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Zittern oder Tremor

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Das Zittern (Tremor) als Behinderung

Zittern-oder-Tremor

Mit der Eigenschaft „Zittern“ kann sicherlich jeder Mensch etwas anfangen, mit dem fachsprachlichen Begriff „Tremor“ können das allerdings nur die wenigsten. Und dennoch ist auch damit das gleiche Symptom gemeint - die unwillkürlichen Muskelbewegungen, auf die wir Menschen in der Regel keinen Einfluss haben.

Die gute Nachricht: Jeder von uns zittert, und zwar immer und überall! Und auch übermäßiges Zittern kann durchaus eine sinnvolle Ursachen haben, zum Beispiel dann, wenn der Körper zu stark auskühlt. Sind die Temperaturen auf ein bedrohliches Maß gesunken, so versucht unser Organismus, durch verstärkte Muskelbewegungen den Wärmeverlust auszugleichen. Diese verstärkten Muskelbewegungen treten dann in Form von Zittern auf und lassen sich auch von außen beobachten.

Doch nicht nur durch Kälte, sondern auch durch körperliche bzw. psychische Anspannung kann es zum Zittern bzw. zu einem Tremor kommen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn wir an übermäßigem Stress leiden und das Nervenkostüm überreizt ist. Oder auch bei großer Angst - in diesem Fall äußert sich die körperliche Anspannung ebenfalls durch ein deutlich wahrnehmbares Zittern.

Und noch eine natürliche Gegebenheit bedingt ein verstärktes Zittern - das Älterwerden. Bei fast allen alten Menschen lässt sich beobachten, dass diese stärker als jüngere Menschen zittern. Auch das hat klar nachvollziehbare, natürliche Ursachen und ist daher - zumindest in einem normalen Maß - nicht bedenklich.

Die beschriebenen Ursachen sind also sozusagen „in der natürlichen Steuerung“ unseres Körpers und des Organismus eingebaut, sie basieren somit nicht auf einer krankhaften Ursache. Doch was ist, wenn Zittern ohne ersichtlichen Grund, ohne eine Krankheit oder eine andere Voraussetzung auftritt? Oder, anders gefragt:

 

  • Wann ist das Zittern besorgniserregend und sollte behandelt werden?

 

Bei älteren Menschen muss der Tremor erst dann verhandelt werden, wenn es durch ihn zu Beeinträchtigungen in der Lebensqualität kommen. Prägt sich also das Zittern so stark aus, dass der Betroffene kein Glas, kein Essbesteck etc. mehr halten kann, so sollte umgehend eine Behandlung erfolgen.

Als Alarmsignal kann zudem die Tatsache gedeutet werden, dass nur ein bestimmtes Körperteil oder ein Körperabschnitt von einem Tremor betroffen ist. Das Zittern verteilt sich also nicht gleichmäßig über den Körper, sondern beschränkt sich auf eine ganz bestimmte Partie. In diesem Fall handelt es sich oft um eine konkrete Erkrankung des Nervensystems, bei dem der Tremor im Ruhezustand auftritt. Die bekannteste dieser Erkrankungen ist die Parkinson-Krankheit. Hier sollte also genauestens nachgeforscht und der Ursache auf den Grund gegangen werden.

Aufmerksamkeit ist auch immer dann gefordert, wenn das Zittern infolge der Einnahme von Medikamenten oder übermäßiger Mengen von Alkohol und anderen Giften auftritt. Starkes Zittern kam das Symptom einer Vergiftung sein, die unbedingt sofort behandelt werden muss. Andernfalls drohen ernste körperliche Schäden bis hin zum Tod.

 

Grundlegende Bedingung für eine erste Diagnose: Genaues Beobachten

Je nach Art der Erkrankung und je nach Ursache kann der Tremor also ganz unterschiedliche Formen und Ausprägungen annehmen. Es gibt langsames und schnelles Zittern, feines und gröberes, rhythmisches und phasenweise - nur durch genaues Beobachten über einen ausreichend langen Zeitraum kann der erfahrene Arzt eine erste Einschätzung bzw. Diagnose  vornehmen.

Apropos „erfahrener Arzt“: Nach dem obligatorischen Besuch beim Hausarzt sollte die erste Anlaufstelle für Menschen, die durch übermäßiges Zittern geplagt sind, der Neurologe bzw. Facharzt für Neurologie sein. In fast allen Fällen lässt sich der Tremor auf eine Erkrankung des Nervensystems zurückzuführen, bzw. basiert auf einer Ursache, an der das Nervensystem zumindest beteiligt ist.

Da es so viele unterschiedliche Arten und Ausprägungen eines Tremors gibt, gestaltet sich aber nicht nur die exakte Diagnose schwierig, sondern auch die Art der Behandlung. Kaum eine andere Erkrankung kann von so vielen unterschiedlichen Seiten behandelt werden, wie der Tremor. Und bei kaum einer anderen Erkrankung ist so schwierig, die richtige und passende Behandlungsmethode zu finden. Betroffene sollten sich daher darauf einstellen, eine recht große Anzahl verschiedener Untersuchungen durchlaufen zu müssen. Selbst erfahrene Fachärzte benötigen in der Regel eine vergleichsweise lange Zeit, um im Falle eines Tremors die korrekte Diagnose zu stellen und somit auch die korrekte Behandlung einzuleiten.

Trotz dieser eher ungünstigen Voraussetzungen sollten sich Betroffene nicht entmutigen lassen. Die moderne Medizin kennt viele erfolgreiche Ansätze, um einen Tremor zu behandeln. Wichtig ist, das nötige Vertrauen in den behandelnden Arzt finden, bzw. einem Arzt auszuwählen, bei dem man das Gefühl hat, gut aufgehoben zu sein. Grade bei Tremor-Betroffenen kommt es oft zu einem unbemerkten Verstecken der wahren Ursache der Erkrankung. Je besser die Beziehung zum behandelten Arzt und je offener das entsprechende Verhältnis ist, desto leichter wird dieser sich damit tun, die wahre Ursache herauszufinden.

Zittern - ein menschliches Gefühl

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Jeder Mensch kennt Situationen, in denen er zittern muss. Sei es aufgrund der kalten Temperaturen, aus Angst oder Aufregung. Doch was ist Zittern überhaupt?

Ganz einfach: Es handelt sich hierbei um eine ganz natürliche Funktion des menschlichen Körpers. Jeder Mensch zittert. Immer und überall. Allerdings sind die diesbezüglichen Bewegungen so geringfügig, dass man sie in der Regel kaum bemerkt. Man spricht hierbei auch vom physiologischen Tremor.

Dieser wird ausgelöst durch sämtliche Muskelbewegungen im Körper, welche sich in Form hochfrequenter Schwingungen bemerkbar machen. Mit dem bloßen Auge sind diese Schwingungen und das daraus resultierende Zittern kaum zu bemerken. Mit kleinen Tricks kann man sie allerdings sichtbar machen. Bei manchen Menschen reicht es schon, den Zeigefinger auszustrecken und sich eine Weile auf dessen Spitze zu konzentrieren, um das natürliche Zittern zu bemerken. Im Alter nimmt dieses Zittern zu. Auch dies ist ein völlig normaler Vorgang, denn die Koordination und die Bewegungsfähigkeit von Muskeln sind im Alter nicht mehr so leistungsfähig wie bei einem jungen Menschen.

Zittern kann darüber hinaus eine natürliche Schutzfunktion des menschlichen Körpers sein. So beispielsweise bei großer Kälte. Sinkt die Körpertemperatur unter einen Wert von etwa 35° Celsius, so beginnt der Körper zu zittern, um einem Auskühlen entgegenzuwirken. Das Zittern dient also der Erhöhung der Körperwärme, welche wiederum durch einen steigenden Energieverbrauch im Organismus ausgelöst wird.

Wie man sieht, ist das Zittern als natürliche Körperreaktionen teilweise erwünscht, teilweise aber auch nicht. Beispiel Sport: Es gibt einige Sportarten, in denen eine ruhige Hand bzw. ein ruhiger Körper unbedingt vonnöten sind. So sinken beispielsweise im Schießsport die Trefferquoten enorm, wenn sich das Zittern erhöht. Teilweise werden dafür bedenkliche Gegenmaßnahmen ergriffen, wie etwa der Konsum von Alkohol, durch den das Zittern unterdrückt werden soll. Nicht umsonst spricht man im Volksmund auch von „Zielwasser“. Aus diesem Grund gilt Alkohol im Sportschießen als unerlaubtes Dopingmittel und ist streng verboten. Aber auch allgemein hegt die Wissenschaft Zweifel daran, ob Alkohol wirklich die Treffsicherheit beim Schießen erhöhen kann.

Der physiologische Tremor

Die zuvor beschriebenen Phänomene (und einige weitere) lassen sich unter einem Oberbegriff zusammenfassen: der physiologische Tremor. Dieser Tremor tritt also z. B. bei Schmerz, Angst, extremer Kälte oder anderen stressigen Situationen auf. Jeder Gesunde hat schon einen geringfügigen Handtremor (Zittern) gehabt, als er extremen Schmerz erlitt, fror oder Angst hatte! Dabei handelt es sich um einen physiologischen Tremor, der eine natürliche Reaktion auf extreme Gefühle ist oder durch Reizstoffe (wie zu viel Koffein) verursacht wird. Ferner wird angenommen, dass der physiologische Tremor sogar eine wichtige Rolle bei den Bewegungen spielt.

Mit "physiologischer Tremor" ist also ein normaler Lebensvorgang gemeint, nämlich das Zittern zum Beispiel bei Kälte. Ein solcher Tremor benötigt keine Medikation, weil er wieder verschwindet, sobald sich die Situation entspannt hat.

Verstärkter physiologischer Tremor

Manche Menschen weisen einen verstärkten physiologischen Tremor auf. Ein Arzt kann  feststellen, ob es sich um einen verstärkten physiologischen Tremor handelt, oder ob es andere Ursachen für den Tremor gibt.

Essentielles Zittern (Essentieller Tremor)

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Die mit Abstand am häufigsten auftretende Form des Tremor ist der Essentielle Tremor (kurz: ET). Im Gegensatz zum physiologischen Tremor handelt es sich hierbei um eine spezifische neurologische Bewegungsstörung, deren Ursache bis heute noch nicht zu 100 % geklärt ist. Unter dem Essentiellen Tremor versteht man das Auftreten von chronisch unfreiwilligen und unkontrollierbaren rhythmischen Bewegungen des Körpers oder eines Körperteils. Betroffenen Körperteile können unter anderem die Hände, Beine, der Kopf oder das Gesicht sein. Auch der Körperrumpf und die Stimme werden bei einigen Betroffenen von einem Tremor heimgesucht.

