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Trennung mit Kind: Wie gehe ich vor?

Die meisten von uns haben ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn es um den Begriff “Familie” geht. Zwei Elternteile und eines oder auch mehrere Kinder ergeben den in unseren Augen Idealzustand eines familiären Zusammenlebens. Unter dieser Prämisse bauen wir häufig unsere komplette Zukunftsplanung auf und streben nach genau diesem Bild. In den allermeisten Fällen ergibt sich früher oder später tatsächlich auch eine solche Konstellation, was uns glücklich und zufrieden macht. Es kommt allerdings auch immer mal wieder vor, dass dieses perfekte Konstrukt Risse bekommt, die irgendwann nicht mehr zu kitten sind.

Das liegt in aller Regel daran, dass sich die zwischenmenschliche Komponente zwischen beiden Elternteilen im Laufe der Jahre zuweilen derart verändert, dass eine Trennung unausweichlich wird. Gestalten sich diese Erkenntnis und die daraus resultierenden Maßnahmen bereits bei kinderlosen Paaren oftmals überaus emotional, so wird die ganze Situation ungleich komplizierter, wenn gemeinsame Kinder im Spiel sind, die nicht selten als Zankapfel zwischen den beiden Parteien am meisten unter der Trennung leiden. Aber wie lässt sich eine Trennung mit Kind möglichst schonend und effektiv bewältigen? Das verraten wir dir in diesem Artikel. 

Merke: Niemals ist das Kind schuld!

Leider bringen viele Trennungen einen derartigen Unmut mit sich, dass böses Blut zu regelrechten Schlammschlachten führt und keine Gelegenheit ausgelassen wird, um dem Ex-Partner noch einmal einen kleinen oder auch großen Nadelstich zu versetzen. Ein solcher Rosenkrieg ist jedoch weder sinnvoll noch zielführend. Ganz im Gegenteil; er ist sogar schädlich, nämlich insbesondere für die Person, die ohnehin schon am meisten unter der Trennung leiden wird, ohne überhaupt auch nur die geringste Schuld daran zu tragen - nämlich dem Kind.

Auf dem Rücken deines bzw. eures Juniors Kämpfe über persönliche Eitelkeiten und verletzte Egos auszutragen, ist das Schlimmste, was ihr euren Kleinen antun könnt. Was immer auch zwischen dir und deinem Partner vorgefallen ist, das letztlich zu dieser Trennung geführt hat, ist und bleibt eine Sache zwischen dir und deinem Ex-Partner. Euer gemeinsames Kind hat damit rein gar nichts zu tun. Ein wichtiger Punkt, den viele Paare bei einer Trennung im Zuge bitterböser Grabenkämpfe leider immer wieder übersehen, weil sie sich derart in diesen Konflikt hineinsteigern, dass sie dem Ziel, dem Ex-Partner eins auszuwischen, alles andere unterordnen, ohne es zu bemerken. Eine gefährliche Entwicklung; insbesondere für das Kind.

Bleib sachlich und zielorientiert

Sobald die erste Wut, Enttäuschung und Trauer verraucht sind, ist es unerlässlich, dass du dich mit deinem Ex-Partner an einen Tisch setzt, um zu beratschlagen, wie ihr künftig gemeinsam der Kinderbetreuung nachkommen wollt. Eine Trennung ist stets mit jeder Menge Emotionen verbunden, das ist vollkommen normal und nachvollziehbar. Für dich und deinen Ex-Partner ist es nun aber von enormer Wichtigkeit, euch wieder darauf zu besinnen, was ihr, außer einem ehemaligen Liebespaar ebenfalls ward und vor allem noch immer seid - nämlich Eltern. Du hast, ebenso wie dein ehemaliger Partner bzw. deine ehemalige Partnerin, eine Verantwortung gegenüber eurem gemeinsamen Kind, welcher du bzw. ihr nachkommen müsst. Schließlich endet diese Verantwortung nicht mit eurer Trennung.

Du bist nach wie vor die Mutter bzw. der Vater eures Kindes und wirst es immer bleiben und ob euch das passt oder nicht; der Nachwuchs wird euch immer auf eine bestimmte Weise miteinander verbinden. Persönliche Befindlichkeiten im Zusammenhang mit der Trennung müsst ihr zum Wohl eures Kindes hinten anstellen – das seid ihr ihm schlichtweg schuldig. Mach dir klar, dass sich die Welt nicht nur um euch dreht und Egoismus an dieser Stelle völlig fehl am Platz wäre.

Diese Erkenntnis und die Fähigkeit, euch an einen Tisch zu setzen, und GEMEINSAM nach Lösungen zu suchen, wie ihr beide eurer Verantwortung für das gemeinsame Kind nachkommen könnt, ist ein wesentlicher Bestandteil eines persönlichen Reifeprozesses und macht dich bzw. euch zu guten und verantwortungsvollen Eltern.

