine Reihe von Pokerturniere unter dem Sammelbegriff „World Series of Poker“ (kurz: WSOP) statt. Die erste Veranstaltung dieser Art fand 1970 statt, bei der nur 7 Spieler vertreten waren und die den Weltmeister im Poker küren sollte. Ab diesem Moment wurde Geschichte geschrieben und die Entwicklung der „frühen Jahre“ nahm einen Verlauf, der die heutigen Ausmaße nicht vorhersehen konnte, da mittlerweile mehrere Tausend Spieler Jahr für Jahr um die ‚Krone des Poker‘ spielen.

Die Männer der ersten Stunde waren Benny Binion, der Besitzer des „Binion’s Horseshoe“ – die Lokalität wo die WSOP ihre Austragungsstätte fand -, Tom Moore und Vic Vickrey. Während Moore Teileigentümer des „Holiday Casinos“ in Reno war, präsentierte sich Vickrey als Visionär und war bekannt als Glücksspiel-Insider. Beide luden bereits 1969 Pokerliebhaber zur ersten und wie sich später herausstellte einzigen „Texas Gambler Reunion“ in Reno ein. Man spielte mehrere Tage Cash-Games um hohe Einsätze. Benny Binion war auch Teilnehmer dieser Veranstaltung und war inspiriert. Nachdem im darauffolgenden Jahr diese Zusammenkunft verpasst wurde, sah er die einmalige Gelegenheit zur Gründung einer eigenen Veranstaltung … Die offizielle Webseite http://www.worldseriesofpoker.com/ verkündet, dass die Handvoll Teilnehmer der Anfangsjahre wenig öffentliches Interesse erregte. Während der Sieger der ersten Veranstaltung 1970 noch von den Mitspielern gewählt wurde, entschied eine neue Regelung im darauffolgenden Jahr über die Ermittlung des Gewinners: Der Verlust aller Chips war gleichbedeutend mit dem Ausscheiden („Freeze Out“) aus dem Turnier. Dabei war ein Startgeld von 5000$ zu berappen. 1973 wurde mit CBS Sports zum ersten Mal das Fernsehen auf die Pokermeisterschaft aufmerksam und die Veranstaltung wurde um weitere Spielarten aufgestockt: Seven-Card Stud, Razz, Deuce-to-Seven Draw, sowie eine No Limit Hold’em-Veranstaltung mit geringerem Buy-In als der Main-Event.

1982 konnte man das erste Mal die magische Grenze von 100 Teilnehmern überschreiten, was aber auch damit zusammenhängt, dass zum einen das Angebot auf 11 Veranstaltungen hochgestuft wurde und eine Gewinnerin in der „Ladies World Series of Poker“ ermittelt wurde. Der Gewinner des Main-Event, der mittlerweile ein Buy-In von 10.000$ zu bezahlen hatte, prägte der Gewinner des Main Events (Jack Straus) den Satz: „A chip an a chair is all you need“, da er zwischenzeitlich nur mit einem 500$-Chip im Turnier verblieben war. Während in den 90ern die Entwicklung der Turnierserie stagnierte, was auch an den gleichbleibenden Preisgeldern abzulesen war, explodierte der bis heute anhaltende Pokerboom, der für weltweit mediales Echo sorgte und Poker aus den Hinterzimmern hervorlockte im Jahre 2003 durch den Sieg von Chris Moneymaker. [eventuell: Link oder Hinweis auf Moneymaker-Biographie]

Die Turniere fanden von 1970 bis 2004 im Hotel und Casino Binion's Horseshoe statt, bevor selbige Location wegen zwielichtigen Bilanzen die Location entzogen und kurz darauf geschlossen wurde. Die erste WSOP 1970 fand dabei in einer Nische statt, die die Größe eines gewöhnlichen Hotelzimmers hatte, da das Casino nicht über einen Pokerraum verfügte. Im Jahr 2005 fand nur das Finale des Main Event zu Ehren der 35-jährigen Geschichte der WSOP im „Binion’s Horseshoe“ statt, da der neue Austragungsort, dass „Rio All-Suite Hotel and Casino“ ist. Der erfolgreichste Spieler ist Phil Hellmuth, der bereits 11 Bracelets als sein Eigentum bezeichnen kann, das bisher höchste Siegergeld wurde 2006 im Main-Event mit 12 Millionen US-Dollar an Jamie Gold ausgezahlt.