Der essenzielle Tremor tritt mit folgender Verteilung bei den Betroffenen auf:

  • Bei 94 % der Patienten sind die Hände betroffen
  • Bei 33 % der Patienten ist der Kopf betroffen
  • Bei 16 % der Patienten ist die Stimme betroffen
  • Bei 12 % der Betroffenen sind die Beine betroffen
  • Bei 3 % der Betroffenen ist der Rumpf betroffen
  • Bei ebenfalls 3 % der Betroffenen ist das Gesicht getroffen

Auffällig ist die scheinbare Wirksamkeit bei der Behandlung eines Tremors durch die Einnahme von Alkohol. 50 bis 70 % aller Betroffenen stellen beim Auftreten eines Tremors eine Reduktion dessen Stärke fest, nachdem sie eine gewisse Menge Alkohol eingenommen haben. Daraus scheint eine trügerische Sicherheit zu erwachsen, nach der Alkohol ein probates Mittel gegen das Auftreten eines Tremors sein könnte. Dies ist allerdings nicht so. Man denke dabei nur an den typischen Alkoholiker, der immer dann extremeres Zittern bekommt, wenn er nicht die Dosis an Alkohol zu sich genommen hat, die er gewohnt ist. Wie man hieran sieht, verschlimmert sich die ganze Situation also dann, wenn dem Alkohol zu viel zugesprochen wird. Mehr dazu später.

Wie wir an der Verteilung der Tremor-Häufigkeit ersehen konnten, liegt der Handtremor mit über 90 % ganz weit vorne. Er kann eine Hand oder beide Hände befallen (in diesem Fall spricht man von einem isolierten Auftreten), aber auch in Kombination mit anderen Körperteilen, zum Beispiel den Armen oder dem Kopf. Der Handtremor beginnt in der Regel damit, dass die dominierende Hand (bei Rechtshänder die rechte Hand, bei Linkshändern die linke Hand) phasenweise vom Zittern befallen wird. Die Phasen dehnen sich dann immer weiter aus, und nach einem gewissen Zeitraum kommt die nicht dominierende Hand hinzu. Der Handtremor ist eine der Tremorarten, die am leichtesten festzustellen ist. Hierfür muss der Betroffene lediglich eine Position einnehmen, die gegen die Schwerkraft gerichtet ist. Dazu reicht bereits das Ausstrecken der Arme. In diesem Zustand lässt sich das Zittern sehr leicht erkennen.

Stress- und Ruhetremor

Der Essentielle Tremor kann wiederum in verschiedenen Ausprägungen auftreten, vornehmlich als Aktions- bzw. Stresstremor oder als Ruhetremor. Der Ruhetremor ist insbesondere von der Parkinson-Krankheit bekannt. In diesem Fall ist das Zittern im Ruhezustand am stärksten, bei körperlicher (und auch geistiger) Aktivität nimmt das Zittern dagegen ab. Anders beim Aktionstremor: Hier nimmt das Zittern bei steigender Aktivität immer weiter zu.

Beeinträchtigung des Lebensstils

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Der Essentielle Tremor gehört zu den Tremortypen, welche Menschen daran hindern können, einen als normal anzusehenden Lebensstil zu führen. Insbesondere einige wichtige Aktivitäten des täglichen Lebens werden durch den Tremor behindert. Dies bezieht sich auch auf die Fähigkeit, bestimmten Berufen nachzugehen bzw. Arbeiten zu verrichten.

Die durch den Tremor eingeschränkten Fähigkeiten erstrecken sich insbesondere auf solche, die eine intakte Feinmotorik erfordern. Dies kann beispielsweise das einfache Halten eines Schreibgerätes (Füller, Kugelschreiber etc.) sein, aber auch das Trinken aus einem Glas, das Essen mit Besteck usw. Selbst einen Druckknopf zu verschließen ist für manche Betroffene nicht mehr möglich. Daraus ergibt sich, dass bei einer großen Zahl von Betroffenen der gesamte Tagesablauf durch den Tremor geprägt wird, bzw. ein normaler Tagesablauf nicht mehr möglich ist.

Aus diesen Tatsachen ergeben sich nicht nur körperliche bzw. physische Probleme, sondern auch psychosoziale Folgen und Beeinträchtigungen. Das größte Problem ist für viele Betroffene, dass ihnen der Tremor unangenehm und somit peinlich ist, und sie versuchen möchten, diesen der Öffentlichkeit gegenüber zu verstecken. Dies gelingt längst nicht in jedem Fall, wodurch unangenehme Situationen an der Tagesordnung sind, die die Psyche des Betroffenen dann noch weiter beeinträchtigen. Viele Tremor-Patienten ziehen sich daher weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und pflegen nur wenige soziale Aktivitäten und Kontakte.

Ursache und Genetik des Essentiellen Tremors

Bis heute wird an den Ursachen des Essentiellen Tremors geforscht, und es existieren lediglich Theorien darüber, aber noch keine gesicherten Erkenntnisse. In der Vergangenheit wurden zahlreiche Untersuchungen und Studien an Patienten mit einem Essentiellen Tremor durchgeführt, darunter auch solche mit hochentwickelter Bildgebungstechnik. Mit dieser können biologische Vorgänge im menschlichen Gehirn quasi sichtbar gemacht werden. Dabei entdeckte man Abweichungen bestimmter Strukturen im Gehirn und gesteigerte Stoffwechselaktivitäten im Kleinhirn.

Vom Befund zur Diagnose

Obgleich der Essentielle Tremor die mit Abstand häufigste Tremorart darstellt, tun sich Mediziner schwer damit, ihn einwandfrei zu diagnostizieren. Teilweise haben Betroffene einen wahren Ärztemarathon über viele Jahre hinter sich, bevor die medizinisch richtige Diagnose gestellt werden konnte. Ein standardisierter Test, mit dem das Vorhandensein eines Essentiellen Tremors zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, existiert bis heute noch nicht.

Betroffene sollten sich unbedingt an einen spezialisierten Facharzt wenden. Hier ist in erster Linie der Neurologe zu nennen, von denen viele bereits Erfahrungen auf dem Gebiet von Bewegungsstörungen und Tremorerkrankungen haben.

Auch wenn der Tremor noch nicht durch einen Test zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, besteht die Möglichkeit, seine Ausprägung zu messen und somit auch die Auswirkungen auf den Betroffenen festzustellen. Hierfür werden Untersuchungen mit elektrophysiologischen Technologien vorgenommen, die beispielsweise die Aktionsströme der Muskeln im Körper messen. Aber auch einfache Tests, bei denen die Funktionen von Händen, Armen, Beinen etc. gemessen werden, sind an der Tagesordnung. Hinzu kommen Interviews mit dem Patienten, mit denen der Grad des Handicaps bzw. die gesamte Unfähigkeit und somit auch der Behinderungsgrad festgestellt werden können. Hilfreich ist es hierbei, auf die vollständige medizinische Geschichte des Betroffenen zurückgreifen zu können. Dafür sollte auch der Hausarzt zurate gezogen werden.

Anhand dieser Daten wird anschließend eine klinische Auswertung erstellt, welche in der Regel folgende Faktoren enthält:

  • Anatomische Verteilung des Tremors - also der Bereich oder die Bereiche des Körpers, welche durch den Tremor beeinflusst werden (Kopf, Arme, Hände, Beine, Sprache usw.).
  • Tremorart oder Aktivierungszustand - z. B.: Handelt es sich um einen Haltetremor, der während der Anspannung der betroffenen Muskelgruppen aktiv ist?
  • Intensität und Frequenz - Für die Messung dieser Parameter kommt ein Elektromyogramm (EMG) zum Einsatz. Dafür werden spezielle Elektroden sowohl an den Streck- als auch an den Beugemuskeln der betroffenen Körperpartien angebracht. Diese Elektroden dokumentieren dann die entsprechenden Bewegungen.
  • Muskelkontraktionsmuster - Unter einem Muskelkontraktionsmuster versteht man die Art und Weise, wie Beuge- und Streckmuskeln zusammenarbeiten. Je nach Art und Ursache eines Tremor können die Muskeln zusammenarbeiten, aber auch wechselweise arbeiten.
  • Grad der Funktionsunfähigkeit - Um den Grad der Funktionsunfähigkeit zu messen, werden beispielsweise handschriftliche Proben des Betroffenen ausgewertet oder einfache Übungen dokumentiert.
  • Psychosoziale Probleme: Diese wirken sich insbesondere auf die Lebensqualität des Tremor-Betroffenen und somit auf das tägliche Leben aus.
  • Koexistenz anderer neurologischer Symptome - Bestehen neben den Tremor auch andere neurologische Probleme wie Sprach- oder Gangstörungen sowie Haltungsabweichungen?
  • Seit wann treten die Symptome beim Betroffenen auf?
  • Wie reagiert der Betroffene auf Alkoholgenuss? In der Regel wirkt sich Alkohol bei einem bestehenden Tremor begünstigend aus. Ist dies auch beim hier Betroffenen der Fall?
  • Gibt es in der Familie des Betroffenen weitere Fälle eines Tremors, oder treten andere neurologische Krankheiten auf?
  • Wie hat sich der Tremor entwickelt?
  • Welche Medikamente nahm der Betroffene in der Vergangenheit ein, und welche nimmt er aktuell ein? Welche Wirkungen haben diese Medikamente gezeigt?

 

Ideale Voraussetzungen für eine korrekte medizinische Diagnose ergeben sich dann, wenn die Symptome des Tremors bereits in einem Zeitraum von mindestens drei Jahren auftreten. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass verschiedene Krankheiten in ihrem Frühstadium gleiche Tremorsymptome aufweisen können. Wird dann die eindeutige Diagnose „Essentieller Tremor“ gestellt, so können jene anderen Krankheiten als Ursachen ausgeschlossen werden

Behandlung des Essentiellen Tremors

Der Essentielle Tremor wird in der Regel erst dann behandelt, wenn die Symptome so stark geworden sind, dass sie den Betroffenen in seinem alltäglichen Leben deutlich beeinträchtigen. In den meisten Fällen erfolgt eine medikamentöse Behandlung, die wir im Folgenden ausführlicher erläutern möchten.

Die medikamentöse Behandlung des Essentiellen Tremors

Wie bereits erwähnt, ist die Ursache des Essentiellen Tremors bis heute noch nicht einwandfrei erforscht. Daher existiert auch noch kein Medikament, das speziell für die Behandlung des Essentiellen Tremors konzipiert wurde. Es können also lediglich solche Medikamente zur Therapie herangezogen werden, die zwar einen Nutzen in der Tremor-Therapie gezeigt haben, doch eigentlich zur Behandlung anderer Krankheiten entwickelt wurden.

Anhand dieser Tatsache erklärt sich auch der Umstand, dass von einer medikamentösen Therapie beim Essentiellen Tremor einige Patienten nachweislich profitieren, andere dagegen kaum oder überhaupt nicht. Es existieren schlichtweg keine Faktoren, mit denen man den Erfolg in der Anwendung einzelner Medikamente bei einem Essentiellen Tremor zuverlässig voraussagen kann. Die Behandlung mit Medikamenten wird daher vom Facharzt fast immer unter der Prämisse „Trial & Error“ durchgeführt - man probiert verschiedene Präparate durch, bis eines gefunden wird, welches im individuellen Fall des Betroffenen am besten wirkt.  Patienten sollten sich also darauf einstellen, dass es ein langwieriger Prozess sein kann, bis das passende Präparat gefunden wurde.