Der Aufenthalt

Im Zuge dieser Überlegungen ist es zunächst einmal notwendig, dich mit deinem Ex-Partner über den Aufenthalt zu einigen. Nicht wenige getrennte Eltern gehen dazu über, sich 14-tägig zu gleichen Teilen abzuwechseln. Das bedeutet, dass das Kind 14 Tage bei dir wohnen würde und 14 Tage beim anderen Elternteil. Von zahlreichen Psychologen wird dieses Modell jedoch als schädlich für das Kind erachtet, da es mit dieser Methode keinen festen Lebensmittelpunkt hat. Schließlich pendelt es laufend zwischen dir und deinem Ex hin und her.

Sehr viel geläufiger ist das Prinzip eines festen Wohnsitzes, bei dem das Kind den Großteil der Zeit verbringt und regelmäßigen Zeiträumen, in denen der oder die Kleine beim anderen Elternteil lebt. So hat sich beispielsweise das Wochenendmodell etabliert, bei dem der Junior das Wochenende zumeist bei dem Elternteil verbringt, bei dem es nicht fest wohnt.

Letztlich gibt es allerlei Möglichkeiten, die natürlich immer von jeder Menge Faktoren wie den Arbeitszeiten beider Elternteile abhängen. Wichtig dabei ist, dass du dich überhaupt erstmal mit deinem Partner gemeinsam an einen Tisch setzt, um euch über das für das Kind beste Modell zu einigen. 

Ein zweiter Papa bzw. eine zweite Mama

Einer der elementaren Punkte im Zuge einer Trennung ist, dass du dir darüber klar werden musst, dass dein Ex-Partner nun keineswegs in einem Kloster das Zölibat leben wird. Im Klartext bedeutet dieser Punkt, dass sich dein Ex womöglich bald wieder auf Partnersuche begibt. Im Zuge dieser Bemühungen solltest du es als sehr wahrscheinlich ansehen, dass sich für deinen ehemaligen Partner über kurz oder lang eine neue Beziehung ergeben wird. Daraus resultiert oftmals ein besonders großes Problem für das eigene Ego.

In Abhängigkeit des Alters deines Kindes kann es also durchaus passieren, dass der oder die Kleine den neuen Partner irgendwann genauso nennt, wie du immer genannt worden bist - Papa bzw. Mama. Natürlich bist du der Ansicht, dass nur dir dieser “Titel” zusteht, jedoch solltest du dich mit der Tatsache abfinden, dass sich auch der neue Partner derart rührend und verantwortungsvoll um dein Kind kümmert, wie du es getan hast und sich den Begriff “Papa” oder eben “Mama” somit redlich verdient. Wenn du also zum ersten Mal mitbekommst, dass dein Kind den neuen Partner beispielsweise “Papa” nennt, mag sich das für dich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlen. Mach dir in diesem Kontext allerdings zwei Sachen klar.

Einerseits wertet es deine Stellung keineswegs ab, wenn dein Kind den neuen Freund der Mama irgendwann AUCH “Papa” nennt. Das Wörtchen “auch” ist hierbei nämlich von großer Bedeutung, denn für dein Kind ist es keine entweder-oder-Frage. Das bedeutet, dass es deine Stellung als “Papa” keineswegs schmälert, wenn dein Kind auch den neuen Partner so nennt. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Du bist nach wie vor trotzdem noch der Papa und Erzeuger deines Kindes. Solange du dich entsprechend um deinen Nachwuchs kümmerst.

Denn im Gegensatz zum Titel des Erzeugers hast du den Anspruch, “Papa” genannt zu werden, nicht automatisch auf Lebenszeit. Wenn du also beispielsweise Jahrelang kaum etwas von dir hören lässt und dich nicht adäquat um das Kind kümmerst, darfst du dich nicht wundern, wenn dich dein Kind irgendwann eben nicht mehr “Papa” nennt, sondern dich mit deinem Vornamen anspricht. Eine wahrlich schmerzvolle Erfahrung, der du jedoch entgegenwirken kannst, indem du dich um dein Kind so kümmerst, wie es ihm gebührt. Das Gleiche gilt im umgekehrten Fall natürlich auch für den “Mama”-Titel.

Der zweite Punkt, dem du dir in diesem Zusammenhang bewusst werden solltest, ist die Tatsache, dass du es als untrügliches Zeichen dafür ansehen darfst, dass es deinem Kind zuhause gut geht und es sich vom neuen Partner deines/deiner Ex geliebt und gut behandelt fühlt. Den “Papa”- oder “Mama”-Titel muss man sich als neuer Partner schließlich erst einmal erarbeiten und wenn das Kind den neuen Elternteil das erste Mal auf diese Weise anspricht, wirkt das wie ein Ritterschlag. Gräm dich also nicht, wenn du mitbekommst, dass dein Kind den neuen Partner so nennt. Vielmehr sollte dich diese Tatsache beruhigen und dir zeigen, dass es deinem Kind mit dem neuen Elternteil gut geht.

Das leidige Geld

Immer wieder sieht und hört man von getrennten Partnern, dass wahre Schlammschlachten losgetreten werden, sobald es um das liebe Geld geht. Insbesondere der Unterhalt, den der Elternteil bekommt, bei dem das Kind lebt, ist immer wieder Stein des Anstoßes zwischen Ex-Partnern. Auch in diesem Punkt ist es absolut notwendig, dass du dich mit deinem Ex zusammensetzt und mit ihm gemeinsam eine Lösung findest, wie ihr die finanzielle Komponente regeln möchtet.

