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Preisfehler im Onlinehandel: Warum Kunden manchmal doch etwas geschenkt bekommen

„Nobody is perfect!“. Dieses Sprichwort gilt auch für Händler, die im Internet ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten. Oftmals finden sich Tippfehler in den Beschreibungen der Produktmerkmale, in manchen Fällen erscheint der Fehlerteufel allerdings just in jenem Moment, in dem der Preis eingegeben wird. Genau davon können findige Konsumenten profitieren, wenn sie diese Preisfehler ausnutzen.

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Worum handelt es sich genau bei einem Preisfehler?

Preisfehler sind eigentlich keine echten Angebote. Denn bei einer guten Qualitätskontrolle des Online-Shops dürfte es sie gar nicht geben. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass sich jemand bei der Preiseingabe vertippt und das niemandem auffällt. Ein Fehler, der beispielsweise sehr häufig vorkommt, ist ein falsch gesetztes Komma. Aus 199 Euro kann bei solch einem Fehler schnell 1,99 Euro werden.

Durch die Fehler bei der Eingabe passiert es, dass die unterschiedlichsten Produkte zu einem viel zu niedrigen Preis angeboten werden. Wer solch ein ungewolltes Schnäppchen entdeckt, sollte in der Regel schnell handeln und seine Bestellung unmittelbar durchführen. Denn in den meisten Fällen entdecken die Händler innerhalb sehr kurzer Zeit ihren Fehler und korrigieren diesen umgehend.

Ob es moralisch in Ordnung ist, diese Falscheingaben auszunutzen, muss letztendlich jeder Konsument für sich selbst entscheiden. Zu bedenken dabei ist jedoch, dass Unternehmer in manchen Fällen auch nicht zimperlich sind, wenn es darum geht, Konsumenten abzuzocken – genauso wie Banken einen unstillbaren Hunger auf unsere Daten haben, der auch nicht immer zulässig ist.

Wie ist es möglich, die Preisfehler aufzustöbern?

Die gute Nachricht: Es ist nicht erforderlich, sich jeden Tag den Wecker für vier Uhr am Morgen zu stellen und dann die ersten Stunden des Tages damit zu verbringen, zahllose Online-Shops nach entsprechenden Fehlern abzusuchen. Diese Arbeit nehmen einem in der Regel Schnäppchenportale wie beispielsweise „Mein Deal“ ab, die die Preisfehler übersichtlich zusammengefasst in einer Rubrik auf ihrer Webseite präsentieren. Dort finden sich täglich neu recherchierte Preisfehler, die von den Interessenten kostenlos eingesehen werden können.

Für die bessere Übersicht sind die Preisfehler nach unterschiedlichen Kategorien von A-Z unterteilt, denn die Preisfehler reduzieren sich logischerweise nicht nur auf eine bestimmte Branche, sondern kommen in regelmäßigen Abständen so gut wie überall vor. So ist es möglich, ein hochwertiges Produkt wie beispielsweise aus den Bereichen Mode, Unterhaltungselektronik, Kleidung, Lebensmittel oder sogar Urlaubsreisen zu einem sagenhaft günstigen Preis zu erwerben.

Welche Chancen und Risiken gibt es bei Preisfehlern?

Im ersten Moment sorgen die Preisfehler bei Konsumenten für leuchtende Augen. Das ist klar, denn man kann sein Glück kaum fassen, wenn man Produkte, die normalerweise nie im Angebot sind, zu einem Preis im Internet findet, der eventuell sogar unter dem Einkaufspreis liegt.

Wichtig: Die Schwierigkeit dabei ist jedoch, dass sich diese Einkäufe nicht koordinieren lassen. Da es sich dabei um menschliche Fehler handelt, ist der Einkauf niemals planbar, sondern immer nur eine unerwartete Gelegenheit. Ebenso besteht die Gefahr, dass die Einkäufe von den Online-Händlern einfach storniert werden. Genau deshalb lohnt es sich, auch einen Blick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu werfen.