Die medikamentöse Behandlung des Essentiellen Tremors empfiehlt sich insbesondere dann, wenn dieser noch im Anfangsstadium behaftet ist. Also dann, wenn sich die Symptome noch wenig ausgeprägt zeigen. In diesem Fall war es in der Vergangenheit bei einigen Patienten sogar möglich, ihre Funktionsunfähigkeiten komplett zu beseitigen. Bei anderen konnten diese zumindest stark verzögert werden. Hierfür muss der behandelnde Arzt jedoch unbedingt über die gesamte Krankengeschichte des Patienten informiert werden, inklusive sämtlicher Vorerkrankungen und anderer, aktuell bestehender Krankheiten. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass die Medikamente zur Behandlung des Tremors Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und natürlich auch entsprechende Nebenwirkungen zeigen können. Hier ist der Facharzt gefragt, der den möglichen Nutzen dieser Medikamente gegen die Risiken, welche mit der Einnahme verbunden sind, abwägt und dem Patienten seine Einschätzungen mitteilt.

Wie man sehen kann, ist bei der medikamentösen Behandlung eines Essentiellen Tremors insbesondere das Verhältnis von Arzt und Patient enorm wichtig. Der Patient muss das nötige Vertrauen zu seinem Facharzt gewinnen und dauerhaften haben, denn er ist auf die Einschätzungen des Arztes vollständig angewiesen. Somit ist es auch nicht empfehlenswert, dass der Patient eine medikamentöse Behandlung von selbst einstellt. Auch hierfür wird der Facharzt einen Plan zur stufenweisen Verringerung der Dosierung erstellen, an den sich der Patient unbedingt halten sollte.

Welche Präparate zum Einsatz kommen, um einen Essentiellen Tremor und generell einen Tremor zu bekämpfen (die Präparate kommen teilweise auch bei anderen Tremorarten zum Einsatz), hängt von vielen Faktoren ab - unter anderem von den Vorerkrankungen und eventuell bestehenden Erkrankungen des Betroffenen, aber auch von der Einschätzung und den Erfahrungen des behandelnden Arztes. Wir können an dieser Stelle daher nicht alle Medikamente zur Behandlung des Tremors auflisten, haben aber die wichtigsten davon in der folgenden Übersicht ausgewählt. Bitte beachten Sie, dass die Liste nicht dafür geeignet ist, eine Eigenbehandlung des Essentiellen Tremors vorzunehmen.

Die wichtigsten Medikamente, die zur Behandlung eines (Essentiellen) Tremors eingesetzt werden: Propanol

Propanol

In seiner Eigenschaft als Beta-Rezeptoren-Blocker zählt das Präparat Propranolol zu den Erste-Wahl-Medikamenten zur Behandlung eines Essentiellen Tremors.

Auch dieses Medikament wurde ursprünglich für einen anderen Verwendungszweck entwickelt, insbesondere zur Behandlung von Bluthochdruck. Die Wirkung wird erreicht, indem der Werkstoff die Beta-Rezeptoren besetzt und damit die Wirkung von Adrenalin im menschlichen Herzen blockiert. Solche Beta-Rezeptoren finden sich in größerer Anzahl im Herz sowie an etlichen anderen Stellen im Organismus. Das Präparat wirkt sich jedoch nicht nur auf das Herz-Kreislaufsystem aus, und auch die Nebenwirkungen können sich auf andere Teile des Körpers erstrecken.

Für die Behandlung eines Tremors, insbesondere des Essentiellen Tremors, wird Propranolol bereits seit längerer Zeit eingesetzt, die Reaktion darauf ist allerdings recht unterschiedlich. Studien zeigen, dass bei ca. 50 - 70 % aller Patienten ein Rückgang der Symptome des Tremors erreicht werden kann. Eine komplette Unterdrückung aller Symptome ist jedoch selten. Hierbei kommt es auch darauf an, in welchen Extremitäten der Tremor ausgeprägt ist. Die beste Wirkung hat das Präparat bei einem Tremor der oberen Extremitäten, insbesondere der Arme und Hände, gezeigt. Bei anderen Tremorarten wie etwa einem Kopftremor wurden dagegen schlechtere Ergebnisse erzielt. Einige Patienten reagierten jedoch überhaupt nicht auf das Medikament.

Zu beachten sind die Nebenwirkungen von Propranolol. Diese können sich in Form von Übelkeit, Durchfall, Gewichtszunahme, Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie depressiven Verstimmungen zeigen. Menschen mit weiteren Erkrankungen wie etwa Diabetes oder Asthma sollten das Präparat nicht einnehmen, bei älteren Betroffenen ist eine regelmäßige EKG-Kontrolle anzuraten.

Das Medikament ist verschreibungspflichtig.

Primidon

Auch das Präparat Primidon zählt zu den Medikamenten erster Wahl für die Behandlung eines Tremors, speziell des Essentiellen Tremors.

Primidon ist ein Spasmolytikum und zählt somit zu den Barbituraten. Aus diesem Grund sollte sehr vorsichtig damit umgegangen werden. Die Wirkung wird erzielt, indem das Präparat die Freisetzung und Ausbreitung von Nervenimpulsen im Gehirn hemmt oder ganz unterdrückt. Insgesamt wird die Hirnaktivität gedämpft, und alle Vorgänge im zentralen Nervensystem verlangsamen sich. Ursprünglich wurde das Medikament zur Bekämpfung epileptischer Anfälle entwickelt.

Ähnlich wie bei Propranolol haben sich die besten Ergebnisse bei der Anwendung von Primidon ebenfalls bei einem Tremor in den oberen Extremitäten wie Armen und Händen gezeigt. Bei Patienten mit Kopftremor dagegen zeigte sich eine deutlich schlechtere Wirksamkeit.

In der Behandlung des Tremors wird Primidon insbesondere dann eingesetzt, wenn der Patient das Präparat Propranolol nachweislich nicht verträgt oder dieses aufgrund anderer bestehender Erkrankungen nicht eingesetzt werden kann. Auch in der Kombination kommen beide Präparate zum Einsatz, allerdings muss dieser von einem Neurologen mit großem Erfahrungsschatz geplant werden, da die Präparate durchaus Wechselwirkungen mitbringen.

Die Nebenwirkungen von Primidon können recht drastisch sein. Werden sie beobachtet, muss die Dosierung sofort reduziert werden. Solche Nebenwirkungen können sich in Form von Übelkeit, Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen, Erbrechen sowie Sedierung zeigen. In Versuchen konnte beobachtet werden, dass bei längerer Einnahme von Primidon ein Wirksamkeitsverlust auftritt, der auch durch eine Steigerung der Dosis nicht rückgängig gemacht werden kann.

Auch bei Primidon handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament. Die Anwendung muss genauestens mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Botox

Das Präparat Botox - ein Kürzel für Botulinumtoxin - ist insbesondere aus der ästhetischen Medizin bekannt, wo es zur Reduzierung von Falten und anderen Alterserscheinungen eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um ein Eiweiß, das von speziellen Bakterien produziert wird. Botox ist ein Nervengift, das einen Menschen schon bei der Gabe weniger Mikrogramm töten kann. Sein Einsatz muss daher erfahrenen Medizinern vorbehalten bleiben.

Bei der Behandlung eines Tremors kommt Botox insbesondere für betroffene Körperregionen zum Einsatz, bei denen die anderen, bereits beschriebenen Präparate keine oder nur eine schlechte Wirkung gezeigt haben. Dabei könnte es sich beispielsweise um einen Kopftremor oder einen Tremor in den unteren Extremitäten handeln.

Die Behandlung des Tremors erfolgt, indem das Botulinumtoxin in äußerst geringer Dosierung in die betreffenden Muskeln injiziert wird. Dadurch wird erreicht, dass die Weiterleitung von Reizen zwischen Nerven und Muskeln unterbrochen wird, wodurch der betreffende Muskel geschwächt wird. Somit gehen auch die Symptome des Tremors, welche durch den Muskel ausgeführt werden, zurück.

Nach der Injektion des Nervengifts dauert es einige Tage, bis die Wirkung eintritt. Anschließend hält diese für einen Zeitraum von maximal vier Monaten an. Nach dieser Zeit hat der Organismus das Gift selbstständig wieder abgebaut. Die Injektionen mit Botox sind also in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, damit eine dauerhafte Wirksamkeit gewährleistet werden kann. Es ist nicht möglich, durch die Gabe von Botox die Ursache des Tremors zu bekämpfen, lediglich die Auswirkungen können damit behandelt werden.

Die Gabe von Botox bei einem bestehenden Tremor muss mit dem behandelnden Arzt sorgfältig abgesprochen werden. Bestehen Allergien gegen die Inhaltsstoffe des Präparates, so ist die Behandlung unbedingt abzulehnen. Gleiches gilt bei bestimmten Vorerkrankungen oder auch bei einer bestehenden Schwangerschaft. Als Nebenwirkungen können im Zuge der Botox-Behandlung Infektionen und Schwellungen an der Einstichstelle, Schluckstörungen sowie eine zu starke Schwächung der betreffenden Muskulatur auftreten.

Auch bei Botox handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Präparat.

Homöopathische Präparate

Immer mehr Menschen in Deutschland schwören der Schulmedizin ab und vertrauen sich der Alternativmedizin und insbesondere der Homöopathie an. Sie versprechen sich dadurch eine sanftere und gleichzeitig effektivere Behandlung und Heilung ihrer bestehenden Leiden, ohne die teils drastischen Neben- und Wechselwirkungen schulmedizinischer Präparate in Kauf nehmen zu müssen.

Gegründet wurde die Homöopathie durch den deutschen Arzt und Chemiker Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755 - 1843). Hahnemann erkannte, dass nahezu alle Erkrankungen mit dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip geheilt werden können. Das bedeutet: Es kommt ein Präparat in einer äußerst geringen Dosierung zum Einsatz, das bei höherer Dosierung die gleichen Symptome wie bei der bestehenden Erkrankung auslösen würde.

In der Homöopathie wird der Organismus des Menschen nicht als separates System betrachtet. Alles bildet eine Einheit - Körper, Geist und Seele. Somit muss jedes Präparat individuell auf den Patienten abgestimmt werden, denn die Konstellationen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch sehr stark.

Auch in der Behandlung des Tremors schwören inzwischen viele Betroffene auf die Homöopathie. Allerdings existieren bis heute keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser naturheilkundlichen Behandlungsmethode. Die Kosten werden zudem nicht von den Krankenkassen übernommen, der Patient muss seine Behandlung also selbst bezahlen.

Zittern (Tremor) mit psychogener / psychosomatischer Ursache

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Die Psyche des Menschen ist für viele Erkrankungen und Ungleichgewichtszustände verantwortlich, egal ob körperlicher, geistiger und/oder seelischer Art. Somit hat auch ein Tremor mitunter viel mit der Psyche zu tun. Doch Vorsicht: Mancher Arzt macht es sich zu einfach und diagnostiziert bei einem Tremor pauschal eine zugrundeliegende, psychische Ursache, obwohl eine andere und ernstzunehmende Erkrankung dahinter stecken könnte.