Wichtig ist hierbei, dass du dir eine detaillierte Aufstellung all deiner Einnahmen und Ausgaben zurechtlegst und diese auch deinem Ex-Partner zeigst. Das hilft ihm oder ihr dabei, zu verstehen, dass es dir womöglich finanziell schlichtweg nicht möglich ist, beispielsweise 50 % auf den Pflichtteil draufzuschlagen und nicht dein böser Wille der Grund dafür ist.

Wie so viele andere Probleme könnte auch dieses zwischen vielen Ex-Partnern schnell gelöst werden, wenn diese sich einfach mal die Mühe machen würden, sich wie Erwachsene an einen Tisch zu setzen und sachlich miteinander zu reden. Unabhängig vom monatlichen Unterhalt bietet es sich außerdem an, Übereinkünfte bezüglich anderweitiger Ausgaben für das Kind zu treffen. So kommen im Laufe der Zeit nicht unwesentliche Kosten auf euch zu, über deren Aufteilung du dir mit deinem Ex-Partner im Rahmen eurer Möglichkeiten einig werden musst.

Das beginnt bereits mit Kosten für Schulranzen, Klassenfahrten und dergleichen. Natürlich kommen auch regelmäßige Geburtstage dazu, die sich dazu eignen, sich die Kosten für ein besonders großes und teures Geschenk zu teilen. Irgendwann steht dann auch die Jugendweihe an und womöglich möchtest du deinem Kind auch einen Teil zum Führerschein beisteuern. Wichtig ist hier nur, dass du mit deinem Ex-Partner darüber sprichst und euch beiden klar wird, was dem jeweils anderen finanziell möglich ist und was nicht.

Niemals den Partner vor dem Kind schlechtmachen

Ein weiterer Punkt, den bedauerlicherweise viele Menschen vollkommen falsch angehen, ist die Darstellung des ehemaligen Partners beim gemeinsamen Kind. In diesem Kontext ist eine negative Beeinflussung und Manipulation das Niederträchtigste, was ein Papa oder eine Mama machen können. Womöglich hat dich dein Ex-Partner mehrfach betrogen oder dich anderweitig nicht gut behandelt - dennoch darf dich die Wut und Enttäuschung darüber niemals dazu verführen, dein Kind für derart hinterhältige Verhaltensweisen zu mißbrauchen.

Bedenke, dass dein Kind deinen Ex-Partner liebt, da es sich eben um seine Mama oder seinen Papa handelt. Wenn du nun in Gegenwart des Kindes permanent schlecht über deinen Ex-Partner sprichst und noch dazu dem Junior sogar einzureden versuchst, was für ein böser Mensch doch seine Mama oder sein Papa ist, wirst du dein Kind völlig verunsichern und verstören. Persönliche Befindlichkeiten zwischen den Ex-Partnern sollten auch stets zwischen diesen abgehandelt werden.

Keinesfalls jedoch solltest du das Kind als Instrument für derartige Egoismen mißbrauchen. Dein Kleiner oder deine Kleine liebt dich und den anderen Elternteil. Mach ihm das bitte nicht kaputt. Das ist außerdem nicht nur im Interesse deines Kindes, sondern auch in deinem eigenen. Was denkst du wohl, wird passieren, wenn dein Ex-Partner davon Wind bekommt? Sehr wahrscheinlich wird er dir den Umgang mit eurem gemeinsamen Kind erschweren oder aus Rache ebenfalls schmutzige Wäsche waschen. Vor dem Kind also über den Ex-Partner schlecht reden ist auf allen Ebenen ein absolutes Nogo.

Beschäftige dich mit deinem Kind

Wenn du derjenige von euch beiden bist, der das gemeinsame Kind womöglich nur übers Wochenende bei sich hat, solltest du diese Zeit als echte quality time ansehen und auch entsprechend behandeln. Wenn du das Kind also nur den ganzen Samstag vor den Fernseher setzt, während du dich in einem anderen Zimmer deinem Sportprogramm widmest, ist niemandem geholfen; schon gar nicht dem oder der Kleinen. Dein Kind hat dich die ganze Woche nicht gesehen und möchte nun etwas mit dir unternehmen.

Genieße die Zeit zu zweit mit deinem Nachwuchs nach allen Regeln der Kunst und sorge dafür, dass ihr beide eine schöne, gemeinsame Zeit habt. Damit schürst du bei deinem Kind bereits Vorfreude auf das nächste Mal und es wird, wenn ihr euch am darauffolgenden Wochenende wiederseht, freudestrahlend und voller Erwartung auf dich zugerannt kommen. Und mal ehrlich: Ganz gleich ob du Mama oder Papa bist - was gibt es Schöneres als wenn das eigene Kind auf eine solche Weise seine Zuneigung und Vorfreude zeigt? Genau darum nämlich geht es - um euer gemeinsames Kind. Nicht um dich und nicht um deinen Ex-Partner. Vergiss das nie!


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