Welche Preisfehler gab es in der jüngeren Vergangenheit?

Neue Preisfehler gibt es nahezu täglich. Nicht alle davon sind immer spektakulär, dennoch lässt sich damit in der Regel viel Geld sparen. Der Fehler mit der größten Auswirkung in der letzten Zeit passierte bei einem Gewächshaus, das für kurze Zeit für nur 44,89 Euro statt dem sonst üblichen Preis von 3.499 Euro angeboten wurde.

Eine Zeit lang war ein Laser-Multifunktionsdrucker für knapp unter 600 Euro statt 2.459 Euro erhältlich. Darüber hinaus gab es hier sogar noch einen ARAL-Gutschein für alle Käufer im Wert von 80 Euro. Eine 12er-Kiste ausgezeichneten italienischen Rotweins wurde in einem deutschen Wein-Shop für kurze Zeit für nur 9 Euro angeboten, also gerade mal 75 Cent pro Flasche. Der reguläre Flaschenpreis, der in der Zwischenzeit wieder im Online-Shop aufscheint, liegt hier bei knapp 10 Euro.

Müssen Händler die Ware bei einem Preisfehler ausliefern?

Damit in Deutschland ein Geschäft abgewickelt werden kann, ist das Zustandekommen eines Kaufvertrages erforderlich. Dieser besteht in der Regel aus einer übereinstimmenden Willenserklärung von Käufer und Verkäufer, ein bestimmtes Geschäft zu tätigen.

Wer in einem Online-Shop ein Produkt mit einem Preisfehler bestellt, bekommt in der Regel unmittelbar nach dem Einkauf eine Bestätigungsmail in sein E-Mail-Postfach geschickt. Ein Jubel über ein Zustandekommen des Kaufvertrags ist in diesem Fall aber zu früh. Denn diese maschinelle Systemmitteilung ist dafür nicht ausreichend. Dazu bedarf es einer weiteren Benachrichtigung, in der der Händler den Verkauf bestätigt und darüber hinaus die Lieferung explizit zusagt. Ab diesem Zeitpunkt ist der Kaufvertrag rechtsgültig und Käufer können auf die Auslieferung der Ware bestehen.

Das ist allerdings nur der Fall, wenn die Online-Händler ihre AGBs entsprechend gestaltet haben. Diese sind in den meisten Fällen so verfasst, dass die Bestellung des Kunden im Online-Shop lediglich eine Angebotsaufforderung darstellt. Das heißt, als Käufer hat man hier bloß seinen Willen bekundet, dass man ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung kaufen möchte. Der Verkäufer kann nun darauf mit einer Versandbestätigung reagieren, um den Vertrag abzuschließen oder aber auch der Willensbekundung des Konsumenten einfach nicht nachkommen und den Auftrag stornieren.

Können Händler die Bestellungen trotz gültigen Kaufvertrages noch stornieren?

Händler haben die Möglichkeit, den Vertrag wegen Irrtums anzufechten. Die genauen gesetzlichen Bestimmungen dazu finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 119 BGB). Rechtlich gesehen ist diese Anfechtung zwar kein Storno, in der Praxis bedeutet sie aber für den Konsumenten genau das Gleiche: Er bekommt einfach seine bestellten Produkte nicht zu dem angegebenen Preis geliefert.

Die Stornierung selbst ist gesetzlich nicht so genau geregelt. Hier kommt es immer auf die jeweiligen Vertragsbedingungen an, unter denen das Geschäft zustande gekommen ist. Grundsätzlich ist in solchen Fällen allerdings auch seitens der Konsumenten Verständnis angebracht. Schließlich handelt es sich dabei um einen menschlichen Fehler, der vom Händler erkannt und korrigiert wurde. In solchen Fällen weiterhin auf sein Recht zu pochen, ist deshalb nicht angebracht.


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