Besonders schwierig zu durchschauen wird die Verflechtung von körperlichen und psychischen Ursachen bei einem Tremor durch den Umstand, dass Betroffene davon berichten, der Tremor verstärke sich unter psychischen Faktoren wie Stress, Angst und Ärger, obwohl dahinter eine bestimmte, auslösende Krankheit steckt. Dies können schon kleine Faktoren sein, wie etwa ein Amt besuchen und dort ein Schriftstück unterschreiben zu müssen. Auch der Gedanke an ein Treffen mit Freunden inklusive Restaurantbesuch bewirkt Stress bei vielen Tremorpatienten. Sie versuchen dann, möglichst sämtliche gefährlichen Situationen zu vermeiden, indem sie sich stark zurückziehen. Dadurch wird bei einem Großteil der Betroffenen der Tremor jedoch noch intensiver - ein Kreislauf, der schließlich in einer Abwärtsspirale mündet.

Eine solche, bereits eingesetzte Abwärtsspirale kann nur dadurch unterbrochen und eventuell rückgängig gemacht werden, dass sich ein erfahrener Psychotherapeut des Erkrankten annimmt. Eigenständige Versuche bringen in 99 % aller Fälle nicht den gewünschten Erfolg. Betroffenen sei es daher unbedingt angeraten, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen und soziale Kontakte trotz bestehenden Tremors weiter aufrecht zu erhalten. Dies kann mitunter sehr schwer fallen, wirkt sich aber letztendlich positiv auch auf den Verlauf der Erkrankung aus!

Grundsätzlich unterscheidet man bei Tremorarten, die psychisch bzw. psychosomatisch bedingt sind, zwischen zwei verschiedenen Typen. Diese sind:

Wie funktioniert ein externer Mediaplayer?

Der psychogene Tremor

Unter einem psychogenen Tremor versteht man einen solchen, der durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst wurde. Dieses traumatische Erlebnis liegt bei den meisten Betroffenen in der Vergangenheit. Typische psychogene Tremore treten beispielsweise bei Soldaten auf, die im Krieg Schreckliches erleben mussten. Ein Beispiel hierfür wird im Kinofilm "Der Soldat James Ryan" gegeben, in dem Captain Miller, dargestellt von Tom Hanks, unter einem Tremor der Hand litt.

Menschen, die von einem psychogenen Tremor betroffen sind, erleben in der Regel plötzlich auftretende Tremorattacken, die genauso spontan wieder verschwinden können. Dabei kann die Intensität des auftretenden Tremors jeweils unterschiedlich sein, und dieser kann auch von Fall zu Fall unterschiedliche Regionen oder den ganzen Körper befallen. Es handelt sich hierbei also nicht um einen Tremor, der immer die gleichen Extremitäten betrifft und immer in der gleichen Intensität auftritt.

Betroffene mit einem psychogenen Tremor erfahren in der Regel dann eine Linderung ihres Problems, wenn sie sich bewusst und dauerhaft entspannen oder entsprechend abgelenkt werden. Mit spezialisierten Training und den richtigen Methoden ist es sogar möglich, den Tremor komplett zu unterdrücken.

Der psychosomatische Tremor

Während der psychogene Tremor in der Regel aus einer Angstsituation in der eigenen Vergangenheit resultiert, liegen die Ursachen des psychosomatischen Tremors in der Angst vor einer Situation, die noch gar nicht eingetreten ist, bzw. sich in der Zukunft befindet. Dazu ein typisches Beispiel:

Sie müssen auf einem Kongress vor einer größeren Menschenmenge sprechen und einen Vortrag halten. Obwohl Sie sich tage- oder sogar wochenlang auf diese Aufgabe vorbereitet haben, wird die Panik immer größer, je näher der Termin rückt. Sie merken diese vergrößerte Panik insbesondere an Ihrem Tremor. Dieser scheint schier verrückt zu spielen, das Zittern wird immer stärker. Hierbei handelt es sich um einen psychosomatischen Tremor.

Im Gegensatz zum psychogenen Tremor können sich die Auswirkungen beim psychosomatischen Tremor auch dann verstärken bzw. auf einem hohen Level bleiben, wenn der Betroffene sich in einen Ruhezustand begibt.

In beiden Fällen ist eine psychotherapeutische Behandlung anzuraten. Wie diese genau aussehen könnte und was dabei zu beachten ist, dazu später mehr.

Zittern aufgrund von schwerwiegenden Erkrankungen

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Parkinson

Wer schon einmal mit einem Parkinson-Patienten zu tun hatte, wird das Phänomen kennen:  Die Betroffenen leiden sehr oft unter Symptomen, die zweifelsfrei auf einen Tremor schließen lassen. Sie zittern mit den Händen, mit dem Kopf und oft auch mit dem ganzen Körper. Allerdings weist die Parkinson-Krankheit in der Regel viele weitere Symptome auf, so dass der Tremor nur eines von vielen Anzeichen ist.

In der Regel handelt es sich bei einem Tremor, der infolge einer Parkinson-Erkrankung auftritt, um einen klassischen Ruhetremor. Dieser wird also nur dann sichtbar, wenn der Betroffene die Extremitäten nicht bewegt. Dies gilt auch für die entsprechende Muskelanspannung. Wird der Arm also beispielsweise in Bewegung gehalten, so lassen sich keine Symptome eines Tremors feststellen. Anders, wenn der betroffene Arm auf einer festen Unterlage abgelegt wird. Sobald in diesem Fall die Anspannung der Muskeln nachlässt, wird sich der Tremor zeigen.

Viele Betroffene fürchten bei den ersten Anzeichen eines Tremors, an Parkinson erkrankt zu sein. Diesen Menschen kann jedoch die Angst weitgehend genommen werden, denn nur in den seltensten Fällen ist der Tremor alleine ein eindeutiges Symptom für die beginnende Parkinson-Krankheit. Hier kommen in der Regel viele weitere Symptome hinzu, wie beispielsweise ein körperliches Steifheitsgefühl, das aus einer Muskeltonusstörung namens Rigor resultiert.

Morbus Wilson

Unter der Bezeichnung Morbus Wilson kann sich in der Regel niemand etwas vorstellen, wenn er nicht selbst davon betroffen ist. Früher waren die Bezeichnungen Kupferspeicherkrankheit oder Wilson-Krankheit wesentlich geläufiger.

Es handelt sich hierbei um eine vererbbare Krankheit, bei der der Kupferstoffwechsel in der Leber gestört ist bzw. verhindert wird. Sofern der Organismus Kupfer aufnimmt, kann dieses nicht mehr abgebaut und über die Nieren und den Darm ausgeschieden werden, sondern wird im Körper eingelagert und beginnt dort, eine toxische Wirkung zu entfalten. Diese äußert sich vor allem in schweren Leberschäden, so dass im fortgeschrittenen Stadium die Notwendigkeit einer Lebertransplantation entstehen kann.

Doch nicht nur auf die Leber, sondern auch im neurologischen Bereich wirkt sich die Krankheit Morbus Wilson aus. Durch den übermäßigen Kupfergehalt im Organismus treten sowohl Bewegungsstörungen als auch der sogenannte „Flapping Tremor“ auf. Letzterer verursacht ein variables Zittern und Zucken in allen Extremitäten, zudem können eine verwaschenen Sprache, Koordinationsstörungen, Störungen der Feinmotorik, muskuläre Verkrampfungen und Schluckstörungen auftreten.

Auch hier haben wir es also mit einem ganz speziellen Tremor zu tun, der auf eine schwerwiegende Erkrankung hinweist. Die diesbezügliche Diagnose ist jedoch nicht einfach und kann i. d. R. nur von einem Facharzt vorgenommen werden. Die Behandlung besteht bei leichteren Fällen meist in der Gabe von Medikamenten, die den Kupferspiegel im Organismus senken.

Multiple Sklerose

Bei der Multiplen Sklerose - kurz: MS - handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Nervensystems. Bei dieser Erkrankung bilden sich Entzündungsherde in den sogenannten Markscheiden, die die äußere Schicht von Nervenfasern im zentralen Nervensystem des menschlichen Körpers darstellen. Grundsätzlich ist die Multiple Sklerose nicht heilbar, inzwischen gibt es jedoch eine Vielzahl verschiedener Medikamente und medizinischer Behandlungsansätze, mit denen der Verlauf gelindert oder sogar ganz gestoppt werden kann. Nur in sehr wenigen Fällen verläuft MS tödlich.

Charakteristisch für die Multiple Sklerose ist, dass Störungen im neurologischen System bei dieser Erkrankung im ganzen Körper auftreten können. Die Symptome sind daher äußerst vielfältig und reichen von einer Minderung der Sehschärfe bis hin zu motorischen Problemen in allen anderen Körperbereichen.

Eines der typischen Symptome von MS kann der Tremor sein. Dadurch, dass auch das motorische System betroffen ist, prägt sich dieser deutlich aus. Dies kann sich einerseits in Lähmungserscheinungen der Extremitäten ausdrücken, die durch eine abnorme und unwillkürliche Erhöhung des Muskeltonus entstehen. Andererseits kommt es zu einem sogenannten Intentionstremor. In diesem Fall zittern die Extremitäten umso mehr, je näher sich der Betroffene einem bestimmten Ziel bzw. einer Zielbewegung annähert. Beispiel: Führt ein Betroffener den ausgestreckten Finger zur Nase, so wird dieser direkt vor der Nasenspitze am stärksten zittern.

Zur Behandlung Multipler Sklerose gibt es inzwischen verschiedene Therapieansätze, die allesamt durch die Gabe spezialisierter Medikamente ergänzt werden, oder sogar ausschließlich darauf basieren.

Tremorarten

Der Tremor unterscheidet sich in etliche verschiedene Unterarten. Allen gemeinsam sind die typischen Symptome, also das deutlich wahrnehmbare Zittern, welches durch die rhythmische und unwillkürliche Muskelkontraktion ausgelöst wird.

Ein Tremor kann isoliert auftreten, aber auch als Anzeichen bzw. Begleitsymptom einer anderen Krankheit fungieren. Diesbezüglich können unterschiedliche Krankheiten zugrunde liegen. Man unterscheidet die verschiedenen Arten eines Tremors anhand spezifischer  Merkmale, zum Beispiel der Frequenz (Anzahl der Wiederholungen oder Schleifen pro Sekunde) oder auch anhand der Situationen, in denen der Tremor auftritt. Es gibt Tremorarten, die in der Ruheposition der Extremitäten des Betroffenen auftreten, aber auch solche, die erst dann sichtbar werden, wenn die Muskeln in Aktion kommen bzw. die entsprechenden Extremitäten bewegt werden.

Grundsätzlich ist ein Tremor nicht krankhaft. So ist beispielsweise der physiologische Tremor an jeder Muskelbewegung des Menschen beteiligt und kennzeichnet auch einen gesunden Organismus. Erst wenn der Tremor sich verstärkt, das Zittern also überhand nimmt, und den Betroffenen in seinem alltäglichen Leben behindert, gilt der Tremor als krankhaft. Gleiches gilt, wenn er als Begleitsymptom einer anderen Krankheit auftritt.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Formen eines Tremors - dem Aktionstremor und dem Ruhetremor. Die Unterscheidung wird hierbei anhand der Situation gemacht, in welcher der Tremor auftritt. Innerhalb dieser beiden Oberformen werden dann nochmals Unterschiede zwischen verschiedenen Tremorarten gemacht. Hier eine genaue Übersicht:

Aktionstremor

Der Aktionstremor tritt - wie der Name bereits andeutet - immer dann auf, wenn das betroffene Körperteil samt der darin befindlichen Muskeln in Aktion tritt, also bewegt wird. Man unterscheidet wiederum verschiedene Formen des Aktionstremors. Diese sind:

  • Der Haltetremor: Der Haltetremor tritt beim Halteversuch z. B. betroffener Arme oder Beine gegen die Schwerkraft auf.
  • Der Bewegungstremor: Der Bewegungstremor tritt bei jeder Bewegung des betroffenen Körperteils auf.
  • Der Intentionstremor: Den Intentionstremor erkennt man an einer deutlichen Tremorzunahme bei Annäherung an ein Ziel. Er kann gut durch den bereits beschriebenen Finger-Nase-Versuch demonstriert werden.
  • Isometrischer Tremor: Der isometrische Tremor tritt auf, wenn der Betroffene einen schweren Gegenstand hebt und ihn hält.

