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Provision 24: wie Vergleichs- und Schnäppchenportale arbeiten

Schnäppchenportale

Vergleichsportale im Internet sind eine beliebte Anlaufstelle, um Preise, Anbieter und Tarife miteinander zu vergleichen. Die unzähligen Plattformen versprechen Ersparnisse in vielen Bereichen und werben mit Transparenz. Allerdings steckt hinter diesem Geschäftsmodell primär ein wirtschaftliches Interesse. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, sollte aber zur Vorsicht bei Preisvergleichen führen.

Vergleichsportale sind beliebt – nicht ohne Grund

Alle relevanten Anbieter samt Preis und Leistung auf einen Überblick ist das Hauptargument, warum die Vergleichsplattformen im Internet sich so großer Beliebtheit erfreuen. Egal ob auf der Suche nach Flugtickets, einem Stromanbieter oder einem neuen Handytarif – die Jagd nach dem besten Angebot treibt sehr viele Nutzer auf ein oder gleich mehrere Vergleichsportale.

Auf der einen Seite liefern sie in Windeseile einen hilfreichen Überblick der Marktsituation, auf der anderen Seite bleibt das Zustandekommen der angezeigten Ergebnisse intransparent. Laut einer Umfrage unter 1.200 Personen nutzen mittlerweile 83 Prozent der Österreicher die Möglichkeit, im Netz die unterschiedlichen Anbieter zu vergleichen.

Bürger im Alter von 30 bis 40 Jahren sind sogar mit 90 Prozent beziffert. In anderen Ländern wie Deutschland sieht es ähnlich aus. Rund 70 Prozent der Deutschen sind regelmäßig auf Vergleichsportalen unterwegs. Dabei werden über 100 unterschiedliche Plattformen genutzt. Der Hessische Rundfunk (HR) attestiert den Vergleichsportalen einen Jahresumsatz von fast 4 Milliarden Euro.

Die Branchenführer wie Check24 oder Verivox haben über die Zeit mit Hilfe ihrer Marktmacht eine riesige Reichweite erzielen können. Das Geschäftsmodell ist dabei simpel wie genial, da jeder Verbraucher vor Investitionen oder vertraglichen Abschlüssen das vermeintlich beste Angebot herauskristallisieren möchte.

Die Vergleichsportalen ermöglichen es, sich zunächst ein wenig über die Marktlage zu informieren – ganz ungebunden und kostenlos. Trotzdem wird eine Menge Geld umgesetzt. Aber wie passt dies zusammen?

Massiver Umsatz durch Provisionen

Woher kommt also der Umsatz, wenn vermeintlich alles kostenlos ist? Denn die Anbieter der Vergleichsplattformen sehen sich selbst in erster Linie als Mittler, die Verbraucher lediglich zum besten Schnäppchen oder Angebot führen. Doch dahinter verbirgt sich eine geschäftliche Struktur, deren Haupteinnahmequelle auf Provisionen von Unternehmen beruht. Die Dienste dieser Unternehmen werden dementsprechend auf den Portalen vermittelt.

Schließen Verbraucher einen Handytarif ab oder buchen einen Flug, entlohnen die davon profitierenden Unternehmen die Plattformen für den erfolgreichen Vertragsabschluss. Diese Provisionen machen branchenübergreifend 90 Prozent der Einnahmen für die Anbieter der Plattformen aus.

Wichtig: Obwohl mit Transparenz geworben wird, ist vielen Verbrauchern dieses Geschäftsmodell nicht bekannt. Die Verbraucherzentrale aus Deutschland kritisiert, dass solche wichtigen Angaben nicht offen kommuniziert werden und nur im Kleingedruckten aufgeführt werden.

Sparen trotz Provision trotzdem möglich

Allerdings arbeiten nicht alle nach diesem Muster. Die meisten Plattformen kassieren zwar Provisionen über Affiliate-Verlinkungen, aber verweisen unter anderem auch auf kurzfristige Lockangebote bei Online-Shops, reduzierte Artikel bei Baumärkten oder Preisfehler.

Die Plattform Mein Deal zum Beispiel bietet seinen Nutzern sogar einen Schnäppchen Chat, über den sich Schnäppchenjäger austauschen und informieren können. Auch wenn die meisten Plattformen kommerziell betrieben werden und auf einen Umsatz aus sind, gibt es eine breite Skala in der Art und Weise, wie das wirtschaftliche Interesse umgesetzt wird.

„Unser Geschäftsmodell basiert auf Transparenz und gegenseitigem Vertrauen“, erklärt Ralph Schomaeker-Möller, Geschäftsführer der Schnäppchen-Community Mein Deal. „Wir sind seit 2009 online und unser stetiges Wachstum zeigt eindeutig, dass Kommerz und Nutzerfreundlichkeit miteinander vereinbar sind“.