Ergebnisübersicht der Hauptturniere der World Series of Poker

Jahr Sieger / Gewinnhand Zweiter / Verlusthand Preis ($) Teilnehmer
1970 Johnny Moss (durch die Teilnehmer gewählt) k. A. k. A. 7
1971 Johnny Moss Walter Pearson 30.000 6
1972 Thomas Preston Walter Pearson 80.000 8
1973 Walter Pearson A♠ 7♠ Johnny Moss K♥ J♠ 130.000 13
1974 Johnny Moss Crandall Addington 160.000 16
1975 Brian Roberts 9♠ 9♥ Bob Hooks A♣ K♦ 210.000 21
1976 Doyle Brunson 10♠ 2♠ Jesse Alto A♠ J♦ 220.000 22
1977 Doyle Brunson 10♠ 2♥ Gary Berland 8♥ 5♣ 340.000 34
1978 Bobby Baldwin Q♦ Q♣ Bobby Baldwin Q♦ Q♣ 210.000 42
1979 Hal Fowler 7♠ 6♦ Hal Fowler 7♠ 6♦ 270.000 54
1980 Stu Ungar 5♠ 4♠ Doyle Brunson A♥ 7♠ 385.000 73
1981 Stu Ungar A♥ Q♥ Perry Green 10♠ 9♦ 375.000 75
1982 Jack Straus A♥ 10♠ Dewey Tomko A♦ 4♦ 520.000 104
1983 Tom McEvoy Q♦ Q♠ Rod Peate K♦ J♦ 540.000 108
1984 Jack Keller 10♥ 10♠ Byron Wolford 6♥ 4♥ 660.000 132
1985 Bill Smith 3♠ 3♥ T. J. Cloutier A♦ 3♣ 700.000 140
1986 Berry Johnston A♠ 10♥ Mike Harthcock A♦ 8♦ 570.000 141
1987 Johnny Chan A♠ 9♣ Frank Henderson 4♦ 4♣ 625.000 152
1988 Johnny Chan J♣ 9♣ Erik Seidel Q♣ 7♥ 700.000 167
1989 Phil Hellmuth 9♠ 9♣ Johnny Chan A♠ 7♠ 755.000 178
1990 Mansour Matloubi 6♥ 6♠ Hans Lund 4♦ 4♣ 895.000 194
1991 Brad Daugherty K♠ J♠ Don Holt 7♥ 3♥ 1.000.000 215
1992 Hamid Dastmalchi 8♥ 4♣ Tom Jacobs J♦ 7♠ 1.000.000 201
1993 Jim Bechtel J♣ 6♥ Glenn Cozen 7♠ 4♦ 1.000.000 220
1994 Russ Hamilton K♠ 8♥ Hugh Vincent 8♣ 5♥ 1.000.000 268
1995 Dan Harrington 9♦ 8♦ Dan Harrington 9♦ 8♦ 1.000.000 273
1996 Huck Seed 9♦ 8♦ Bruce Van Horn K♣ 8♣ 1.000.000 295
1997 Stu Ungar A♥ 4♣ John Strzemp A♠ 8♣ 1.000.000 312
1998 Scotty Nguyen J♦ 9♣ Kevin McBride Q♥ 10♥ 1.000.000 350
1999 Noel Furlong 5♣ 5♦ Alan Goehring 6♥ 6♣ 1.000.000 393
2000 Chris Ferguson A♠ 9♣ T. J. Cloutier A♦ Q♣ 1.500.000 512
2001 Carlos Mortensen K♣ Q♣ Dewey Tomko A♠ A♥ 1.500.000 613
2002 Robert Varkonyi Q♦ 10♠ Julian Gardner J♣ 8♣ 2.000.000 631
2003 Chris Moneymaker 5♦ 4♠ Sam Farha J♥ 10♦ 2.500.000 839
2004 Greg Raymer 8♠ 8♦ David Williams A♥ 4♠ 5.000.000 2.576
2005 Joe Hachem 7♣ 3♠ Steve Dannenmann A♦ 3♣ 7.500.000 5.619
2006 Jamie Gold Q♠ 9♣ Paul Wasicka 10♥ 10♠ 12.000.000 8.773
2007 Jerry Yang 8♣ 8♦ Tuan Lam A♦ Q♦ 8.250.000 6.358