Ruhetremor

Der Ruhetremor tritt bei den betroffenen Personen auf, wenn mit den entsprechenden Körperregionen (z. B. den Händen) keine Aktivität ausgeführt wird. Er wird also dann sichtbar, wenn die betroffene Extremität nicht bewegt wird, z. B. bei im Stehen herabhängenden Armen oder bei entspannt auf einer Unterlage ruhenden Armen mit herabhängenden Händen. Der Ruhetremor geht bei Bewegungsbeginn der betroffenen Extremität zurück.

Risikofaktoren, die einen Tremor begünstigen

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Alkohol

Für Betroffene mit einem Tremor ist der Genuss von Alkohol Fluch und Segen zugleich. Manch einer mag im Restaurant, der Gaststätte oder Kneipe bereits Menschen beobachtet haben, die offensichtlich mehr oder weniger stark zitterten, nach dem ersten Bier jedoch deutlich erkennbar ruhiger geworden. Oft assoziieren wir ein solches Verhalten mit einem Alkoholiker, dessen Körper nach der Droge (in diesem Fall das Bier) verlangt, und dieses Verlangen durch das Zittern nach außen hin deutlich macht.

Und genau hier sind wir gleichzeitig auch beim Fluch, den der Genuss von Alkohol in Verbindung mit einem Tremor mit sich bringt. Da der Alkohol tatsächlich eine Linderung des Tremors für einen gewissen Zeitraum bewirkt, sprechen viele Betroffene ihm übermäßig zu. Dabei hat er ein hohes Suchtpotenzial und ist als Therapeutikum deshalb überhaupt nicht geeignet. Trotzdem fragen die meisten Ärzte bei den entsprechenden Untersuchungen hinsichtlich eines Tremor den Patienten, ob er regelmäßig Alkohol zu sich nimmt, und ob dieser eine entsprechende Linderung verschafft. Hintergrund ist, dass die tremorproduzierende Krankheit herausgefunden werden soll. Und da es einige Erkrankungen gibt, bei denen der Genuss von Alkohol nicht die erwünschte Linderung des Tremors bringt, gibt die Antwort auf diese Frage dem Arzt ein wichtiges Indiz für die korrekte Diagnose.

Die Gefahr beim Konsum von Alkohol zur Linderung eines Tremors besteht also darin, dass der Betroffene sich schnell an dieses Mittel gewöhnt und daher beginnt, regelmäßig zu trinken. Schließlich hat das Gläschen Wein auch beim letzten Mal so herrlich funktioniert! Der Weg in die Alkoholsucht ist daher nicht weit. Verstärkend hinzu kommt in diesem Zusammenhang, dass der Genuss von Alkohol in Verbindung mit einem Tremor für eine sogenannte Rückstoßverschlimmerung sorgt. Das bedeutet konkret: Der Tremor wird nach jedem Alkoholgenuss etwas  stärker als zuvor zurückkommen, so dass die Alkoholmengen mit der Zeit größer werden müssen, um die gleiche mindernde Wirkung zu erzielen. Eine gefährliche Abwärtsspirale, in die sich kein Betroffener begeben sollte!

Der Rat der Mediziner ist daher eindeutig: Alkohol sollte niemals als Tremor-Therapeutikum eingesetzt werden. Stattdessen sollte der Betroffene nach anderen Möglichkeiten suchen, mit denen er belastende Situationen in seinem Alltag meistern kann. Gegen ein gelegentliches Gläschen Bier oder Wein, insbesondere zu besonderen Situationen, ist nichts einzuwenden. Auch die Linderung des Tremors darf der Patient in diesem Fall durchaus genießen. Allerdings sollte der Genuss von Alkohol gerade in diesem Zusammenhang immer in einem verantwortungsvollen Rahmen stattfinden. Jeder Betroffene muss sich selbst klarmachen: Wird der Alkohol nicht als Therapeutikum missbraucht, so kann er sich dieses „kleine Hilfsmittel“ dauerhaft sichern. Andernfalls nimmt er sich die Möglichkeit für immer.

Rauchen

Obwohl viele Menschen ohne Tremor davon berichten, dass der Genuss von Nikotin ihnen eine Beruhigung verschafft, bewirkt dieses Genussgift bei Tremor-Patienten in der Regel das Gegenteil: Der Tremor verstärkt sich direkt nach dem Genuss einer Zigarette. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Koffeingenuss. Betroffene sollten daher nach Möglichkeit das Rauchen aufgeben und auch den Konsum von Kaffee auf ein erträgliches Maß reduzieren.

Stress / Ungesunder Lebensstil

Allgemein stellen Stress und ein ungesunder Lebensstil die größte Gefahr für Tremor-Betroffene dar. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass übermäßiger Stress und ungesunde Gewohnheiten im Alltag den Tremor verstärken. Dies gilt insbesondere für die bereits beschriebene Einnahme von Genussgiften wie etwa Zigaretten (Nikotin) sowie Kaffee oder Tee (Koffein). Aber auch ungesundes Essen mit zu viel Fett und Zucker kann eine Verstärkung des Tremors bewirken. Gleiches gilt für die Gefühlswelt des Betroffenen. Befindet sich dieser immer wieder in Aufregung, Trauer, Angst oder Unsicherheit, so führt dies auf Dauer zu einer erheblichen Verstärkung seines Tremors. Natürlich gehören all diese Gefühle zu unserem täglichen Leben, und wir können sie nicht gänzlich abschalten oder beeinflussen. Betroffene tun daher gut daran, sich Maßnahmen zur Kompensation solcher Gefühle anzueignen. Diese Maßnahmen können beispielsweise aus Autogenem Training, Yoga und anderer gezielter Entspannung bestehen. Eine weitere geeignete Kompensationsmaßnahme besteht außerdem darin, sich nicht aus seinem sozialen Umfeld zurückzuziehen. Im Gegenteil: Tremor-Patienten sollten sich einen großen Freundes- und Bekanntenkreis aufbauen und die dadurch entstehenden Möglichkeiten, der häuslichen Einsamkeit zu entfliehen, wahrnehmen. Auch Sport ist hierfür ein geeignetes Mittel. Ein sehr gutes sogar, denn dadurch lassen sich körperliche Aktivitäten mit sozialen Kontakten verbinden. Zwar können sportliche  Aktivitäten dafür sorgen, dass sich der Tremor etwas verschlimmert, diese Verschlimmerung geht aber in der Regel sofort wieder zurück, wenn die Ruhephase nach dem Sport eintritt.

Tremor und Beruf - eine schwierige Beziehung

Das Thema Tremor und Beruf bringt für viele Betroffene besondere Schwierigkeiten mit sich. Sie fühlen sich sowohl in der Wahl ihres Berufs beeinträchtigt als auch später bei dessen Ausübung. Ständig leben sie in der Angst, dass sich ihr Tremor verstärkt und sie somit ihren Beruf nicht mehr wie bisher ausüben können. Hinzu kommt, dass kein noch so erfahrener Arzt mit Sicherheit vorhersagen kann, wie sich der Tremor über die Zeit entwickelt und welche Auswirkungen er auf das Leben des Betroffenen haben wird.

Statistiken zeigen, dass rund ein Viertel aller Tremor-Betroffenen im Laufe ihrer Erkrankung den Beruf wechseln oder ganz aufgeben müssen. Kein Wunder also, dass die Angst bei den Betroffenen tief sitzt.  Hier einige Tipps dazu:

  • Tritt der Tremor bereits vor der Berufswahl auf, so kann es sich lohnen, sich über Berufsbilder zu informieren, in denen feinmotorische Fähigkeiten weniger im Vordergrund stehen.
  • Wer bereits mitten im Berufsleben steht, kann versuchen, sich in eine andere Position versetzen zu lassen. Ein offenes Gespräch mit dem Vorgesetzen ist immer eine gute Idee.
  • Auch die Kollegen sollten in Ihre Krankengeschichte eingeweiht werden. Die meisten werden nett und verständnisvoll sein und Ihnen vielleicht sogar die ein- oder andere für Sie schwierige Arbeit abnehmen.
  • Auch eine komplette berufliche Neuorientierung kann sinnvoll sein. In diesem Fall helfen die Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit bzw. der Jobcenter gerne weiter.

Erbanlagen

Viele Ausprägungen des Tremors basieren nicht auf erblichen Veranlagungen. Der Essentielle Tremor allerdings kann auch vererbt werden. In diesem Fall spricht man auch von einem familiären Tremor. Die Ursache dafür ist meist ein autosomal-dominanter Gendefekt (Chromosom 16, Gen: FUS / Chromosom 3, Gen: DRD3 oder DNAJC13).

Zur Therapie werden u. a. Betablocker (Propranolol), Antiepileptika (Primidon, Gabapentin, Topiramat), Botulinumtoxin A oder Tiefe Hirnstimulation im Ncl. ventralis intermedius eingesetzt.

Krankheiten

Es gibt verschiedene Erkrankungen, zu deren Symptomen bzw. Begleiterscheinungen auch ein Tremor zählt bzw. zählen kann. Einige Erkrankungen haben wir in diesem Ratgeber bereits aufgelistet. Die bekanntesten Erkrankungen sind Multiple Sklerose, Parkinson sowie Morbus Wilson. Teilweise tritt ein ganz spezieller Tremor im Zuge einer solchen Erkrankung auf, wie beispielsweise der Intentionstremor bei der Multiplen Sklerose. Durch diese Spezialform eines Tremors kann der Facharzt relativ sicher auf die jeweilige Erkrankung schließen.

Epidemiologie, Häufigkeit & Verlauf der Erkrankung

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Grundsätzlich kann ein Tremor in jedem Alter auftreten, also beginnend bei der Kindheit bis zum hohen Alter. Das Auftreten bei Babys und Kindern ist jedoch höchst selten. Über die gesamte Lebenszeit gibt es - statistisch gesehen - zwei Lebensjahrzehnte, in denen der Tremor am häufigsten auftritt. Hierbei handelt es sich um das zweite und das sechste Lebensjahrzehnt.

Hinsichtlich der Verteilung des Tremors innerhalb der Geschlechter gibt es noch keine aussagekräftigen statistischen Untersuchungen. Das bedeutet: Sowohl Männer als auch Frauen können gleichermaßen von einem Tremor betroffen sein.

Mit zunehmendem Alter wächst die Anzahl der Symptome sowie jene der betroffenen Körperpartien und Körperteile. Das bedeutet: Bei Patienten in jungem Alter sind meist nur ein- oder wenige Körperteile betroffen, bei älteren Tremor-Patienten erstreckt sich dieser oft über den gesamten Körper oder zumindest über mehrere Extremitäten.