Größe des Marktüberblicks

Manche Vergleichsportale liefern mit ihrer unklaren Umsetzung des Geschäftsmodell noch einen weiteren Kritikpunkt, da in ihren Suchergebnissen zuweilen nicht einmal die Hälfte aller tatsächlichen Angebote in einer Branche abgedeckt werden.

Das Bundeskartellamt wollte diesbezüglich Klarheit in die Diskussion bringen und startete 2017 eine sogenannte Sektoruntersuchung. Laut Untersuchungsergebnis können sich Verbraucher nicht darauf verlassen, das tatsächlich beste Angebot zu bekommen.

Portalübergreifend kommen überhaupt nur provisionszahlende Anbieter in die Rankings, so dass andere Unternehmen mit ihren Angeboten gar nicht bei den Suchergebnissen erscheinen. Die Marktabdeckung liegt gerade einmal bei 25 bis 50 Prozent.

Verbraucherschützer raten daher zur Achtsamkeit. Jeder Verbraucher müsse sich bewusst sein, dass viele Vergleichsportale durch ihre Profitorientierung nichts als neutrale Instanz gelten können. Prüfende Blicke auf Angebot und Anbieter seien daher ein Muss. Auch ein Klick ins Impressum der einzelnen Plattformen offenbart einige Details, die sonst im Verborgenen bleiben würden.

Sektoruntersuchung zeigt Missstände auf

Die deutsche Wettbewerbsbehörde hatte in ihrer Sektoruntersuchung insgesamt 36 Vergleichsportale für die Branchen Reisen, Energie, Versicherungen, Telekommunikation und Finanzen genauer unter die Lupe genommen.

Ähnlich wie bei den Hotels wurden auch bei den Versicherungen teilweise wichtige Anbieter nicht in den Vergleich einbezogen. Dadurch konnten die Plattformen ihren kommunizierten Anspruch der Neutralität nicht gerecht werden.

Beim Vergleich von Energie- und Telekommunikationstarifen rankten viele Portale einzelne Angebote abseits des eigentlichen Anzeigeverfahrens auf der sogenannten Position 0. Dafür erhielten die Plattformen teilweise Zahlung von den einzelnen Anbietern. Die Verbraucher wurden nicht darüber in Kenntnis gesetzt, dass es sich um Werbung in Form einer Anzeige handelt.

Einige Vergleichsportale greifen sogar auf psychologische Kniffe zurück und attestierten einzelnen Angeboten eine angebliche Knappheit oder Exklusivität, die vielleicht gar nicht existiert. Dadurch werden Verbraucher unterbewusst unter Druck gesetzt.

Art der Kommunikation

In diesem ganzen Zusammenhang bleibt die Art der Onlinekommunikation von einzelnen Vergleichsportalen fraglich. Die versprochenen Werte von Neutralität und Transparenz, die in Werbungen oder Anzeigen kommuniziert werden, bleibt zuweilen völlig aus.

Das vermeintlich beste Angebot kann von Verbrauchern nicht gefunden werden, wenn die Suchergebnisse nach Höhe der Provision sortiert sind und manche Angebote überhaupt nicht aufgelistet sind.

Viele wichtige Informationen bleiben sogar ganz verborgen oder sind nur mühsames und beständiges Durchklicken auffindbar. Diese Anbieter der Portale wissen natürlich, dass die meisten Nutzer diesen Aufwand nicht betreiben. Aufgrund dieser Tatsache kann nicht von einem neutralen und transparenten Vergleich unterschiedlicher Unternehmen gesprochen werden. Nichtsdestotrotz sprechen die Umsatzzahlen und die Reichweite eine eindeutige Sprache.

Es liegt letztlich an den Verbrauchern selbst, von ihrem Recht an einem fairen Wettbewerb und durchsichtigen Markt Gebrauch zu machen. Denn auf langfristige Sicht könnten einzelne Vergleichsportale mit ihren unklaren Geschäftsmodellen das Vertrauen ihrer Nutzer verlieren und im Umkehrschluss ihre Marktposition aufs Spiel setzen.

Die kritische Situation ist auch der Gesetzgebung nicht entgangen. Auf EU-Ebene gibt es intensive Verhandlungen für eine europäische Richtlinie im Umgang mit Vergleichsportalen. Diese sollen Unternehmen besser schützen, wenn sie auf Online-Portalen ihre Waren oder Dienstleistungen anbieten. Diese Unternehmung ist Teil der EU-Strategie für einen digitalen Binnenmarkt.


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