Der Verlauf der Erkrankung kann höchst unterschiedlich sein. Charakteristisch ist jedoch, dass sich bei fortschreitender Krankheit in vielen Fällen die Tremorfrequenz verringert, während der Umfang zunimmt. Das Zittern tritt also seltener auf, dafür umso stärker. Generell verläuft der Tremor jedoch als langsam fortschreitende Erkrankung. Innerhalb dieses Fortschritts kann es durchaus längere Perioden gibt, in denen sich die Symptome nicht verschlechtern oder unverändert bleiben. Auch kurzzeitige Verbesserungen konnten bei einigen Patienten beobachtet werden. Langfristige Verbesserung sind jedoch selten. Zudem gibt es einige Fälle einer nicht fortschreitenden Tremor-Erkrankung. Dabei bleibt die Intensität des Tremors also über ein Leben lang gleich. Dies ist jedoch meist nur bei schwächeren Formen der Erkrankung der Fall, durch die der Erkrankte keine entscheidende Beeinträchtigung seiner Lebensqualität erfährt.

Tremor & Vererbung

Die Wissenschaft fand anhand von Studien heraus, dass der Tremor bei etwa 40 % der Betroffenen nicht in der Familie liegt - d. h. er tritt lediglich bei einem Familienmitglied auf. Beim größeren Teil der Betroffenen, also bei ca. 60 %, wird der Tremor als dominierendes Merkmal vererbt. Sie bekommen die Erkrankung also von ihren Eltern mit. Die Gefahr für die Vererbung beträgt laut Wissenschaft rund 50 %. Dies schließt sowohl die Übertragung des entsprechenden Gens als auch den Ausbruch der Krankheit selbst mit ein.

Anlaufstationen

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Viele Tremor-Betroffene fragen sich: Was kann ich tun, wenn ich über einen längeren Zeitraum ein störendes oder ein behinderndes Zittern habe, und dieses noch nicht zufrieden stellend von einem Arzt abgeklärt wurde?

Grundsätzlich gilt: Es gibt zwar viele unterschiedliche Arten und Ausprägungen eines Tremors, die dadurch verursachten Probleme sind jedoch bei fast allen Betroffenen ähnlich oder sogar gleich. Durch diese Tatsache ergibt sich aber auch die Gefahr, bei einer Eigendiagnostik oder Fremddiagnostik durch einen unerfahrenen Arzt eine falsche Diagnose zu stellen - eben weil sich die Symptome so sehr gleichen! Dabei kann die Eigendiagnostik bzw. die Fremddiagnostik ohne entsprechenden Erfahrungshintergrund sehr gefährlich sein, insbesondere dann, wenn der Tremor durch eine andere, sehr ernste Krankheit ausgelöst wird.

Wir halten also fest: Der Tremor kann als Symptom vieler verschiedener Krankheiten auftreten. Es bedarf somit einer umfangreichen medizinischen Untersuchung, damit die genaue Ursache für den Tremor und die evtl. dahinter stehende Krankheit erkannt und richtig diagnostiziert werden kann. Daher sollten Betroffene möglichst keine Zeit verlieren, sich nicht im Internet durch unzählige Seiten mit teilweise veralteten und falschen Informationen kämpfen, sondern besser folgenden Weg gehen:

Die erste Anlaufstelle: Der Hausarzt

Wie bei allen anderen Erkrankungen stellt der Hausarzt i. d. R. die erste Anlaufstelle dar. Er kennt Sie meist sehr genau und weiß um Ihre Lebens- und Krankheitsgeschichte. Er kennt also auch Vorerkrankungen und kann somit Risikofaktoren einschätzen, die den Tremor auslösen können. Natürlich ist der Hausarzt kein Spezialist für Neurologie, er kann daher nur eine erste Einschätzung vornehmen, aber keine sichere Diagnose stellen.

Vorsicht: Manch unerfahrener Arzt hält die Symptome des Tremors von vornherein für psychosomatisch bedingt und rät dem Betroffenen, zunächst einmal seine persönlichen bzw. seelischen Probleme in den Griff zu bekommen. Dann würde das Zittern von selbst verschwinden. Dies mag der Fall sein, wenn das Zittern lediglich über einen Zeitraum von wenigen Tagen auftritt. Da aber die meisten Tremor-Betroffenen sich erst dann in ärztliche Behandlung geben, wenn sie die Anzeichen bereits über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen oder gar Monaten an sich selbst beobachtet haben, ist eine solche  Aussage sehr risikoreich und sollte nicht einfach hingenommen werden. Bestehen Sie in diesem Fall darauf, an einen Facharzt für Neurologie weiterverwiesen zu werden.

Die Wahl des richtigen Neurologen

Ein Tremor, der über längere Zeit auftritt und dessen Ursache noch nicht zweifelsfrei geklärt ist, muss immer durch einen Neurologen untersucht werden. Allerdings gibt es auch unter den Neurologen Unterschiede, insbesondere hinsichtlich der Spezialisierung. Tremor-Betroffene sollten daher immer einen spezialisierten Neurologen suchen, dessen Fokus sich auf Bewegungsstörungen richtet. Solche Spezialisten sind in Deutschland naturgemäß relativ dünn gesät. Stellen Sie sich als Betroffener daher darauf ein, nicht unbedingt einen Facharzt für Neurologie mit dem Fachgebiet Bewegungsstörungen in der Nähe Ihres Heimat- bzw. Wohnortes zu finden. Es kann mitunter durchaus notwendig sein, einige hundert Kilometer zu fahren, um einen solchen Spezialisten zu konsultieren. Auch die Wartezeiten auf einen Termin können teilweise länger ausfallen. Es lohnt sich dennoch, diese Hürden in Kauf zu nehmen.

Weiterhin wichtig ist der gute persönliche Kontakt zum Neurologen. Es spielt also nicht nur die fachliche Kompetenz des Arztes eine ausschlaggebende Rolle, sondern auch die Persönlichkeit. Gerade bei Erkrankungen wie den Tremor ist es unerlässlich, dass sich zwischen dem Arzt und seinem Patienten ein gesundes Vertrauensverhältnis aufbaut. Ist man sich als Mensch gegenseitig unsympathisch, so kann dies nur schwerlich gelingen. Vereinbaren Sie also zunächst einmal Termin für ein ausführliches Vorabgespräch, in dem Sie auch testen können, ob Ihnen die Persönlichkeit des Arztes zusagt oder nicht.

Spezialsprechstunden in Kliniken

Trotz der Spezialisierung auf Bewegungsstörungen tun sich einige Neurologen schwer damit, eine endgültige Diagnose im Falles eines Tremors zu stellen. In diesem Zusammenhang kann es hilfreich sein, wenn der Neurologe den Patienten an eine der Spezialsprechstunden für Bewegungsstörungen überweist. Diese Sprechstunden werden in der Regel von Unikliniken an verschiedenen Orten in Deutschland abgehalten. Auch hier gibt es diejenigen, die sich auf Bewegungsstörungen spezialisiert haben. Der Vorteil einer solchen Sprechstunde ist, dass es in der Regel mehrere Ärzte an der betreffenden Klinik gibt, die sich dem Thema Tremor angenommen haben, und die auch dann weiterhelfen können, wenn der Neurologe einmal nicht weiterkommt.

Um die Möglichkeit zu erhalten, an einer der Spezialsprechstunden für Bewegungsstörungen an einer Uniklinik teilzunehmen, benötigt der Betroffene die Überweisung seines Neurologen. Die Sprechstunde bildet nur den Anfang, im weiteren Verlauf kann der Tremor in der Klinik dann genauer untersucht werden. So ist es in der Regel möglich, eine sichere und genaue Diagnose zu stellen. Diese Diagnose wird dann wieder an den behandelnden Neurologen in Form eines Berichts zurückgegeben, zusammen mit einem Therapievorschlag. Die Ausarbeitung und Überwachung der Therapie übernimmt dann wiederum der Neurologe.

Schlägt die Therapie nicht an bzw. nimmt nicht den vorgesehenen Verlauf, so kann es notwendig werden, ein weiteres Mal an der Therapiesprechstunde in der Uniklinik teilzunehmen. Dort kann der Therapievorschlag dann entsprechend abgeändert bzw. ein neuer aufgesetzt werden.

Die eingesetzten Medikamente

Da es bis heute keine Medikamente auf dem Markt gibt, die ausschließlich für die Behandlung eines Tremors entwickelt wurden, sprechen Betroffene sehr unterschiedlich auf den Einsatz der verschiedenen Präparate an. Wie bereits erwähnt, setzen Ärzte bei einem Tremor die Medikamente meist nach dem Motto „Versuch und Irrtum“ ein. Es kann also durchaus sein, dass die ersten Versuche mit bestimmten Präparaten negativ verlaufen und zunächst mehrere Medikamente durchprobiert werden müssen, bevor das richtige Präparat gefunden ist. Auch hier muss der Tremor-Patient wieder besondere Geduld beweisen.

Diagnosemöglichkeiten

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Das grundsätzliche Problem beim Auftreten eines Tremors besteht darin, dass dieser extrem viele verschiedene Ursachen haben kann. Daher ist es nicht möglich, den Tremor durch eine einfache Blutuntersuchung, ein Ultraschallbild oder eine Röntgenuntersuchung zu diagnostizieren.

Hinzu kommt, dass der Tremor entweder für sich selbst stehen, aber auch ein Symptom einer anderen Erkrankung sein kann. Somit ist es bei der Untersuchung des Tremors fast immer notwendig, eine ganze Reihe anderer Krankheiten durch nachweisbare Befunde bzw. zusätzliche Symptome ausschließen zu können. Hierbei spricht man auch von einer Ausschlussdiagnostik. Die Krankheit Tremor kann also nicht direkt bestimmt werden, man kann lediglich auf die Ursache schließen, indem man möglichst viele andere Erkrankungen ausschließt.

Manche Ärzte machen es sich zu einfach und weisen einen bestehenden Tremor direkt einer anderen Krankheit wie etwa Parkinson, Morbus Wilson oder Multipler Sklerose zu. Für den Betroffenen ist dies eine große Belastung, denn es handelt sich dabei ausnahmslos um sehr schwerwiegende Erkrankungen. Daher muss immer wieder betont werden: Nur in vergleichsweise seltenen Fällen weist der Tremor auf Parkinson, Multiple Sklerose etc. hin!

Oft hat der Tremor eine andere, viel weniger schwerwiegende Ursache. Er kann für sich alleine infolge psychotischer oder psychosomatischer Störungen auftreten, er kann aber auch als Nebenwirkung der Einnahme verschiedener Medikamente ausgelöst werden. In diesem Fall wird er automatisch wieder zurückgehen, sobald das Medikament abgesetzt oder zumindest seine Dosis verringert wird. Bei psychotischen oder psychosomatischen Ursachen hilft oft eine entsprechende Therapie, und der Tremor geht ganz ohne den Einsatz von Medikamenten zurück oder verschwindet sogar komplett. Auch hieran lässt sich wieder erkennen, wie wichtig die korrekte Diagnose eines Tremors ist. Fehldiagnosen können schwerwiegende Folgen haben und zu völlig unnützen, teilweise sogar gefährlichen Behandlungen führen. Auf der anderen Seite können Fehldiagnosen aber auch dafür sorgen, dass eine hinter dem Tremor stehende, schwerwiegende Erkrankung nicht oder zu spät erkannt wird. Dies gilt es immer zu bedenken.

Behandlungsformen

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Welche Behandlungsform bei einem diagnostizierten Tremor eingesetzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von dessen Ausprägung, der Art des Tremors und allgemein der Vorgeschichte des Patienten. Nachfolgend eine Übersicht der gängigsten Behandlungsformen für die verschiedenen Tremorarten:

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung des Tremors wurde bereits im Kapitel „Essentieller Tremor“ ausgiebig vorgestellt. Da es von Patient zu Patient verschieden ist, welches Präparat zum Einsatz kommt und dieses oft erst durch verschiedene Versuche ermittelt werden muss, werden die dort aufgelisteten Medikamente auch zur Behandlung anderer Tremorarten eingesetzt. Das im Kapitel „Essentieller Tremor“ Beschriebene gilt somit grundsätzlich für alle Tremorarten.

Chirurgische Behandlung

Die chirurgische Behandlung eines Tremors sollte immer das letztmögliche Mittel darstellen. Das bedeutet, sie kommt erst dann zum Einsatz, wenn alle anderen zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten so weit wie möglich ausgeschöpft sind. Außerdem kommt eine chirurgische Behandlung des Tremors nur dann in Betracht, wenn die Symptome bzw. die Funktionsunfähigkeiten das tägliche Leben des Betroffenen extrem stark erschweren und quasi unmöglich machen.

In einigen Fällen reagieren Betroffene nicht auf bestimmte Medikamente oder reagieren andererseits zu heftig, bzw. zeigen unerwünschte Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen. Auch in diesem Fall kann es notwendig sein, den Tremor chirurgisch zu behandeln. Wichtig zu wissen ist, dass die Operation zur Behandlung eines Tremors am offenen Gehirn erfolgt. Es handelt sich hierbei also um einen schwierigen und schwerwiegenden chirurgischen Eingriff, der mit entsprechenden Risiken verbunden ist.

Es gilt daher stets, die Gefahren einer solchen Operation gegen den damit verbundenen  möglichen Nutzen gut abzuwägen. Hier ist nicht nur der Patient selbst gefragt, sondern auch seine Familie, der behandelnde Hausarzt sowie der Neurologe.

Motorisches Training

Für viele Patienten mit einem Tremor kann es hilfreich sein, ein umfangreiches motorisches Training zu absolvieren. Zu diesem motorischen Training gibt es mittlerweile verschiedene Ansätze. Einer der erfolgreichsten wurde von der neuropsychologischen Abteilung des Krankenhauses München-Bogenhausen vor einigen Jahren ausgearbeitet.

Hierbei handelt es sich um einen motorisches Spezialtraining, bei dem sich die Muskulatur der durch den Tremor befallenen Extremität zunächst durch spezielle Techniken so weit wie möglich entspannen lässt. In diesem entspannten Zustand können dann Tätigkeiten ausgeführt werden, die dem Betroffenen ohne das Training nicht möglich sind. Inzwischen ist diese Therapieform recht bekannt geworden und hat schon vielen Tremor-Patienten gute Erfolge gebracht.

Die Therapie beginnt damit, dass die Ärzte nach Bedingungen suchen, in denen der Betroffene die motorischen Störungen überhaupt nicht oder zumindest weniger stark ausgeprägt als normal zeigt. Hier spielen auch psychosomatische und psychologische Faktoren mit hinein. So hat sich bei Versuchen beispielsweise gezeigt, dass es einen Unterschied macht, ob ein Patient mit Tremor eine Plastikflasche oder eine Glasflasche ergreifen soll. Bei der Glasflasche spielt offensichtlich immer die Angst mit, dass diese zu Boden fallen und dabei zerbrechen könnte, was bei einer Plastikflasche nicht möglich ist. Genau diese Erkenntnisse macht man sich beim motorischen Training zu Nutze.

Das Training der neuropsychologische Abteilung des Krankenhauses München-Bogenhausen zielt nicht nur auf Patienten mit einem Tremor ab, sondern auf alle Betroffenen, bei denen sich motorische Störungen zeigen. Trotzdem stellt es einen sehr guten Ansatz für Tremor-Patienten dar.

Akupunktur

Um die Wirkweise der Akupunktur zu verstehen, muss man sich zunächst etwas eingehender mit deren Ursprung und generell mit der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beschäftigen. In dieser Medizinlehre geht man davon aus, dass durch jeden Körper eine Lebenskraft namens Qi fließt, die auch als Lebensenergie bezeichnet wird. Sie fließt auf vorgegebenen Bahnen - sogenannten Meridianen - durch den Körper und hält damit alle wichtigen Körperfunktionen aufrecht.

Wird der Fluss der Lebensenergie durch den Körper gebremst oder behindert, so zeigt sich dies anhand von körperlichen Störungen und letztendlich auch Erkrankungen. Der Ansatz der Traditionellen Chinesischen Medizin besteht also immer darin, an einer betroffenen Stelle die Blockierung des Flusses der Lebensenergie aufzuheben, so dass diese wieder ungehindert fließen kann. Dadurch löst sich die Erkrankung von selbst auf.

Die Akupunktur stellt nun eine der geeigneten Methoden dar, um Blockierungen in den Meridianen zu lösen. Dafür werden sehr dünne und feine Nadeln an den betreffenden Punkten in die Hautoberfläche eingebracht. Diese Nadeln stimulieren die entsprechenden Energiepunkte auf den Meridianen, wodurch sich die Blockaden auflösen. Jeder nur denkbaren Erkrankung und jedem Ungleichgewichtszustand sind bestimmte Punkte auf der Körperoberfläche zugeordnet. Es gilt bei der Akupunktur also, die passenden Punkte für das Setzen der Nadeln zu finden. Hierfür benötigt es viel Fachwissen und Erfahrung.

Ob die Akupunktur auch bei einem Tremor helfen kann, ist umstritten. Manche Patienten berichten von sensationellen Erfolgen, andere konnten keine Verbesserung des Tremors feststellen. Da eine Behandlung mit Akupunkturnadeln - richtig durchgeführt - jedoch keinerlei Gefahr für den Betroffenen darstellt, kann es bestimmt nicht schaden, auch diese Herangehensweise einmal auszuprobieren.

Psychotherapie

Wie wir in diesem Ratgeber bereits erfahren haben, sind die Auswirkungen eines Tremors oft sehr drastisch, bringen deutliche Funktionseinschränkungen mit und behindern den Betroffenen daher stark in seinem alltäglichen Leben. Wie stark die Einschränkungen sind, hängt natürlich auch vom Schweregrad des Tremors ab.

Nichtsdestotrotz gelingt es einigen Betroffenen selbst mit einem schweren Tremor besser, mit der Krankheit im Alltag zu leben, als anderen, die eine leichtere Form haben. Leider sind Untersuchungen zufolge jene Menschen in der Überzahl, denen der Tremor sehr starke psychische Probleme macht, die sich Sorgen um ihre private und berufliche Zukunft machen und Angst vor dem weiteren Verlauf der Erkrankung haben.

Wenn es auch Ihnen so geht, sollten Sie sich mit Ihrem Problem an einen Psychotherapeuten wenden. Hier ist insbesondere ein solcher Therapeut zu wählen, der bereits Erfahrungen in der Behandlung von Menschen mit chronischen Krankheiten hat. Eine erfolgreich absolvierte Psychotherapie kann verhindern, dass sich der Betroffene aus seinem sozialen Umfeld zurückzieht und in die Isolation verfällt. Er lernt, mit verschiedenen Situationen, die der Tremor mit sich bringt, besser umzugehen und positiver in die Zukunft zu schauen.

Autogenes Training

Eine wirkungsvolle Entspannung zu finden, gestaltet sich für viele Betroffene mit einem Tremor besonders schwierig. Das ständige Zittern, also die motorische Aktivität der Muskulatur, verhindert, dass sich ein entspannter körperlicher und geistiger Zustand einstellt. Hinzu kommen die allgegenwärtigen Sorgen und negativen Gedanken, die das Ganze noch verstärken.

In diesem Fall kann es enorm hilfreich sein, sich selbst eine wirkungsvolle Entspannungstechnik anzueignen. Eine der bekanntesten Entspannungstechniken stellt dabei das Autogene Training dar, welches von dem deutschen Neurologen Johannes Schultz entwickelt wurde.

Das Autogene Training besteht aus verschiedenen Aspekten, mit denen sowohl eine körperliche als auch die geistige und seelische Entspannung erreicht werden kann. Das Training setzt sich aus unterschiedlichen Übungen zusammen, bei denen unter anderem Muskelspannung, Atmung usw. mit einbezogen werden. Zwischen den einzelnen Übungen werden jeweils Pausen eingelegt.

Sollten Sie als Betroffener Interesse haben, das Autogene Training zu erlernen, so können Sie dies unter anderem in verschiedenen Kursen der Volkshochschulen in Deutschland, aber auch bei Ärzten und Therapeuten sowie Sportvereinen tun. Zwar stellt das Autogene Training keine Therapie dar, welche die Ursachen eines Tremors beheben kann, sie bietet dem Betroffenen jedoch eine wertvolle Hilfe im täglichen Umgang mit seiner Erkrankung.

Tipps & Tricks zum Leben mit einem Tremor

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Das Leben mit einem Tremor ist mitunter sehr beschwerlich. Schwierigkeiten bei einfachen alltäglichen Tätigkeiten wie Essen, Trinken, Arbeiten usw. paaren sich mit einem Schamgefühl und dem stetigen Versuch, das Handicap zu verstecken. Das kann viel Lebensfreude und Lebensmut nehmen.

Um es Betroffnen etwas leichter zu machen, ihren Alltag zu meistern, haben wir einige Tipps und Tricks zusammengestellt:

Essen & Trinken

Insbesondere beim Essen und Trinken in der Öffentlichkeit haben Betroffene mit einen Tremor immer wieder große Probleme. Mit einigen kleinen Tricks und Kniffen kann man sich diese Probleme jedoch deutlich erleichtern. Es beginnt bereits bei der Bestellung eines Getränks: Achten Sie hierbei darauf, statt beispielsweise einer Kaffeetasse besser einen großen Becher zu bestellen. Dieser ist wesentlich einfacher zu handhaben und wird in der Regel auch nicht randvoll gefüllt. Zusätzlich können Sie der Servicekraft sagen, dass der Kaffeebecher bitte nicht bis zum oberen Rand gefüllt werden soll.

Auch im privaten Bereich sollten Sie es sich zur Angewohnheit machen, Tassen nicht komplett zu füllen. Gewöhnen Sie sich stattdessen an, die Tasse immer nur halb- oder dreiviertel voll zu machen. Mit der Zeit werden auch Familie und Freunde diese Angewohnheit übernehmen und Ihnen ungefragt keine randvolle Tasse mehr servieren.

Die Wahl des passenden Trinkgefäßes ist generell entscheidend dafür, ob Sie anschließend beim Trinken Probleme bekommen oder nicht. So sollten Sie beispielsweise bei Gläsern für Sekt oder Wein darauf achten, dass diese keinen zu langen Stiel besitzen. Je länger der Stil, desto stärker wirkt sich das Zittern auf den Inhalt des Glases aus. Bei einem langstieligen Glas besteht also viel eher die Gefahr, den Inhalt zu verschütteten, als bei einem Glas mit kurzem Stiel.

Ein guter Tipp ist die Benutzung von  Trinkhalmen. Diese sollten zwar nicht zum Genuss von Alkohol verwendet werden, eignen sich dafür aber für alkoholfreie Getränke wie Softdrinks, Mineralwasser etc. umso besser. Da nicht jedes Restaurant oder Café Strohhalme bereithält, sollten Sie sich angewöhnen, immer einige davon in der Tasche mitzuführen.

Schreibarbeiten

Große Probleme kommen auf Menschen mit einem Tremor immer dann zu, wenn sie etwas schreiben sollen. Dabei kann es sich nur um die eigene Unterschrift unter einen Vertrag handeln, aber auch um andere Dokumente jeglicher Art. Es beginnt bereits bei der Auswahl des richtigen Schreibgeräts. Manche Betroffene können wesentlich besser mit einem Bleistift schreiben, da dieser einen größeren Widerstand auf dem Papier erzeugt, als beispielsweise ein Kugelschreiber oder ein Füllfederhalter.

Gewöhnen Sie sich daher an, immer Ihren eigenen Stift mit sich zu führen. Mit diesem können Sie dann Dinge unterschreiben und vermeiden es, von Ihrem gegenüber einen Stift in die Hand gedrückt zu bekommen, mit dem Sie nur schwerlich zurecht kommen.

Ein weiterer Tipp ist, die persönliche Unterschrift zu vereinfachen. Wenn Sie Probleme damit haben, Ihren Vor- und Nachnamen fehlerfrei in Form einer Unterschrift auszuschreiben, so überlegen Sie sich ein entsprechendes Kürzel. Trainieren Sie dieses immer wieder zu Hause, so dass Sie später keine Probleme mehr damit haben, in der neuen Form zu unterschreiben. Es ist ein Trugschluss, dass es bei einer Unterschrift erforderlich ist, den Vor- und Zunamen des Unterschreibenden einwandfrei lesen zu können. Die Unterschrift kann völlig unleserlich sein, wichtig ist im Hinblick auf die Rechtsgültigkeit nur, dass sie von dem Vertragspartner selbst kommt.

Zu Hause sollten Sie sämtliche Schriftstücke wie Briefe, Anträge etc. mit dem Computer schreiben. Auch hier ist dann lediglich noch die Unterschrift erforderlich, um ein korrektes Schriftstück zu erstellen. Trotzdem kann es nicht schaden, im Hinblick auf die Behandlung des Tremors immer wieder handschriftliche Übungen zu machen.

Sich selbst beruhigen

Bei vielen Betroffenen verstärkt sich der Tremor, wenn sie vor einer Veranstaltung bzw. einer privaten Unternehmung aufgeregt sind. Oft malt sich derjenige dann die schlimmsten Situationen in seinem Geist aus und gerät regelrecht in Panik, was den Tremor nur noch weiter verstärkt. Das muss nicht sein! Im Grunde genommen ist es gar nicht verkehrt, sich sozusagen den Super-GAU in der jeweiligen Situation vorzustellen. Wenn Sie dies intensiv tun, werden Sie merken, dass der Schrecken davor deutlich abnimmt. Überlegen Sie sich also: Was könnte in der bevorstehenden Situation im schlimmsten Fall passieren? Überlegen Sie sich weiter, wie Ihre angemessene Reaktion darauf aussehen könnte. Indem Sie diese Schritte vorwegnehmen, reduzieren Sie die Angst vor dem Ungewissen und damit auch die aufkommende Panik.

Wenn Sie bereits im Vorhinein eine Situation durchspielen, beziehen Sie auch immer den Fall mit ein, um Hilfe bitten zu müssen. Es ist überhaupt keine Schande, sich in einer unangenehmen Situation dem Gegenüber oder auch einer Mehrzahl von Mensch zu offenbaren und frei auszusprechen, dass Sie ein Problem mit Ihrer Motorik haben. Jeder Mensch hat in irgendeiner Form Probleme mit sich selbst. Daher kann sicherlich auch jeder Mensch Ihr Problem nachvollziehen und hat mehr Verständnis dafür, als Sie zunächst vermuten möchten.

Vorsicht im Umgang mit Alkohol!

Es ist ein verlockender Gedanke: Vor einer Veranstaltung, wenn sich der Tremor aufgrund von Aufregung besonders stark ausgeprägt, trinken Sie ein Glas Alkohol, zum Beispiel in Form von Wein oder Bier, und sind anschließend deutlich ruhiger. Das Ganze kann durchaus funktionieren, es birgt jedoch eine große Gefahr in sich - die Gefahr der Alkoholabhängigkeit.

Gewöhnen Sie sich also nicht an, den Konsum von Alkohol zu einer regelmäßigen, fast schon standardisierten Angelegenheit im Kampf gegen den Tremor zu machen. Das Glas Alkohol zur Beruhigung sollte absoluten Ausnahmesituationen vorbehalten bleiben, zum Beispiel dann, wenn Sie von einer großen Menschenmenge sprechen müssen. Und auch dann sollte es bei dem einen Glas bleiben, nicht mehr! Stellen Sie sich immer wieder selbst auf den Prüfstand und eruieren Sie, ob Sie auch weiterhin ohne den täglichen Genuss von Alkohol problemlos leben können. Zeigen sich kleinste Anzeichen dafür, dass dies nicht mehr der Fall ist, sollten Sie den Alkoholkonsum sofort stoppen und nach Möglichkeit einen Experten aufsuchen. Ihr Hausarzt kann Ihnen in diesem Fall gute Tipps geben und Sie entsprechend weiter vermitteln.

Entspannungstechniken erlernen

Wir hatten es bereits in einem früheren Kapitel angeschnitten: Bei den meisten Betroffenen verstärkt sich der Tremor, wenn der Mensch aufgeregt ist und/oder sich in einer Stresssituation befindet. Wie stressig bzw. aufregend die Situation im Endeffekt ist, können wir weitgehend selbst bestimmen. In diesem Fall kann es also ratsam sein, sich entsprechende Entspannungstechniken anzueignen, um das Aufregungs- und Stresslevel bei Bedarf selbst reduzieren zu können.

Bei einer solchen Entspannungstechnik kann es sich beispielsweise um das bereits beschriebene Autogene Training handeln. Hierbei lernen Sie, sich quasi auf Knopfdruck in einen Zustand maximaler Entspannung zu versetzen und diesen so lange zu halten, wie Sie möchten bzw. wie es notwendig ist. Daher ist Autogenes Training ein sehr gutes Mittel im Kampf gegen die Auswirkungen des Tremors. Kurse für Autogenes Training werden beispielsweise von den Volkshochschulen in Deutschland zu günstigen Preisen angeboten.

Eine weitere Möglichkeit, die richtige Technik zur Entspannung zu erlernen, stellt die Meditation dar. Sie ist relativ eng mit dem Autogenen Training verwandt und eröffnet dem Anwender ebenfalls die Möglichkeit, immer dann in einen entspannten Zustand zu kommen, wenn er es für nötig hält. Viele Menschen haben es sich zur Angewohnheit gemacht, täglich zu meditieren. Sie schwören auf die positive Wirkung für Körper, Geist und Seele. Gerade Tremor-Betroffene können sich dies zu Nutze machen.

Freunde und Verwandte in die Situation mit einbeziehen

Freunde und Verwandte sind neben dem Lebenspartner in der Regel die uns am nächsten stehenden Menschen. Ihnen können wir vertrauen, und sie helfen uns gerne. Betroffene mit einem Tremor sollten diese Chance nutzen und sich alltägliche Situationen selbst vereinfachen, indem sie eben diese Freunde und Verwandte mit einbeziehen.

Wenn Sie beispielsweise mit Freunden unterwegs sind und Probleme damit haben, das Kleingeld in Form von Münzen zum Bezahlen zu zählen, so lassen Sie doch zunächst einen Freund oder eine Freundin für sich bezahlen. Das Geld können Sie dann später wieder zurückgeben. Gleiches gilt für den Kauf von Dingen, die vorsichtig getragen werden müssen bzw. beschädigt werden könnten. Es wird Ihren liebsten Menschen nichts ausmachen, in diesem Zusammenhang kleine Gefälligkeiten für Sie zu übernehmen und Ihnen entsprechend zu helfen. Im Gegenzug können Sie Ihren Lieben in allen Dingen helfen, in denen diese nicht so bewandert sind.

Fazit

Ein Tremor kann sehr lästig sein, er ist jedoch noch lange kein Grund zum verzweifeln! Auf genau diese Aussage könnte man sämtliche Kapitel dieses Ratgeber reduzieren. Also verzweifeln Sie nicht, sondern gehen Sie das Problem offensiv und mit der nötigen Ruhe an.

Wichtig ist zunächst, die genaue Ursache für den Tremor herauszufinden. Stellen Sie sich darauf ein, dass dieser Prozess etwas dauern wird. Unter Umständen müssen Sie mehrere Ärzte konsultieren, bevor eine sichere Diagnose gestellt werden kann. Verlieren Sie in dieser Situation nicht die Geduld.

Ist die Diagnose zweifelsfrei gestellt, so gilt es, die richtige Behandlungsmethode auszuwählen. Auch hier gibt es in der Regel mehrere Möglichkeiten. Welche die sinnvollste ist, darüber kann Sie der Facharzt eingängig beraten. Dies gilt zum Beispiel auch für die medikamentöse Behandlung und die Auswahl des richtigen Präparats. Hier sollten Facharzt und Hausarzt möglichst eng zusammenarbeiten. Ihr Hausarzt kennt Sie in der Regel seit vielen Jahren und weiß, welche Allergien, Unverträglichkeiten etc. bei Ihnen beachtet werden müssen. Durch die Zusammenarbeit kann auch der Spezialist (zum Beispiel ein Neurologe) diese wichtigen Informationen in seine Arbeit mit einbeziehen.

Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand, wenn die Behandlung des Tremors einige Zeit in Anspruch nimmt. Beachten Sie selbst kleinste Verbesserungen und freuen Sie sich darüber. Ihnen wird ganz sicher geholfen werden, zudem forschen Spezialisten ständig an neuen Möglichkeiten, einen Tremor zu behandeln. Die Zeit ist also auf Ihrer Seite!

Zum Schluss noch ein wichtiger Tipp: Isolieren sie sich nicht selbst mit Ihrer Krankheit. Suchen Sie den Kontakt zu anderen Betroffenen und tauschen Sie sich mit diesen aus. Gemeinsam ist man stark - dieses Motto gilt für Betroffene mit einem Tremor ganz besonders! Sie werden von einem Menschen, der selbst vom Tremor betroffen ist, nicht nur besser verstanden, sondern erhalten oft auch wertvolle Tipps und Tricks für die Wahl des richtigen Arztes, des passenden Medikaments und generell für den Umgang mit der Erkrankung. Solch wertvolle Hilfen sollten Sie unbedingt annehmen.

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